Was entsteht, wenn sich ein Fotograf und eine Textildesignerin ganz auf die Magie des Landesplattenbergs einlassen? Eine Ausstellung, Foulards und eine Fotopublikation sind nun zu bestaunen.
Von Søren Ehlers
1833 übernahm das Land Glarus das Schieferbergwerk in Engi, seither heisst es «Landesplattenberg». 130 Jahre lang wurde Schiefer abgebaut, danach geriet der Landesplattenberg in Vergessenheit.
Einer der anwesenden Ehrengäste an der Vernissage der Ausstellung war Hans Rhyner, der «Vater des Landesplattenbergs». Er sorgte mit unermüdlichem Einsatz dafür, dass der Landesplattenberg für den Tourismus geöffnet wurde. «Obwohl man mich damals für diese Idee auslachte», blickt Rhyner schmunzelnd zurück.
Der dritte Streich der Stiftung Landesplattenberg
«Zwei künstlerische Resonanzen aus dem Landesplattenberg» ist der etwas sperrige Titel eines aussergewöhnlichen Kunstprojektes. Am Beginn dieses Projektes steht die Stiftung Landesplattenberg. «2010 hatten wir 10 000 Besucherinnen und Besucher», führt Stiftungsratspräsident Hansjürg Marti aus. Heutzutage seien es deutlich weniger, dem wolle man entgegenwirken. Doch wie? «Indem wir den Landesplattenberg zu den Leuten bringen.» Das geschah durch die drei Schwerpunkte Konzerte, Audiowalk für Schulen und Jugendliche und Kunst (Fotografie und Textildesign).
Der dritte Streich ist eine künstlerisch hochstehende Ausstellung, zu sehen in der Landesbibliothek Glarus.
Jasmin Schläpfer von der Visit Glarnerland AG führte durch die Eröffnung der Ausstellung. «Demut bedeutet, anzuerkennen, dass etwas grösser ist als wir selbst. Und wenn man sich mit dem Landesplattenberg beschäftigt, dann begegnet einem genau dieses Gefühl.» Neben Visit Glarnerland und der Stiftung Landesplattenberg stehen das Migros Kulturprozent, das Kulturdepartement des Kantons Glarus, die Anna & Aegidius Tschudi-Streiff Stiftung, der Verein Elm Ferienregion und private Unterstützerinnen und Unterstützer hinter dem Projekt.
Mausbeinallein im Berg
Fridolin Walcher verbrachte sechsmal einen ganzen Tag allein im Berg. Als Lichtquelle für seine Fotografien beschränkte er sich auf eine Karbidlampe, so wie sie damals von den Arbeitern, den «Plattenbergern», gebraucht wurde. «Als ich so mausbeinallein im Berg war, ist eine grosse Ruhe über mich gekommen.»
Die zahlreichen Räume, Höhlen, Kavernen und Kathedralen seien durch Millionen von Pickelschlägen der Plattenberger entstanden. Dadurch seien sie die Negativform eines Berges, wie eine Skulptur von innen.
Angetan hat es Walcher das Wort «Bergersatz». Dieses stammt aus der Sprache der Plattenberger und bezeichnet die ausgebrochenen Schieferstücke, welche nicht brauchbar waren und deshalb überall, wo Platz war, sorgfältig aufgeschichtet wurden. Seine Publikation mit über 40 Fotografien trägt denn auch den Titel «Bergersatz». Die fantastischen Formen, hervorgerufen durch ihre Struktur und das Spiel von Licht und Dunkelheit sind als Fotografien in der Ausstellung zu bestaunen. Bemerkenswert ist das intensive Schwarz auf den Fotografien, für die Walcher mit Kohlenstaub hergestellte Farben verwendete.
Kaninchenfisch
Daniela Zimmermann ist seit 24 Jahren Textildesignerin. Sie bewegt sich Spannungsfeld von Kreativität und Wirtschaftlichkeit: Stoffe zu entwerfen und deren ökologische und effiziente Herstellung zu organisieren, gehören für sie zusammen.
Daniela Zimmermann ist fasziniert von den Fossilien des Landesplattenberges. Sie verbrachte viele Tage mit den zahlreichen, in den Schieferplatten verewigten Urtieren. Einer ihrer Lieblinge ist der Kaninchenfisch. Sie zeichnete, malte und fertigte Scherenschnitte an. Sie bildete nicht nur ab, sondern erschuf neue Wesen, zum Beispiel achtflügelige Libellen. «In dieser Zeit machte ich mir sehr viele Gedanken über die Geschichte unserer Erde», erzählte sie an der Vernissage. «Zurzeit befinden wir uns erdgeschichtlich im Zeitalter des Menschen und ich stellte mir vor, was wohl als Nächstes kommt. Ich entwarf das Sonnenzeitalter.» Als Ergebnis ihrer Arbeit entstanden neun grossformatige Seidenbilder, die als
ein Gesamtbild ausgestellt sind. Drei der neun Originale reproduzierte Zimmermann und erstellte eine kleine Auflage von Seidenfoulards.
Ausstellung, Foulards, Bilder
Die Ausstellung ist noch bis am Samstag, 3. Oktober, in der Landesbibliothek Glarus zu sehen. Die Foulards von Daniela Zimmermann und die Fotopublikation von Fridolin Walcher sind während den Öffnungszeiten zu kaufen. Danach können sie via VISIT Glarnerland (Gäste-Info Elm) bestellt und ab Mitte Oktober auch in den Gäste-Infos (Markthalle Glarus, Schwanden und Elm) gekauft werden.


