Ob «Mannä Pannä» oder «Erbä ohni Sterbä»: Wer Chliibüni Glärnisch sagt, bekommt auch eingängige Reime als Titel serviert. Dass diesmal die Gürtellinie noch etwas tiefer liegt, lässt der Titel ebenfalls vermuten. Am Donnerstag, 16. April, ist Premiere.
Zwei Charaktere – sehr verschieden, beide am Ende. Simon Stäubli (Leopold Ramhapp) hat sich den Strick schon mal zurechtgelegt, ein Leben ohne Julia hat keinen Sinn mehr, die Lebensfreude ist weg, er hat auch schon die Bestatterin (Maja Tsitsiamis) bestellt. Da rennt zähneputzend Nachbar Sigmund Stäubli (Roger Rhyner) auf die Bühne. Frisch gewindelt und mit einer Zeitung bekleidet empfängt er drauf den fröhlich rappenden Pöstler (Tobias Keller) – «ich säge proscht und chume vo dr Poscht». Schon bald weiss auch im «Bären» jeder alles. Der eine Stäubli hat den Festnetzanschluss gekündigt, schliesslich will er sterben, der andere wird gekündigt. Der eine hört Stimmen, der andere hat eine gespaltene Persönlichkeit, einen Babykomplex und wartet auf seine Domina (Desirée Ruggeri). Also zieht Stäubli zu Stäubli, denn irgendwo geht immer ein Türchen auf. Dass der eine in Bildern spricht und der andere alles wörtlich nimmt, hilft ihrer Verständigung auch nicht wirklich, dass der Windelvertreter Ciao Sepp (Nino Ferrari) Sigmund Stäublis Wohnung schon gemietet hat und die Mutter des anderen Stäubli (Susanna Meier) mit der Domina verwechselt, macht schon den ersten Akt verwirrend. Dann folgt – im zweiten Akt – die Läuterung der beiden Stäublis und die muntere Domina-Verwechslung kann beginnen.
Schreiben ohne Bremse
Gepeitscht wird kaum, gekalauert umso mehr. Das Fetisch-Thema – ein Mann will wieder Baby sein – haben die beiden Autoren entdeckt, als sie eine Dokumentation anschauten. Doch was tragisch beginnt, endet versöhnlich – denn, so Leopold Ramhapp: «Der Sinn des Lebens ist es, Freude zu haben. Die Zuschauer sollen einfach zwei Stunden von Herzen lachen, die Philosophie des Stückes: Es geht immer ein Türchen auf, gerade dann, wenn man denkt, dass man am Ende ist.» Diesmal haben Ramhapp und Rhyner zusammen in die Tasten gegriffen, ihr Schenkelklopfer ist noch etwas schriller und derber als die früheren. «Si mönd sich nüd geniere, si mönd nu ds Füdli schmiere», rappt etwa der Pöstler, als er die beiden Stäublis überrascht, wie sie den Schlüssel unter der Fussmatte suchen. Die Bühnen-Crew wird jedes Jahr etwas professioneller. Die Präzision wird immer atemberaubender und es braucht Mut, in Windeln aufzutreten oder im Dominakostüm – «das ist noch einmal eine andere Liga», meint Leopold Ramhapp als er «nudelfertig» vom Spielen und gleichzeitig Regie führen in den roten Sitz des Fabriktheaters in Schwanden sinkt. «Ich fühlte mich noch nie so komisch», sagt Roger Rhyner, «es sind doch Windeln.» Mehr, es ist die Windel7000 mit dreifachem Aktiv-Kohlefilter und der Kontroll-App. Genau das Richtige für alle, die sich bei den Witzen im Minutentakt fast in die Hose machen vor Lachen.
FJ


