Radio fürs Volk

Bernhard Siegmann – in der Vorbereitung zum Wunschkonzert. (Fotos: FJ)

Am Montag war die SRF Musikwelle zum zweiten Mal im Bergrestaurant Ämpächli in Elm mit dem Älplerwunschkonzert zu Gast. Bernhard Siegmann, publizistischer Leiter von SRF Musikwelle, sprach über den neuen Austragungsort und die Liebe zum Volk und seiner Musik.

Von Fridolin Jakober

Mit dem Älplerwunschkonzert wurde vor über 30 Jahren auf dem Urnerboden ein volkstümlicher Anlass lanciert, der zum Höhepunkt der Älpler-Saison und zum festen Bestandteil des Sommerprogramms von Radio SRF Musikwelle geworden ist. Zum zweiten Mal findet dieser Anlass in Elm statt. Um 14 Uhr sollen die Chlytaler Örgeler und das Ländlertrio Tanzboden im «Ämpächli» spielen, aber als ich um 13.20 Uhr an die Talstation komme, ist der Parkplatz davor schon voll besetzt. Mit mir in der Gondel sitzt ein Paar aus Appenzell, er kommt ursprünglich aus dem Glarnerland. Sie kennen Co-Moderatorin Riccarda Trepp, hören täglich von morgens bis abends Musikwelle und haben sich auch schon Musik gewünscht.

Im «Ämpächli» ist die Terrasse gut besetzt – mit Touristen und Musikfreunden –, vor der Bühne sitzen die Hartgesottenen in freudiger Erwartung und jassen. Aus dem Lautsprecher tönt Ländler, gefolgt von Blasmusik und den 14-Uhr-Nachrichten samt Börsenbericht. Dann werden die beiden Formationen des Nachmittags angekündigt. Während sie aufspielen, beantwortet Bernhard Siegmann, publizistischer Leiter von SRF Musikwelle und beim heutigen Älplerwunschkonzert Co-Moderator, meine Fragen. Wie hat er den Wechsel vom Urnerboden nach Elm erlebt? Was gefällt ihm am besten?

Sterben oder umziehen
«Das Älplerwunschkonzert ist etwas Besonderes. Es wurde vor über 30 Jahren gegründet und hat eine riesige Tradition bekommen. Die Anlässe auf dem Urnerboden waren etwas Aussergewöhnliches. Ein riesiges Zelt, viele junge Leute, bis zu 1500 Gäste. Wir weinten bittere Tränen, als sie sagten, dass sie nach der 30. Ausgabe aufhören. Es waren diverse Gründe: Überalterung des OKs, Schwierigkeiten, Helfer zu finden.» Die Frage, ob und wie es weitergehen soll, stellte sich.

«Sollen wir es jetzt sterben lassen oder macht man eine ‹billige› Ausgabe? Mehrere Bergbahnen kamen auf uns zu. Darunter waren die Sportbahnen Elm, aber auch Bergbahnen der Zentralschweiz. Wir wollten einigermassen in dieser Region bleiben. Wir entschieden uns fürs Glarnerland, da es in der Zentralschweiz bereits genügend Veranstaltungen und Festivals gibt, von wo wir übertragen. Also haben wir es mit Elm gewagt. Beim ersten Mal hat es funktioniert, wir waren zufrieden, auch die Bergbahnen, auch vom Umsatz her. Der Anlass ist weniger gross, aber das macht eigentlich nichts aus. Denn auf dem Urnerboden waren wir am Anschlag. Wir Moderierenden standen beieinander und hörten uns nicht,
weil das Fest so gross und laut war.
Zum Beispiel mussten wir auf Jodlerformationen auf der Bühne verzichten, man hörte sie nicht mehr. Hier in Elm haben wir wieder eine Jodlerformation. Die Radiosendung profitiert also von Elm.»

Umweltwissenschaftler und Moderator
Doch wie kam Bernhard Siegmann überhaupt zu diesem Job? «Ich studierte Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich. Schon während des Studiums arbeitete ich, um Geld zu verdienen, und konnte da den ‹Nachtclub› moderieren. Nach dem Studium arbeitete ich zwei Jahre als Geschäftsführer von Pro Natura im Kanton Schwyz. Doch ich merkte, dass ich vielerorts als Verhinderer galt, was mir nicht gefiel. Ich bin auch nicht so ein Einzelkämpfer wie etwa Umweltschützer Franz Weber, der im Alleingang das Lavaux rettete. Dann bekam ich das Angebot, voll ins Radio einzusteigen – weg vom ursprünglichen Beruf. 2011 übernahm ich die Leitung der Musikwelle.»

Die treuste Fangemeinde
Was mir auffällt, ist diese persönliche Beziehung, welche die Leute zu ihrem Radio haben. Ich frage Bernhard Siegmann, ob das zutrifft. «Das ist tatsächlich so – Personality wird beim Radio immer wichtiger. Man hört eine Person gerne und hört deshalb auch diesen Sender. Das gilt auch für die Musikwelle. Wir sagten: Musikwelle ist Heimat im Radio. Deshalb gibt es bei uns keine Diskussionssendungen. Wir wollen, dass die Leute Freude haben an diesem Radioprogramm. Die stündlichen Nachrichten sowie das ‹Rendez-vous› und das ‹Echo der Zeit› liefern Realität genug. Wir sind der Sender, der eigentlich das treuste und anhänglichste Publikum hat. Seit drei Jahren sind alle Sender zusammen im Grossraumbüro und keiner bekommt zu Weihnachten und Ostern so viele Süssigkeiten wie wir. Wir haben so liebe Hörerinnen und Hörer, die schreiben halt auch extra der Moderatorin eine E-Mail ins Studio. Da gehört es sich einfach auch, zu antworten. Wenn ich kann, schreibe ich nicht bloss, sondern rufe persönlich an. Manchmal fallen die Leute fast vom Stuhl, wenn der Chef persönlich anruft. Doch ich weiss, dass sich das verhundertfacht, dass sich die Leute ernst genommen fühlen – das schafft eine enorme Bindung. Als ich 2011 die Leitung übernahm, hatte die Musikwelle etwa 4 Prozent Marktanteil, jetzt liegen wir bei über 8 Prozent. Viele Leute sagen uns: ‹Ich schalte euch am Morgen ein und abends ab, bei mir läuft den ganzen Tag Musikwelle.›» 

Bernhard Siegmann geht wieder zurück ans Mikrofon, denn die Gäste aus nah und fern sollen bis tief in die Nacht beste Unterhaltung bekommen und bei Speis und Trank unter Ländlermusikfreunden gemütliche Stunden verbringen.

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