Am 26. März gab Journalist und Militärexperte Georg Häsler ein von der Glarner Offiziersgesellschaft organisiertes Referat: «Geopolitische Lagebeurteilung und die Auswirkung auf die Schweiz». Gerade die Schweiz müsse wissen, was ihr die Sicherheit wert ist.
Aktuell sei es sehr schwierig, ein Referat zur geopolitischen Lage zu halten, meinte Journalist und Militärexperte Georg Häsler zu Beginn seines Vortrages «Geopolitische Lagebeurteilung und die Auswirkungen auf die Schweiz» im Hotel Post Glarnerhof in Glarus. Jeden Morgen müsse er schauen, ob seine Aussagen und Einschätzungen noch aktuell seien.
Am Rand der Interessensgebiete
«Dieses Gefühl dürften aber wohl auch einige US-Generäle haben.» Damit spielte er auf den Konfliktherd im Nahen Osten mit dem Iran-Krieg an. Aber natürlich auch auf das sprunghafte Verhalten von US-Präsident Donald Trump. Der Krieg konzentriere viele Kräfte in diese Region. Zudem hätten sich die USA schon vor über zehn Jahren auf China als grössten Konkurrenten konzentriert. «Hier rechnet man in den nächsten Jahren damit, dass das Militär für Aktionen bereit ist.» Die auch hier verstärkte Präsenz sorgt dafür, dass Europa an den Rand der Interessensgebiete vor allem von Amerika geschoben wurde.
Verteidigung in die Hand nehmen
«Die Nato und vor allem die EU-Länder müssen zusammen und im Verbund agieren.» Einige gegenläufige Tendenzen seien schon spürbar. «Gewinner der neuen Situation ist sicher der russische Präsident Wladimir
Putin. Aber auch neue Gelüste nach alten Territorien oder Eigenständigkeit sind in anderen Regionen möglich. Die Situation wird unsicherer und weitere Konflikte oder Eskalationen sind nicht mehr unrealistisch.» In dieser Grosswetterlage muss die Schweiz, nach Häsler, die Investitionen in die eigene Verteidigung rasch vorantreiben. «Unsere Freiheit ist wichtig. Es stellt sich die Frage: wie viel ist sie uns wert?» Es müsse auch diskutiert werden, wie diese Sicherheit ermöglicht werden kann. «Müssen wir da Kooperationen und Bündnisse eingehen, und ist dann die Neutralität noch möglich oder sinnvoll?»
Rasches Handeln notwendig
Auch hier habe gerade der Iran-Krieg gezeigt, dass sich Konflikte nicht an Landesgrenzen halten müssen. «Der Iran greift wichtige Infrastrukturen in den Nachbarländern an, obwohl hier kein Kriegszustand herrscht.» Die Schweiz ist in vielen Bereichen mit Europa stark vernetzt und wichtige Knotenpunkte stehen in unserem Land. Bestes Beispiel sei die Energieversorgung, bei der zwei wichtige Achsen durch die Schweiz gehen. «Will man der EU oder nur Frankreich und Deutschland wehtun, sind das sehr attraktive Ziele.»
Egal ob Europa oder die Schweiz, lautete das Fazit Häslers am von der Glarner Offiziersgesellschaft organisierten Vortrag im «Glarnerhof», es muss gehandelt, und es muss rasch gehandelt werden.
Jürg Huber


