Unterwegs mit Pony-Power

Mit Ponys durch das Glarnerland spazieren ... Was gibt es Schöneres? (Foto: Cornelia Bilges)

FRIDOLIN-Reporterin Juliane Bilges entdeckt bekannte und weniger bekannte Orte, Sportarten und Tätigkeiten – vom Segeln bis zum Segelfliegen, von der Fahrt auf dem Kutschbock bis zu jener auf dem SUP. Hier folgt ihr Erlebnisbericht von einem Spaziergang mit Ponys.

Pferde haben mich schon immer fasziniert. Diese eleganten, kraftvollen Tiere strahlen etwas unglaublich Beruhigendes aus und gleichzeitig auch etwas Respekteinflössendes. Genau deshalb war ich im Umgang mit Pferden bisher immer eher etwas vorsichtig und scheu. Als mich eine Freundin fragte, ob ich sie und ihre beiden Shetlandponys bei einem Spaziergang durchs Glarnerland begleiten möchte, war für mich deshalb sofort klar: Das ist die perfekte Gelegenheit. Denn ­Ponys sind zwar ebenfalls erstaunlich kräftig, aber eben doch etwas kleiner und dadurch für mich weniger einschüchternd.

Entschleunigen
Schon im Vorfeld freute ich mich riesig auf diesen Ausflug. Und tatsächlich: Bereits nach wenigen Minuten mit den beiden Ponys Tarzan und Dahli war klar, weshalb so viele Menschen Pferde lieben. Es hat etwas unglaublich Entschleunigendes, mit diesen Tieren unterwegs zu sein. Während wir gemütlich durchs Glarnerland spazierten, konnte ich richtig herunterfahren. Die Ruhe der Ponys übertrug sich direkt auf mich. Ich war völlig im Moment, beobachtete ihre kleinen Bewegungen, ihre neugierigen Blicke und ihre gemütliche Art. 

Tarzan und Dahli
Besonders spannend war es auch, mehr über die Tiere zu erfahren. Meine Freundin besitzt die beiden Ponys bereits seit 15 Jahren. Tarzan ist inzwischen 20 Jahre alt, Dahli sogar stolze 28 Jahre. Dass die beiden trotz ihres Alters noch so munter unterwegs sind, merkt man spätestens dann, wenn irgendwo frisches Grün lockt. Denn eines wurde mir schnell klar: Diese kleinen Ponys haben unglaublich viel Kraft. Gerade im Frühling muss man beim Spaziergang gut aufpassen. Ponys dürfen nämlich nicht einfach unbegrenzt frisches Gras fressen. Ihr Magen muss zuerst langsam wieder daran gewöhnt werden. Zu viel frisches Grün kann Koliken verursachen und gesundheitlich gefährlich werden. Deshalb mussten wir die beiden immer wieder davon abhalten, unterwegs am Wegesrand zu naschen. Und das war ehrlich gesagt schwieriger als gedacht. Wenn ein Pony unbedingt irgendwo hin möchte, dann merkt man plötzlich sehr deutlich, wie viel Kraft selbst in diesen kleinen Tieren steckt.

Traurige Vergangenheit
Shetlandponys haben übrigens eine traurige Geschichte. Früher wurden sie oft als sogenannte Grubenponys eingesetzt, vor allem im Bergbau. Aufgrund ihrer enormen Zugkraft mussten sie schwere Transportarbeiten verrichten und trugen damit wesentlich zum industriellen Fortschritt bei. In Deutschland endete dieser Einsatz glücklicherweise in den 1970er-Jahren, in der Schweiz sogar schon früher. Heute begegnet man Shetlandponys ganz anders: als sanfte, soziale und kinderfreundliche Tiere. Gerade deshalb eignen sie sich wunderbar für den Umgang mit Kindern. Kinder dürfen auf ihnen teilweise sogar reiten – Erwachsene hingegen nicht mehr.

Herdentiere
Dass Pferde und Ponys ausgesprochen soziale Tiere sind, wusste ich vorher übrigens nicht. Sie dürfen gar nicht alleine gehalten werden, weil sie Herdentiere sind und zwingend Sozialkontakt brauchen. Daher blieb es bei meiner Freundin und ihrer Schwester von Anfang an nicht bei nur einem Tier: Als sich die Möglichkeit ergab, einen Stall zu mieten, zogen direkt ein Pferd und zwei Ponys ein. Allerdings bedeuten eigene Ponys nicht nur schöne
Spaziergänge. Rund eineinhalb Stunden Arbeit fallen täglich an: Stall ausmisten, füttern, Einstreu machen und natürlich nach dem Rechten schauen. Dahinter steckt viel Verantwortung und Hingabe.

Zwei neue Freunde
Während unseres Spaziergangs blieben immer wieder Menschen stehen und beobachteten die beiden neugierig. Vor allem Kinder konnten von den Ponys kaum den Blick abwenden. Verständlich eigentlich, denn wer hätte nicht gerne eigene Ponys und würde mit ihnen durchs Glarnerland spazieren? Ich jedenfalls weiss jetzt: Auch wenn ich vor grossen Pferden wohl weiterhin grossen Respekt haben werde, habe ich mit Tarzan und Dahli definitiv zwei neue kleine Freunde gefunden.

Juliane Bilges

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