Endlich – wir liegen schon im Bett – beginnt es zu regnen. Plötzlich wird es hell und fast gleichzeitig ein lauter Donner. Danach verzieht sich das Gewitter.
Am Sonntagmorgen scheint alles in Ordnung zu sein. Wir melken die Kühe und machen Käse wie jeden Tag. Als ich mit dem Käsen fertig bin, gehe ich in den Keller zum Käseschmieren. Draussen regnet es immer wieder. Ein Segen dieser Regen. Martin ist nach dem Frühstück zu den Rindern marschiert. Während dem Käseschmieren denke ich plötzlich, heute geht es lange, bis Martin zurückkommt. Kaum habe ich fertig darüber nachgedacht, kommt Marvin zu mir in den Keller. Dädi hat geschrieben: Ein Rindli ist im Bach, der Heli ist organisiert. Darum kam er nicht zurück. Ich verlasse den kühlen Keller. Wir hören den Helikopter anfliegen. Ich und die Kinder stehen ganz gespannt draussen. Sehen können wir nicht an die Unglücksstelle. Es geht eine ganze Weile, unser Gespräch dreht sich immer um die Frage, kommt er lebend oder tot mit dem Helikopter. Da hören wir, wie der Helikopter wieder startet. Und dann kommen sie geflogen, der Ochse am Hals befestigt, das heisst er musste eingeschläfert werden. Wir gehen wieder rein, jeder an seine Arbeit. Als Martin zurückkommt, berichtet er, was er vorgefunden hat. Der Ochse muss aus irgendeinem Grund in den Bach gefallen sein. Die Tierärztin prognostizierte einen verschobenen Beckenbruch und gebrochene Rippen. Marvin geht am Nachmittag auf den Weg nach Hause. Aber er kommt wieder hoch gespurtet. Da unten im Heuwald liegt eine tote Galtkuh, berichtet er. Das sind schwere Momente. Besonders, weil wir die letzten zwei Sommer keine Tiere verloren hatten. Es bleibt immer die Frage: «Warum?»
Trotz dieses Gewitters wird das Wasser immer knapper. Im Heustafel wird es im Herbst zwei Jahre, seit die Quellfassung komplett saniert wurde. Von verschiedenen Seiten kommt der Druck, die Sömmerungstiere sollen so lange wie möglich auf den Alpen bleiben wegen der Futterknappheit im Tal. Wir wissen nicht, wo und wie lange Wasser und Futter ausreichen.
Ich hoffe, dass uns allen bewusst wird, wie wichtig die Alpweiden für die ganze Bevölkerung sind. Tragen wir Sorge zu unseren Alpen. Wir, die Älpler, die jetzt die Weiden pflegen, verdanken vielen früheren Generationen diese Weidefläche. Ich glaube, mit all unseren Veränderungen auf der Welt brauchen wir, und damit meine ich alle, die Alpen mehr denn je.
Rebekka Zimmermann bewirtschaftet zum 17. Mal die Alp Vorderdurnachtal.


