Gemeinsam mit dem Künstlerpaar Labüsch, Kurt Müller, Paul Steiner und Fridolin Walcher stellt Franziska John derzeit einige ihrer Werke in der Ausstellung «Sommerkunst 2026» auf dem Bühl in Näfels aus.
Von Juliane Bilges
Bevor Franziska John Lehrerin, Schulleiterin oder Künstlerin wurde, hatte sie einen ganz anderen Traum: Sie wollte Psychologie studieren. Die Faszination für den Menschen, seine Persönlichkeit und seine Entwicklung, begleitete sie schon in jungen Jahren. Auch wenn ihr beruflicher Weg schliesslich anders verlief, blieb diese Leidenschaft stets erhalten und zeigt sich bis heute in allem, was sie tut.
Ihr Lebenslauf wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete sie in Einkauf und Verkauf der Modebranche, später wurde sie Primarlehrerin, beschäftigte sich mit Raumgestaltung und führt heute eine Schule. Gleichzeitig hat sie sich als Künstlerin einen Namen gemacht. Was diese unterschiedlichen Stationen verbindet, bringt sie selbst auf den Punkt: «Alles hat mit Menschen zu tun.»
Vom Begleiten zum Gestalten
Schon als Lehrerin faszinierte sie die Entwicklung von Kindern. Als Schulleiterin begleitet sie heute Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen durch ihren Alltag, löst Herausforderungen und schafft Strukturen. Die Arbeit mit Menschen ist für sie mehr als ein Beruf – sie ist eine Herzensangelegenheit. Doch irgendwann genügte ihr das nicht mehr. Neben dem Organisieren, Führen und Begleiten suchte sie nach einer weiteren Ausdrucksform. Während ihrer Zeit als Raumgestalterin arbeitete sie bereits mit Lehm, Mosaiken und Farben. Vor rund dreizehn Jahren folgte schliesslich ein prägender Moment. «Ich bin eines Morgens aufgewacht und wusste: Ich muss Menschen formen.» Ohne lange zu überlegen kaufte sie Ton und begann zu modellieren.
Ton als lebendiges Material
Viele Künstlerinnen und Künstler arbeiten mit Stein, Holz oder Leinwand. Franziska John entschied sich bewusst für Ton. Das Material gibt ihr die Freiheit, Ideen laufend weiterzuentwickeln. Sie kann formen, verändern, korrigieren und immer wieder neu beginnen. Gerade diese Lebendigkeit fasziniert sie. «Ich kann meine Seele hineingeben», beschreibt sie ihre Arbeit. Während des Modellierens entstehen oft neue Gedanken, und nicht selten verändert sich eine Figur bis kurz vor ihrer Vollendung. Aus kleinen Figuren wurden mit den Jahren lebensgrosse Skulpturen. Gleichzeitig wuchs auch ihre technische Erfahrung. Denn bis eine Figur fertig ist, braucht es Geduld. Wochenlang trocknet der Ton, bevor mehrere Brennvorgänge bei über 1200 Grad folgen. Hinzu kommt, dass jede Skulptur beim Brennen um rund zehn Prozent schrumpft – eine Herausforderung, die bereits beim Modellieren berücksichtigt werden muss.
Skulpturen, die Gefühle wecken
Franziska Johns Figuren wirken lebendig. Nicht weil sie Menschen möglichst exakt kopieren möchte, sondern weil sie Emotionen sichtbar macht. Ein Blick, eine leicht geneigte Haltung oder eine angedeutete Bewegung erzählen Geschichten. «Ich möchte keine tote Materie schaffen», sagt sie. Viel wichtiger sei ihr, dass ihre Werke bei Betrachtenden etwas auslösen. Vielleicht Erinnerungen, vielleicht Fragen oder einfach ein Gefühl. Kunst dürfe auch irritieren oder provozieren. Entscheidend sei, dass eine Verbindung zwischen Mensch und Skulptur entsteht. Gerade bei Auftragsarbeiten beginnt deshalb alles mit einem Gespräch. Franziska John möchte verstehen, wer ihr gegenübersitzt und welche Geschichte eine Figur erzählen soll. Erst danach entsteht ein erster Entwurf.
Zwei Berufe – eine gemeinsame Aufgabe
Heute arbeitet Franziska John zu rund 60 Prozent als Künstlerin und zu 40 Prozent als Schulleiterin. Für sie stehen diese beiden Berufe keineswegs im Widerspruch. Im Gegenteil: Sie ergänzen sich. Die Schule bringt Begegnungen, Gespräche und das pralle Leben. Im Atelier findet sie Ruhe und Konzentration. Dort kann sie vollkommen in ihre Arbeit eintauchen und alles um sich herum vergessen. Gleichzeitig liefern ihr die täglichen Begegnungen immer wieder neue Inspiration für ihre Figuren. Auch organisatorisch entdeckt sie Parallelen. Sowohl eine Schule als auch ein Atelier verlangen Planung, Struktur und die Fähigkeit, Ideen Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen.
Kunst mit Herz und Leidenschaft
Auf ihrer Website steht ein Satz, der ihre Haltung treffend beschreibt: «Wenn du willst, dass etwas gut wird, dann liebe es wahrhaftig.» Für Franziska John bedeutet das, einer Sache mit voller Aufmerksamkeit zu begegnen. Leidenschaft sei die Voraussetzung dafür, dass etwas Tiefe und Ausdruck bekomme – sei es beim Führen einer Schule oder beim Formen einer Skulptur. Zurzeit richtet sie nach ihrem Umzug aus Weesen ihr neues Atelier im Aargau ein. An Ideen mangelt es ihr nicht. Im Gegenteil: Sie sagt von sich selbst, sie habe weit mehr Projekte im Kopf, als sie jemals umsetzen könne. Ein besonderes Herzensprojekt begleitet sie schon seit längerer Zeit. Noch bleibt es ihr Geheimnis. Eines aber verrät sie gerne: Sie wünscht sich, dass Menschen vor ihren Skulpturen nicht einfach stehen bleiben, sondern sich mit ihnen auseinandersetzen. Denn genau dort beginnt die eigentliche Kunst: Wenn eine Figur nicht nur betrachtet wird, sondern den Menschen berührt.


