«Ziger-Fritz» im FCZ-Museum

Fritz Künzlis Gattin Monika Kaelin mit FCZ-Präsident Ancillo Canepa (mit Pokal) und Künzlis ehemaligen Team-Kollegen Kurt Grünig (li.) und Erich Burgener (re.) Im Hintergrund: Fritz Künzli in Action. (Foto: Max Kern)

Der FC Zürich ehrt einen der grössten Glarner der Geschichte: Fritz Künzli, der mit 73 Jahren verstarb und Anfang Januar 80 geworden wäre, erhält im FCZ-Museum in Zürich eine Sonderausstellung.

Die Erfolgsgeschichte beginnt 1964 in Ennetbühls. Die Künzlis erhalten in ihrem Restaurant «Sonne» Besuch von einem Herrn von GC. Dieser trifft Vater Künzli im Schlachthaus an und erkundigt sich, ob er Fritz Künzli kenne. «Sicher schon, das ist mein Sohn.» Der Herr in Schale trägt Vater Künzli auf, Fritz doch zu sagen, dass er ins Restaurant «Krone» gegenüber kommen solle, er warte dort auf ihn. Definitiv die falsche Lokalwahl. Vater Künzli jagt den feinen Herrn wie einen Hund aus dem Schlachthaus. Einige Tage später erscheint FCZ-Präsident Edy Naegeli im richtigen Restaurant. Als Naegeli Vater Künzli nach dem besten Wein im Keller fragt, ist der Handel und somit der Wechsel des 19-jährigen Supertalents vom Zweitligisten FC Glarus (damals vierthöchste Liga) zum FCZ schon fast perfekt. Die Ablöse: 8000 Franken. Plus 8000 Franken Handgeld für Fritz.

«Jetzt ist Monika Kälins Stube leer»
In Zürich startet Künzli durch. Zwei Meistertitel mit dem FCZ (1966 und 1968), dazu vier Cupsiege (1966, 1970, 1972 und 1973). Künzli holt als klassische Nummer 9 viermal die Torschützenkrone – dreimal mit dem FC Zürich (1967, 1968 und 1970), einmal mit Lausanne (1978). 202 Tore in 313 Liga-Spielen, 15 Treffer in 44 Spielen für die Nati. Und in Erinnerung bleibt ein ­ikonisches Bild, das «Ziger-Fritz» in einem Länderspiel gegen Italien bei einem Hechtkopfball zum 2:1-Zwischenstand zeigt. Italiens Verteidiger-Legende ­Giacinto Facchetti (†2006), später Präsident von Inter Mailand, bleibt nur das Staunen. Eines von Dutzenden von packenden Bildern, das neben Wimpeln, Leibchen und Pokalen jetzt an der Sonderausstellung zu sehen ist. Die Memorabilien stammen alle aus dem Nachlass von Fritz Künzli. FCZ-Präsident Ancillo Canepa sagt an der Vernissage zu Künzlis Gattin ­Monika Kaelin lachend: «Es tut mir leid, dass du jetzt eine leere Stube hast.»

Widmung von Weltstar Pelé
Die Idee zur Sonderausstellung entstand bei einem Heimspiel des FC ­Zürich in der Loge der FCZ-Besitzer Heliane und Ancillo Canepa. Der Boss der Stadtzürcher erinnert sich: «Wir lagen zur Pause gegen Luzern mit 0:2 hinten. Heliane und ich hatten uns so aufgeregt, dass wir in der Halbzeit eigentlich nach Hause wollten. Doch als gute Gastgeber mussten wir bleiben. Moni sagte: ‹Ich spüre, die gewinnen noch.› In der 80. Minute stand’s immer noch 0:2. Doch am Ende gewannen wir 3:2.» Im Anschluss wurden in Sachen Sonderausstellung Nägel mit Köpfen gemacht.
Im Untergeschoss des Museums hängt unter anderen ein weisses Leibchen von Weltstar Pelé, dem vierfachen Weltmeister: «To Fritz all the best, Pelé», ist die Widmung des Brasilianers, der 2022 verstarb. Monika Kaelin: «Fritz war der Goalgetter der Nation, er hat alles beherrscht. Neben Pelé war er einer der grössten der Welt.» In der Podiumsdiskussion zum Start der Ausstellung erinnern sich ehemalige Spieler, wie etwa Hans Niggl, der am Genfersee mit Lausanne-Teamkollege Künzli die Bleibe teilte: «Wir hatten eine glatte Zeit. Und auf dem Feld musste ich den Ball einfach Fritz geben, er war eine Bank.»

Bratwurst vor den Spielen
Niggl gibt Künzlis spezielle Matchvorbereitung bei Auswärtsspielen in St. Gallen zum Besten: «Vor dem Spiel musste ihm der Masseur immer eine Bratwurst holen. Fritz ging jeweils in die Dusche und ass sie.» Heute unvorstellbar.
1978 macht Künzli mit 32 Jahren einen Abstecher in die US-Profiliga. Er spielt bei den San Diego Sockers und den Houston Hurricane. Gleichzeitig eröffnet «Ziger-Fritz» in den Staaten eine Bäckerei und lässt Original Glarner Pasteten backen. Die Abluft aus der Backstube lässt er in die Klimaanlage des Einkaufscenters einfliessen. Nicht für lange – die Betreiber kommen ihm auf die Spur. Künzli wird gebüsst.
Zurück zur Vernissage. Frage an den FCZ-Präsidenten: Wo stünde der FCZ heute mit einem Fritz Künzli mit Jahrgang 2004 in seinen Reihen? Canepa stöhnend: «Diese Gedanken mache ich mir fast täglich. Fritz Künzli würde heute wahrscheinlich bei Real Madrid oder Barcelona spielen.» Monika 
Kaelin schaltet sich ein: «Fritz hatte einen Vorvertrag mit der AC Milan.» Aber der damalige Präsident Edy «Stumpen-Nägeli» verhinderte den Transfer.

Max Kern.

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