Die Rägäbogä-Band, ein Angebot im Bildungsklub von Pro Infirmis, wurde 2020 mit dem Kulturpreis der Gemeinde Glarus Nord ausgezeichnet. Für die Jury ist sie ein besonderes soziales und kulturelles Projekt. Die Musizierenden treffen sich unter der Leitung von Andreas Habert jeweils am Mittwoch zur Probe. Ein Augenschein zeigt: Hier ist viel Freude im Spiel.
Bevor Andreas Habert den Takt angeben kann, muss er die Zither stimmen. Seine Assistentin Ruth Schmid positioniert zwei Notenständer so, dass das Steeldrum daran frei schwebt. Für die Notenblätter, die zu Hause liegen geblieben sind, hat Habert einen Ersatz. Und er zeigt jedem einzeln, wie das Stück zu spielen ist.
Seine Vorarbeiten und Ausführungen sind wichtig. Sie füllen Erinnerungslücken, denn die letzte Probe ist eine Weile her. Die Musikerinnen und Musiker hören aufmerksam zu. Erinnern ist hier nicht nur Teil des Lernens, einige sind auf Unterstützung angewiesen. An der Probe im Glärnischblick im GH in Ennenda spielen fünf Musikerinnern und vier Musiker unterschiedlichen Alters. Sie sind in ihrer Motorik oder im Verständnis unterschiedlich beeinträchtigt.
Seit 30 Jahren leitet Musikpädagoge Habert die Rägäbogä-Band, Ruth Schmid am Akkordeon assistiert ihm seit 24 Jahren. Die Musizierenden haben spezielle Notenblätter, die mit farbigen Symbolen zeigen, wie sie spielen müssen. Auf den Instrumenten zeigen die farbigen Punkte, wo gezupft oder geschlagen werden muss.
Lockere Stimmung
Dann sind alle bereit. «Eins, zwei, drei, vier», und der Raum füllt sich mit den Klängen der Instrumente und der Stimme der Sängerin. Noch ist nicht alles perfekt. Da erklingt ein falscher Ton, dort ist eine Pause zu kurz. Habert geht auf die einzelnen Musikerinnen und Musiker ein, zeigt ihnen, wie geschlagen, gezupft und gestrichen werden muss. Es braucht etwas Zeit, bis alle wieder parat sind. Obwohl die Probe von jedem viel Aufmerksamkeit fordert, sind alle mit Engagement dabei, die Stimmung ist locker.
Es hat noch Platz in der Rägäbogä-Bänd. «Wir suchen immer wieder Menschen, die mitspielen wollen», sagt Habert. Egal wie gut man ein Instrument spielt, im Zentrum steht das gemeinsame Musizieren. Wie bei einem Regenbogen entsteht auch hier etwas Besonderes durch die Vielfalt: Unterschiedliche Menschen mit ihren eigenen Persönlichkeiten machen die Band bunt, lebendig und einzigartig.
Fredy Bühler


