Im Geist von Pfingsten vereint

Das 50-Jahr-Priesterjubiläum von Sebastian Thayyil (zweiter von rechts) wurde in syro-malabarischer Farbenpracht gefeiert. Diese Kirche wurde 53 n. Chr. vom Apostel Thomas gegründet. Für die Bildergalerie den QR-Code scannen. (Fotos: FJ)

Am 21. Dezember 1975 wurde Sebastian Thayyil, Pfarrer und Doktor im Kirchenrecht, der auch als Vikar in Näfels arbeitet, zum Priester geweiht. Am Montag, den 29. Juni, feierte die syro-malabarische Gemeinde mit ihm in der St. Hilariuskirche und in der Lintharena zum 50-Jahr-Priesterjubiläum ein farbenfrohes Fest in mindestens fünf Sprachen.

Von Fridolin Jakober

Katholisch, das ist weit mehr als weihrauchschwanger, denn das Salz in der Suppe sind - auch im Christentum - die feinen Unterschiede. Insofern war die Feier zu Ehren von Vikar Sebastian selbst für eingefleischte Katholiken wie mich ein neues Erlebnis. So trugen Bischof Joseph Kallarangatt, eigens aus dem Bistum Palai in Indien angereist, und die fünfzig Priester auf dem Rücken ein Thomas-Kreuz, das von einer Taube aus dem Himmel geküsst wird. Doch wird sich Bischof Joseph unter seiner mit Pfauen verzierten Mitra vor dem barocken Näfelser Hochaltar sofort heimisch gefühlt haben, denn dort füttert über dem Tabernakel ein Pelikan seine drei Jungen. Taube, Pfau und Pelikan als Schmuck, Syrisch-Aramäisch, Malayalam, Deutsch und einige Brocken Englisch und Latein als Sprachen: so wird diese heilige Messe gefeiert, sie dauert so lange wie ein monumentaler Spielfilm und ist ebenso farbenfroh. Nicht nur wegen der rot-goldenen Messgewänder, an denen einige eine rosa Schleife tragen, sondern auch dank der Frauen in ihren Saris.

Unterschiedlich und doch gleich
Wer nur den Wortgottesdienst nach dem II. Vatikanischem Konzil kennt, der wird schon zu Beginn vom syro-malabarischen Ritus geflasht. Die Frauen (und Männer) aus dem Volk überreichen dem Jubilar alles, was auf den Altar kommt: Von den Kerzen über das goldene Thomaskreuz und die Blumenschalen bis hin zu Kelch und Hostienschale. Praktisch die ganze Messe werden Gebete in Syrisch-Aramäisch und Malayalam vorgetragen. Da ist die kurze, aber gepfefferte Predigt von Bruder Paul Zahner geradezu ein erfrischend verständlicher Unterbruch. «Nicht was wir tun, sondern was Christus durch uns tut», ermahnt er die Gemeinde. «Wenn wir das erkennen, dient unsere Schwäche Christus.» Gesammelt wird – so Pfarradministrator Gregor Barmet – für das Herzensprojekt von Sebastian, das Spital des Bistums Palai mit 800 Betten und eigener Krankenpflegehochschule. Dann stehen alle Priester auf und wenden sich mit dem Rücken zum Volk. Denn die Wandlung geschieht – wie früher auch im römisch-katholischen Ritus – am Hochaltar als ein Mysterium. Spätestens bei der Kommunion scheiden sich syro-malabarische (Mundkommunion) und römisch-katholische Christen, den ins Blut getunkte Leib Christi fühlt sich in der Hand ungewohnt feucht an. Das Lob auf den Jubilar verliest der Bischof in Deutsch. Das Marienlied wird mit einem einzigen Akkord auf der Hammond-Orgel unterlegt, die abendländische Modulation fehlt völlig. Nach dem festlichen Auszug verschiebt sich die 400-köpfige Festgemeinde in die Linth­arena, wo es Limettensaft zum Apéro sowie Chicken Tikka Masala, gebratenen Reis und Gemüse-Kurma zum Essen gibt. Davor darf der Jubilar nach Geburtstagsgesängen und herzlichen Ansprachen die grosse Torte anschneiden, während sich die Tänzerinnen barfuss und reich geschmückt auf ihren Reigentanz vorbereiten. So jung und fröhlich hat wohl selten ein 75-Jähriger gefeiert. 

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