Neueröffnung des Fridlipoker-Clubs in Glarus

Poker im Mittelpunkt: (von links) Mirko Spichtig, Roy Pantillon (Kassier), Thomas Coradi, Lukas Landolt (Vizepräsident), Karin Lutz, Andreas Ulrich, Gian Sauter (Präsident), Franco Spichtig, Simon Marti. (Foto: Andreas Empl)

Im ehemaligen Wichser Waffen AG-Geschäft in Glarus, an der Rathausgasse 25, hat das Fridlipoker-Team wahre Wunder vollbracht und den Raum in einen Wildwest-Saloon verwandelt. Seit April sind die Salon-Türen wieder offen.

An einem Mittwochabend sitzen knapp 30 Männer an vier Tischen. Der 20-jährige Student, der pensionierte Bauarbeiter, der Eventmanager, alle treffen sie sich hier im Pokerlokal von Glarus. Man kennt sich, aber Neulinge sind in der Runde willkommen. Seit Anfang April wird hier wieder Poker gespielt. Ab und zu hört man einen Spruch, einen Lacher oder eine Getränkebestellung.

Die Spannung ist spürbar. Poker ist ein intensiver Gedankensport. In jeder Situation muss der Spieler neu entscheiden. Callen, checken, folden oder raisen, also mitgehen, schieben, aussteigen oder erhöhen, das sind unter anderem die grossen Fragen eines jeden Spiels. Es knistert förmlich. Sieg und Niederlage liegen nahe beieinander. Das wissen alle hier.

Im Raum lässt sich aber eine Turnierniederlage an der neu gestalteten Bar mit Nüssen und einem Adler-Bier bestens aushalten. Denn seit April hat der Club nach einem Umbau die Tore wieder offen.

Mithilfe des Künstlers Bennio Walder wirkt der Raum nun viel einladender als das zuvor eher sterile Setting. Dieser hat den Wänden nicht nur den passenden Wildwest-Groove verpasst, sondern auch hiesige pittoreske Glarner-Szenen wie das Klöntal abgebildet. Dazu kommen eine neue Bar, mehr Platz, eine Lounge und vier Spieltische, also Platz für 36 Spieler.

Die Anfänge
Gian Sauter, der jetzige Präsident, kam wie viele andere auch über die grossen in den Medien gezeigten Turniere zum ersten Mal mit dem Spiel in Kontakt. Er und seine Freunde waren schnell angetan von der Vielfalt und der ­Komplexität, die dieses Spiel offenbart. Und so traf man sich privat unter dem Namen «Sommerweg-Poker» im Keller eines Freundes zum Pokern.

Die Fusion
2024 fusionierte der Fridli Pokerclub Näfels mit den Spielern vom Sommerweg Pokerclub in Glarus. Seit Kurzem führt der gelernte Heizungsinstallateur Gian Sauter das Lokal. Der ganze Vorstand besteht aus acht ehrenamtlich mitwirkenden Pokerfans. Inspiration für eine Vereinsgründung war auch der HSOP-Pokerclub in Zizers, den das Fridlipoker-Team regelmässig besuchte.
Gians Ehrgeiz machte ihn zu einem immer besseren Spieler und mittlerweile pilgern er und seine Vereinsfreunde in ihren Pokerferien nicht nur ins Bündnerland, sondern durch halb Europa, von Tschechien bis Estland.

Poker, das Jassen der Jungen
Poker ist ein faszinierendes Strategiespiel, bei dem es nicht ausschliesslich um die Karten geht, die man hält, sondern um die Karten, die die Mitspieler zu haben glauben. Es ist eine regelrechte psychologische Schlacht auf dem Fundament der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wer sich in Disziplin übt und strategisches Geschick beweist, wird langfristig das «Glück» auf seiner Seite haben. Weltweit spielen schätzungsweise über 100 Millionen Menschen aktiv Poker. In der Schweiz gibt es 21 Casinos, wovon viele das Spiel anbieten. Ebenso gibt es auch 20 bis 30 lizenzierte Pokerclubs.

Milliardenmarkt
Die Zeiten, als Poker den Mief eines verrauchten Hinterzimmers hatte, sind zum Glück so gut wie vorbei. Vom Zwielichtigen ist heute nichts mehr übrig geblieben, und einen Colt für alle Fälle braucht auch keiner mehr.

In Europa setzte einen ersten Trend Mitte der Nullerjahre der Amateurspieler Chris Moneymaker, der sich online für wenig Geld für das prestigeträchtigste Turnierevent der Welt, die «World Series of Poker» qualifizierte. Und als Erstplatzierter 2,5 Mio. US-Dollar gewann. In den vergangenen Jahren belief sich das gesamte Preisgeld auf etwa 90 Millionen. Der Gewinner des Hauptturniers gewinnt 10 Millionen. Poker ist ein Milliardenmarkt.

Regelmässige Turniere
Das Fridlipoker-Team setzt alles daran, Interessierten und eventuell Voreingenommenen die Faszination dieses Spiels näherzubringen. Jeden Mittwoch und an den Wochenenden finden Turniere statt. Auch ist Fridlipoker offen gegenüber Eventanfragen. Ob ein Firmenpoker für ein Teambuilding oder Polterabende, man kann den Raum mit vier Tischen, Barbetrieb und Spielleitern mieten.

Andreas Empl

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