Ungefähr 600 Bürgerinnen und Bürger versammelten sich am Montagabend, 22. Juni, in der Lintharena Näfels, zur «Rechnungsgemeinde», die mit NUP und Wahlen angereichert war. Erst ging es um die Kiesentnahme, nach 21.30 Uhr auch um den «Schotter» – also den Gewinn – der Gemeinde.
Es war der Abend von Sommerkleidchen, Adiletten und kurzen Hosen – einzig Gemeindepräsident Fridolin Staub und einige Gemeinderäte kamen im Anzug. Bruno Gallati und Kaspar Krieg sogar mit Krawatte. Madlaina Brugger ärgerte sich im Gewehrsalventempo über das Schweigen des Gemeinderates zum Jahresbericht der GPK und wollte diesen namens der SP zurückweisen. Mit 180:198 Stimmen tritt die Versammlung jedoch darauf ein und genehmigt ihn. GPK-Präsident Rolf Stöckli zieht darauf den Antrag zurück, die wiederkehrenden Ausgaben unter Geschäftsnummer 2022-275 der November-GV vorzulegen. Was genau jetzt also nicht vorgelegt wird, weiss man aber nicht.
AP 1: Beleuchtung, Bauverpflichtung und ...
Die fünf zulässigen Anträge zum Arbeitspaket 1 (AP1) zur NUP betreffen die Bewilligung von Leuchtschriften, die Verpflichtung zur Überbauung von Bauland sowie die Grenzen der Naturschutzzone im Chli-Gäsitschachen. Bei der Beleuchtung gelobt Gemeinderat Bruno Gallati namens des Baudepartements Besserung, die von der Gemeinde vorgelegte Verschärfung des Baureglementes in Art. 36 sei aber ausreichend. Antragstellerin Susanne Jenny Wiederkehr will aber wissen, was bewilligt ist und eingehalten werden muss und setzt sich mit ihrem Rückweisungsantrag durch. Jean-Fritz Stöckli beantragt, die Gebiete Ruchenacker und Oberhof in Mollis nicht mit einer Bauverpflichtung zu belegen. Diese Flächen seien, so Bruno Gallati, strategisch bedeutsam, was eine Verpflichtung rechtfertige. Stöckli argumentiert, diese Grundstücke seien für den Verkehr nicht erschlossen und lägen am Rande des Dorfes und setzt sich durch. In Oberurnen wehrt sich Fritz Schiesser in einem bewegten Votum erfolgreich gegen die Bauverpflichtung für den Undergiessen, sie wird mit grosser Mehrheit zurückgewiesen.
… harzige Geschiebekorrekturen
Eine Gruppe von Bürgern verlangt bei der Naturschutzzone eine spezielle Zone zur Geschiebeentnahme im Chli Gäsitschachen für den Hochwasserschutz. Die Gemeinde sei – so Bruno Gallati – vom DBU verpflichtet worden, die Grenzen der Naturschutzzone anzupassen. Stefan Leuzinger will diese «Eigenmacht» der Regierung zurückbinden. Geschiebe solle auch präventiv entnommen werden können. Beat
Weber ergänzt mit der Vermutung, dass später beim Kundertriet ausgebaggert werden soll. Hansruedi Kubli bezwei-felt namens der Grünen, ob es den Antragstellern ums Geschiebe geht. Der Auftrag zur Geschiebeentnahmezone wird mit grossem Mehr befürwortet. Lisabeth Schnyder will den Chli Gäsitschachen ohne das Gewässer ausscheiden. Es brauche sonst im Krisenfall eine Sonderbewilligung für die Entnahme. Der Antrag Schnyder wird abgelehnt. Beim Rückkommen am Schluss verabschiedet die Versammlung dann das so angepasste Arbeitspaket 1.
Bei der Teilrevision der Gemeindeordnung werden mit 200:190 Stimmen auf Antrag von Nadine Landolt Rüegg in Artikel 15 auf die Verordnungen zu Schule und Bildung dem fakultativen Referendum unterstellt. Auf Antrag der FDP und auch der Geschäftsprüfungskommission wird Artikel 47 nicht gestrichen, sondern belassen, da nicht klar sei, was die Streichung für einen Einfluss auf die Kompetenzen der Stimmenden habe. Dann wird die Gemeindeordnung genehmigt.
Glatte Rechnungen
Gemeinderat Daniel Landolt kann eine Gemeinderechnung mit 6,3 Mio. Franken Gewinn präsentieren. Sie passiert ohne Wortmeldung. Verwaltungsratspräsident Dr. Peter Rothlin kann namens der TBGN von einem guten Geschäftsjahr sprechen. Dann wird auch die Rechnung der TBGN ohne Wortmeldung angenommen wie auch jene der APGN, wo Verwaltungsratspräsident Markus Hauser eine schwarze Null präsentiert. Der Verpflichtungskredit FW-Lokal Obstalden wird angenommen. Ebenso der Kredit für die neue Trefferanzeige im Schiessstand Niederurnen. Die angepasste Leistungsvereinbarung mit dem FC Linth 04 wird genehmigt.
Kaspar Krieg präsentiert darauf den Landhandel mit der Jacques Gabriel AG, die in Oberurnen einen neuen Produktionsstandort im Baurecht erstellen will. Andreas Zweifel beantragt für die Firma in 20 Jahren eine Kaufoption. Robert Stucki will den Landhandel rückweisen. Die Versammlung genehmigt den Landhandel, wie vom Gemeinderat vorgeschlagen.
Die Stunde der Stimmenzählenden
Wohl aus Furcht vor dem notgedrungen ausführlichen Wahlprozedere verlassen viele darauf den Saal. Zuerst werden der Präsident und die Mitglieder der GPK gewählt. «Zehn» oder «Zäche» tönt es aus den Sektoren von A bis I, der Gemeindeschreiber addiert’s, wer am wenigsten Stimmen hat, fällt jeweils aus dem Rennen. Cyrill Schwitter legt bei den Neuwahlen mit jedem Wahlgang zu und wird mit 183 Stimmen als 4. GPK-Mitglied gewählt. Als 5. Mitglied Riccardo Scaglione, als 6. Can Mermer. Ruedi Schwitter und Alexandra Baumgartner-Hefti werden in den Verwaltungsrat der TBGN gewählt, Rita Frank und Gabriela Schönenberger wieder in den Verwaltungsrat der APGN. Neu in den Verwaltungsrat der Lintharena AG werden Michael Laager und Lukas Müller gewählt. Zum Schluss verabschiedet Gemeindepräsident Fridolin Staub die scheidenden Gemeinderäte Sibylle Huber und Dominique Stüssi.
FJ


