Zum 200-jährigen Bestehen des Glarner Kantonalen Gesangvereins wurde am 19. Juni im Schützenhaus Glarus gefeiert. Nebst packenden Beiträgen des eigens zum Jubiläum gegründeten Projektchors, gehörten auch spannende Fakten und amüsante Anekdoten aus der Vereinsgeschichte zum Anlass.
Delegationen der Mitgliedervereine, Ehrenmitglieder, Vertreter kantonaler Verbände sowie aus Politik und der Gesamtschweizerischen Vereinigung fanden sich zu Ehren des Glarner Kantonalen Gesangsvereins ein.
Tafelmajor Hampi Toggenburger, selbst Sänger im Männerchor Linthal, führte durch das Jubiläumsfest. «Als unser Verein gegründet wurde gab es keine Handys und kein Internet. Wenn damals jemand falsch sang, wurde es nicht auf Tik Tok gepostet, sondern höchstens beim nächsten Kirchen- oder Wirtshausbesuch weitererzählt», begrüsste er die Gäste.
«Ds Glarnerland singt»
Unter dem Co-Präsidium von Esther Rhyner und Werner Zentner führte ein Organisationskomitee mit der Leitung von Christoph Bächtiger nicht nur durch die Jubiläumsfeier, sondern auch durch das am 20. und 21. Juni zum vierten Mal durchgeführte Glarner Chorfestival. Mit 39 Chören und 960 Sängerinnen und Sängern ein Grossanlass zum Geburtstag. Von Samstagmorgen bis Sonntagabend brachten die verschiedenen Gesangsvereine in der Fridolinskirche ihre Lieder zum Besten. Das Schlussbouquet oblag dem eigens zum 200. Geburtstag gegründeten Projektchor, unter der Leitung der Kantonaldirigentin Rita Meli.
Projektchor
Premiere feierte der überzeugende Chor mit einer starken Darbietung ihrer Lieder bereits zum Jubiläumsanlass. «Es zählt in einem Verein nicht nur der gemeinsame Gesang, sondern Kameradschaft, Verbundenheit und Freundschaft», so Esther Rhyner, die zusammen mit Co-Präsident Werner Zentner stolz den Projektchor begrüsste. «Viel Zeit und Herzblut habt, ihr liebe Sängerinnen und Sänger, in euren Vereinen unentgeltlich aufgewendet, das war früher nicht ganz selbstverständlich und heute noch weniger», bedankte sich Zentner für den Einsatz bei allen Chören.
Löbliche Frauen- und Töchterchöre
Vorstands- und OK-Mitglied Susanne Leuppi liess die Anwesenden anhand der genauesten ausgewerteten Protokolle der letzten 200 Jahre in die Geschichte des Vereins eintauchen. Nebst der eigens erstellten Chronik, zeigte sie auf, was ihre Vorgänger/-innen bewegte und wie sich der Verein entwickelte. Dabei sei Dirigenten- und Mitgliedersuche ein nie endendes Thema. 1972 schrieb der damalige Kantonalpräsident: «Vereine sind dort bedroht, wo der Zusammenhalt in einem Dorf oder gar in einer Talschaft nicht mehr wie früher ungestört bleibt.» Als Ursache nannte er die Beeinflussung durch die Massenmedien, insbesondere des Fernsehens.
Keine Töchter und Politiker
Fast 150 Jahre lang befand sich der Kantonalverein fest in Männerhand. 1964 wurden die ersten fünf «löblichen» Frauen- und Töchterchöre in den Kantonalverein aufgenommen. Eine Anekdote war Leuppi nicht entgangen. «Als der Frauen- und Töchterchor Niederurnen sich in Frauenchor Niederurnen umbenannte kam das Gerücht auf, dass es in Niederurnen wohl keine Töchter mehr gebe.» Im Weiteren wurde für die Durchführung von Gesangsfesten schriftlich festgehalten, dass der OK-Präsident das Sängerwesen zu kennen hätte und nicht «nur» ein Politiker sein sollte.
Barbara Bäuerle-Rhyner


