Aus der City in die Berge

Kompakt designt, mit einem Heck zum Hingucken. (Foto: FJ)

Das erste Mal sah ich ihn in der City von Innsbruck auf dem Weg in die Ferien. Zwei Wochen später durfte ich ihn bei Tondo für einen Tag ausleihen und im Glarnerland testen: Den neuen vollelektrischen «Cityflitzer» CUPRA Raval.

Von Fridolin Jakober 

Er ist noch etwas kompakter als der New Born, der Blick nennt ihn «Cupras kleine Elektro-Rakete». Aber da man die Sitze vor dem Einsteigen elektrisch verstellen kann, passen meine 192 Zentimeter hinters sportliche Lenkrad. Neben mir sitzt Verkäuferin Selina ­Degen, die mit dem Raval schon mehrfach nach Zürich flitzte und mir erklärt, dass man ihn mit dem Handy einparken kann. Das ist praktisch, wenn einen jemand seitlich zugeparkt hat und auch sonst. Auch könne man – an heissen Tagen wie diesem – das Auto im Voraus herunterkühlen. Das grosse Display erlaubt es, alles zu bedienen – von der Sportlichkeit über den Sound bis zum Klima, das meiste davon lässt sich auch direkt übers Lenkrad steuern. Ich lege schon mal das Handy in die Ablage, wo es induktiv geladen wird. Man könne das Display respektive seine Funktionen über die App aber auch mit Sprache steuern, wenn man das Lenkrad nicht loslassen wolle, sagt Selina Degen. Sie programmiert für mich noch den Churfirstenblick in Glarus Nord ins Navi ein, Nidstalden und Obstalden findet es nicht, dann steigt sie aus. Ich habe Park gedrückt, doch nun will das Auto nicht los. Offenbar habe ich doch nicht alles gecheckt, denn erst als Selina zurückkommt und mir erklärt, wo man drehen muss, geht das Auto wie gewünscht auf Drive.

Sportlich defensiv
Eine meiner unschönen Eigenschaften ist zuweilen aufblitzende Aggressivität. Hier hat die kleine «Elektro-Rakete» trotz ihrer Sportlichkeit einen geradezu mässigenden Einfluss auf mich. Bin ich zu schnell, werde ich passgenau gewarnt, jedenfalls so lange ich kein Radio anhabe. Als ich das Fenster öffne, setzt sich eine kleine Fliege zu mir rein, die offenbar gratis mit auf den Kerenzer reisen will und sich nicht an meiner sportlichen Fahrweise stört. Im engen Dorfkern von Mollis geht es fast geräuschlos übers Kopfsteinpflaster, in den Kurven am Kerenzerberg muss ich darauf achten muss, meine Spur nicht zu verlassen, wenn ich die Reifen quietschen lasse. Der Raval könnte das wohl besser als ich und vibriert leicht mit Steuerrad. Für mich ist das nicht Warnung genug, hätte ich den Tempomat eingeschaltet, würde er wohl stärker eingreifen. Meine Bekannte in Nidstalden empfängt mich mit den Worten: «Hast du extra ein neues Auto genommen, um dir Trachtenbluse und Trachtenhut abzuholen?» Sie erklärt mir, dass man neu bei den Navis «Glarus Nord» eingeben müsse. Dann bekomme ich noch einen Tipp, wo ich das Auto vor dem Panorama der Churfirsten am besten ablichten kann.

Auf einen Klick
Dass der Raval – er ist nach einem lebendigen Viertel von Barcelona benannt – mehr als ein Rebell ist, wie es die Leitkampagne behauptet, kann ich unterschreiben. Dass die Türgriffe herauskommen, wenn ich mich ihm nähere, passt zum unkonventionellen Design, das gleichzeitig aber durchaus bequem ist. Obwohl der Raval auch aus recycelten Materialien gebaut ist, wirkt er sehr wertig. Natürlich gefallen mir die Leichtmetallfelgen und als ich das Auto fotografiere, sehe ich nicht nur seine Kompaktheit, sondern auch die TRI-LED-Matrixscheinwerfer, die nicht jeden blenden. Ob sie die Strasse für mich hell ausleuchten, kann ich nicht mit Sicherheit feststellen – immerhin ist Tag und es strahlt die Sonne – aber als ich das Radio einschalte, bekomme ich von Bon Jovi über den Subwoofer in der Fahrertür persönlich eine Oberschenkelmassage und beim Einparken hinter der Stadtkirche hilft mir die 360-Grad-Rückfahrkamera, nicht schon wieder einen teuren Kratzer in die Felgen des Testwagens zu machen. Auf einen Klick erfährt man über den QR-Code alles Wissenswerte über den Raval, aber da ich noch analog aufgewachsen bin, schätze ich, dieses Fahrzeug wurde dafür geschaffen, nicht mich, sondern eine neue Generation von Fahrerinnen zu inspirieren – wie etwa Selina Degen. Ich selber jedenfalls komme mir darin schon manchmal vor wie der 70-Jährige, der zwischen Netstal und Mollis beim Brunnen auf dem Kiesplatz neben einem roten Opel Manta GTE steht und der Pannenhilfe telefoniert. Mit dem Auto über die Cupra-App verbunden, kann die neue Generation solche Gespräche während der Fahrt über die Sprache steuern oder – noch besser – das Auto meldet sich selbst bei ihr, wenn es bereit zur Abfahrt ist, bevor sie – fürs Wochenende gestylt – aus dem Zigerschlitz in die City flitzt.

Getestetes Fahrzeug: 
CUPRA Raval Launch Editions ­Dynamic+, Frontantrieb, 155 kW/211 PS Leistung, Verbrauch: 13,9 kWh/100 km, CO2-Emissionen: 0 g/km (Energieeffizienz A), 0–100 km/h in 7,1 s. Reichweite: 413 km, 1-Gang Automatik.

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