Mitten in einem 30 000 Quadratmeter grossen Maisfeld hat der Molliser Bio-Landwirt Hans Lütschg das erste Maislabyrinth des Glarnerlands geschaffen. Statt verwinkelter Irrwege bildet das Wegenetz den Kanton nach – mit Informationsposten zu Natur, Geschichte und Sehenswürdigkeiten.
In der Einfahrt des Hofs wartet bereits Hofhund Matteo, der freudig mit dem Schwanz wedelt und darauf wartet, bis man ihn streichelt. Die Morgensonne scheint über das Maisfeld und trocknet die noch leicht feuchten Wege. Vögel zwitschern und im Maislabyrinth schwirren Insekten umher.
Wegenetz statt Irrweg
Wer das Maisfeld von Hans Lütschg betritt, merkt schnell, dass hier mehr geboten wird als die Suche nach dem richtigen Weg. Der Landwirt betont selbst, dass es sich eigentlich gar nicht um ein klassisches Labyrinth handelt. Vielmehr stellt das Wegenetz das Glarnerland dar. Besucherinnen und Besucher bewegen sich durch die einzelnen Bereiche des Kantons und entdecken dabei an zahlreichen Stationen Wissenswertes über die Region.
Entlang der Wege stehen Informationstafeln zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten des Glarnerlands. Themen sind unter anderem das Martinsloch in Elm oder der Landesplattenberg in Engi. An beinahe jeder Ecke finden sich kurze Texte, die regionale Geschichte, Natur oder Geologie näherbringen. So verbindet der Rundgang Bewegung mit Informationen über den Kanton.
Ein Herzensprojekt
Die Idee für das Projekt stammt von Hans Lütschg. Mit Unterstützung mehrerer Helfer hat er das Maislabyrinth geplant und umgesetzt. Im Gespräch erzählt er mit grosser Leidenschaft von seinem Vorhaben. Sein Ziel sei es, den Menschen im Glarnerland etwas zu bieten, das Freude bereitet und Familien, Gruppen oder Einzelpersonen einen abwechslungsreichen Ausflug ermöglicht. Gleichzeitig hofft er, dass das Pilotprojekt gut ankommt und auch im nächsten Jahr wieder ein Maislabyrinth entstehen kann.
Damit sich der Rundgang nicht nur auf das Finden des richtigen Weges beschränkt, wurde zusätzlich ein Wettbewerb eingerichtet. Wer die Informationstafeln aufmerksam liest, kann unterwegs Fragen beantworten und so sein Wissen über das Glarnerland testen.
Hofhund Matteo kennt den Weg
Für den Rundgang sollte rund eine Stunde eingeplant werden. Trotz der beachtlichen Grösse von 30 000 Quadratmetern müssen Besucherinnen und Besucher jedoch keine Angst haben, sich zu verirren. Mehrere gut beschriftete Notausgänge ermöglichen jederzeit einen einfachen Weg aus dem Feld. Wer den Rundgang nicht alleine unternehmen möchte, kann sich zudem von Hofhund Matteo begleiten lassen. Der freundliche Vierbeiner kennt sich bestens im Labyrinth aus.
Nach dem Rundgang lädt der Hof zum Verweilen ein. Unter zwei grossen Nussbäumen stehen Tische und Bänke bereit, wo sich Gäste im Schatten ausruhen können. Ein kühles Getränk bietet dabei eine willkommene Erfrischung nach dem Spaziergang durch das Maisfeld. So endet der Besuch nicht mit dem Verlassen des Labyrinths, sondern kann in entspannter Atmosphäre auf dem Hof ausklingen.
Bio-Pionier der anderen Art
Das Maislabyrinth ist für Hans Lütschg ein weiteres Beispiel dafür, neue Wege zu gehen. Der Landwirt bewirtschaftet seinen Betrieb seit 32 Jahren nach biologischen Richtlinien und gehörte damit früh zu den Bio-Pionieren der Region. Auf seinen Feldern wachsen unter anderem Hafer, Dinkel, Mais und weitere Kulturen. Seine Haltung beschreibt er schlicht: Er mache nichts besser als andere, sondern einfach anders.
Diese Einstellung spiegelt sich auch im Maislabyrinth wider. Das Projekt verbindet Landwirtschaft, Freizeit und Wissen auf eine unkomplizierte Weise und schafft ein Angebot, das es im Glarnerland bisher nicht gab. Ob sich das Pilotprojekt dauerhaft etabliert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für Hans Lütschg steht jedoch bereits jetzt fest, dass er den Menschen mit seiner Idee eine Freude bereiten möchte. Und genau daran misst er den Erfolg seines Projekts.
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr. Das Angebot richtet sich an Besucherinnen und Besucher jeden Alters. Eintritt: Kinder bis 8 Jahre sind gratis, von 8 bis 16 Jahren 8 Franken und Erwachsene 10 Franken (nur Barzahlung möglich), Telefon 079 235 40 87.
Von Janine Rickenbacher


