Ein KISS-Tandem

Haben sich über KISS Glarus kennengelernt: Barbara M. (links) und Denise R. unternehmen viel zusammen. (Foto: Søren Ehlers)

Die Genossenschaft KISS Kanton Glarus vermittelt Menschen, die in einfacher unbürokratischer Art Unterstützung geben und nehmen. Jeweils zwei Menschen bilden zusammen ein «Tandem». Barbara M. und Denise R. sind eines von 199 aktiven Tandems.

Von Søren Ehlers

KISS (das steht für «Keep it small and simple») brachte Barbara M. und Denise R. zusammen. Seither organisieren sie sich eigenständig, als sogenanntes Tandem – ohne festen Rhythmus, aber mit verlässlicher Verbindlichkeit: im Schnitt einmal pro Woche.

Die beiden unternehmen Zugausflüge, besuchen Konzerte, gehen ins Kino, gemeinsam einkaufen oder ins Restaurant. Sie besuchen von KISS organisierte Veranstaltungen: zum Beispiel Informationsveranstaltungen der Polizei, die Weihnachtsfeier und KISS-Spielnachmittage.

Die Initiative kommt meistens von Barbara: «Ich lese den FRIDOLIN, entdecke Veranstaltungen und bringe Ideen.» Denise bewertet und entscheidet mit. Beide dürfen Nein sagen – das ist eine klare Abmachung. Ebenso die Frage der Finanzen: Jede zahlt für sich, ausser man spendiert sich gelegentlich einen Kaffee.

Dank KISS zusammengefunden
Barbara ist in Netstal geboren und hat als Praxisassistentin in der Reha Braunwald gearbeitet. Aktuell arbeitet sie in der Wäscherei des Glarnerstegs. Sie ist leidenschaftliche Reisende.

Denise hat mit 48 einen Berufswechsel gemacht und mit 50 den Abschluss als Fachfrau Betreuung erworben. Sie hat als Köchin begonnen, im Unispital Zürich gearbeitet, später auf einer Wohngruppe und schliesslich in der Demenzabteilung eines Altersheims. Vor sieben Jahren kaufte sie ein Haus in Rüti und renovierte es eigenhändig. Seit vier Jahren ist sie pensioniert. Daneben engagiert sie sich als Freiwillige bei KISS, leistet Nachtwachen in einem Pflegeheim und wandert regelmässig mit einer Zürcher Wandergruppe.

Beide haben etwas davon
Für Barbara bedeutet das Tandem Mobilität und Gesellschaft. Ausflüge, Konzerte, Veranstaltungen. Das Gespräch, die gemeinsamen Erlebnisse, jemanden zu haben, der sich für sie interessiert – das trage sie.

Für Denise ist das Engagement sinnstiftend. Sie habe bei allen Tandems, die sie bisher hatte, einen Gewinn gehabt. Barbara bringt sie an Orte und zu Anlässen, die sie allein nie aufgesucht hätte – etwa ein Bläserkonzert zu Weihnachten. Wenn Barbara, wie oft, allein auf Reisen ist, teilt sie ihre Reiseerfahrungen mit Denise in ausführlichen Fotopräsentationen.

Freundschaft 
Denise spricht Barbaras Neurofibromatose an, eine erbliche Erkrankung, die sich äusserlich sichtbar zeigt. Sie beobachtet, wie Barbara im Alltag damit umgeht – im Zug, in der Öffentlichkeit – und bewundert ihre Offenheit und Souveränität. Umgekehrt hat Barbara gemerkt, dass Denise das Angestarrt werden manchmal stärker wahrnimmt als sie selbst. «Bei mir ist es mein Leben», sagt Barbara. «Bei dir ist es etwas Neues.»

Ob eine Freundschaft entstanden ist? Beide bejahen es. Man merke es gegenseitig, wie es der anderen gerade gehe. Man schreibt sich per WhatsApp auch während Barbaras Reisen. Der Umgang ist herzlich, direkt und von gegenseitigem Respekt geprägt. Beide sind es gewohnt, klar zu kommunizieren – was sie wollen, was nicht, wann es genug ist. Das Tandem Barbara – Denise fährt weiter. Barbara lacht: «Die Ideen gehen mir nicht aus.»

Wer sich für das Mitmachen bei KISS interessiert meldet sich am einfachsten unter Telefon 079 603 20 50.

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