Die Glarner Kantonalbank verlieh den Glarner Nachhaltigkeitspreis und drei Sonderpreise. Vier Projekte wurden so mit insgesamt 13 000 Franken gefördert. Eine Rekordzahl von teilnehmenden Unternehmen machte den Preisverleihungsanlass zu einem Treffen von innovativen Menschen.
Von Søren Ehlers
Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde erstmals 1713 schriftlich formuliert. Schon lange zuvor wurde es in der Forstwirtschaft angewendet: Im Wald ist nur so viel Holz zu schlagen, wie nachwächst. Doch der Inhalt des Begriffs «Nachhaltigkeit» wurde im Verlaufe der letzten Jahrzehnte stark erweitert. Die GLKB stützt sich bei der Definition von Nachhaltigkeit auf ein breit anerkanntes Schema, das drei Bereiche umfasst. Ein Projekt ist ökologisch nachhaltig, wenn es die Umwelt schont. Es ist sozial nachhaltig, wenn es faire Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen bietet und wirtschaftlich nachhaltig, wenn es gesunde Finanzen ermöglicht. Oder noch kürzer formuliert: umwelt-, menschen- und wirtschaftsfreundlich zugleich.
Der Hauptpreis
25 Unternehmen, Vereine und Einzelpersonen bewarben sich für den Nachhaltigkeitspreis – eine neue Rekordbeteiligung. Den Hauptpreis, dotiert mit 10 000 Franken, hat das Pharmaunternehmen Proto Chemicals aus Mitlödi gewonnen. Für den Hauptpreis mussten in allen drei Bereichen – Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft – sehr gute Ergebnisse vorgewiesen werden. Die Jury des Nachhaltigkeitspreises hob das hervor: «Mit der Umstellung ihrer Produktionsprozesse auf eine Kombination aus Nieder- und Hochtemperaturwärmepumpen ist es dem Unternehmen gelungen, die Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe unabhängig von fossilen Brennstoffen zu gestalten.» (Umwelt). Im Bereich Gesellschaft sei die klimafreundliche Produktion von Wirkstoffen ein Vorbild für die Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaft. Und schliesslich wurde der wirtschaftliche Aspekt bewertet: Mit dieser Investition stärke das Unternehmen seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Sonderpreise pro Bereich
Die Glarner Wirtschaftskammer, die Glarner Gemeinnützige und KlimaGlarus.ch stifteten je einen Preis von 1000 Franken. Um einen Sonderpreis zu gewinnen, mussten nur in einem der drei Bereiche die Nachhaltigkeitsbedingungen erfüllt werden.
Umwelt: IGNA
Mit dem Sonderpreis in der Sparte Umwelt, gestiftet von KlimaGlarus.ch, wurde die Interessengemeinschaft für einen nachhaltigen und naturnahen Lebensraum (IGNA) geehrt. Co-Präsidentin Lisa Hämmerli begründete die Auszeichnung: «Die IGNA erhält den ersten Umweltpreis für ihren langjährigen, praktischen Einsatz für Natur- und Artenvielfalt im Glarnerland. Durch Pflanzungen, Pflege, Aufwertung von Lebensräumen und gemeinschaftliches Engagement verbindet sie ökologische Wirkung mit Wissensvermittlung und lokaler Mitgestaltung.»
Gesellschaft: Fridolins Robotik 6417
Hansjörg Dürst, Präsident der Glarner Gemeinnützigen, übergab den Preis im Bereich Gesellschaft an das Team von Fridolins Robotik 6417. Er hob hervor, dass Nachhaltigkeit durch langfristige Nachwuchsförderung und die Verbindung von Jugendlichen, Mentorinnen und Mentoren sowie Ausbildungsbetrieben entstehe.
Wirtschaft
Der Sonderpreis im Bereich Wirtschaft geht an die Firma Anavia aus Bilten für die Entwicklung unbemannter Helikopter, welche sowohl zivile als auch militärische Aufgaben erfüllen. Verliehen wurde er von der Glarner Wirtschaftskammer. Vorstandsmitglied Konrad Marti begründete die Ehrung damit, dass «innovative Technologie in einem Wachstumsmarkt hoch qualifizierte Arbeitsplätze schafft und grosses Entwicklungspotenzial sowie starke Innovationsfähigkeit beweist.» Das Projekt verbinde wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit, indem es Risiken für Menschen und Umweltbelastungen reduziere, so Marti.
Sven Wiederkehr, CEO der Glarner Kantonalbank, lud nach den Preisverleihungen zu einem Apéro. Dieser Teil der Veranstaltung liege ihm sehr am Herzen. «Wir bringen dadurch innovative Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zusammen. Es wäre schön, wenn sich neue Bekanntschaften und Vernetzungen ergeben.»


