Vor bald hundert Jahren entsprang aus einem Fichtensamen ein Sprössling. Aus diesem wuchs eine stattliche Fichte heran. Dieser Baum erlebte vieles.
Als wir wussten, dass wir die Alp pachten können, machten wir uns Gedanken, was wir alles brauchen. Käsebretter. Ich kannte einen Älpler, der sich mit Holz gut auskennt. Er suchte die richtige Fichte aus. Eben diese Fichte. Daraus liessen wir Bretter sägen und verarbeiteten diese zu Käsebrettern. Diese Käsebretter benutze ich schon während 17 Jahren. Jeden Frühling oder Herbst werden sie mit Wasser gewaschen und gut getrocknet. Bevor wieder Käse darauf gelegt werden, werden sie im Keller akklimatisiert, damit die frischen Käse nicht austrocknen. Das Fichtenholz reguliert die Feuchtigkeit. Diese Bretter sind sehr geduldig und sind schon unendliche Male trocken und wieder nass geworden. Ich bin jeden Tag im Keller zum Käseschmieren, die frischen Käse werden jeden Tag geschmiert. Wenn sie älter werden, zuerst noch jeden zweiten Tag, und dann noch einmal pro Woche. Ich weiss nicht, wie viele Kilos ich während des Sommers im Keller hebe. Ein Käselaib wiegt zirka 5,5 Kilo. Auf einem Brett liegen zwei Laibe. Die einen Käse bleiben dann über den Winter auf der Alp im Käsekeller. Einige wenige sogar zwei Winter. Sie haben einen langen Weg, bis sie gegessen werden.
Ein langer Weg hat auch Martin, wenn er zu den Rindern geht. Die Milchkühe sind seit Mitte August wieder im Unterstafel. Er nimmt jeden Tag 900 Höhenmeter unter die Füsse, um die Rinder auf der Matt zu kontrollieren. Einige Tage werden die Rinder noch da oben bleiben, bevor sie dann auf die tieferen Weiden kommen. Die Kühe haben immer noch genügend Futter, und auch die Situation mit dem Wasser hat sich verbessert. So hoffen wir, es geht noch eine Weile, bis sie nach Hause müssen. Einige unserer Kühe haben dann auch einen langen Heimweg, sie müssen mit dem Lastwagen bis ins Fricktal im Kanton Aargau fahren. Ihre Kolleginnen, die während dem Sommer zu Hause blieben, hatten es «wie in Afrika», schrieb mir die Bäuerin. Anja hat Anfang August die Lehre als Landwirtin gestartet. Ihr Weg zum Lehrbetrieb geht quer durch den ganzen Kanton. Sie startet im Durnachtal mit dem Fahrrad nach Rüti, wo sie den Zug nach Näfels nimmt. Von da gehts weiter mit dem E-Bike auf die Alp Obersee. Der kürzeste Weg ist unser Arbeitsweg. Am Morgen aufstehen, die Treppe runter, zack und los gehts!
Rebekka Zimmermann bewirtschaftet zum 17. Mal die Alp Vorderdurnachtal


