Am 28. Februar eröffnete das Kunsthaus Glarus die aktuelle Ausstellung mit Annette Amberg als neuer Direktorin. Die Kuratorin und Künstlerin bringt vielfältige Erfahrung in der Ausstellungspraxis sowie eine persönliche Beziehung zum Haus mit.
Mit Annette Amberg hat das Kunsthaus Glarus eine neue Direktorin. Ihr Programm verbindet lokale Geschichte mit zeitgenössischer Kunst und neuen Formen der Zusammenarbeit.
Rückkehr an einen vertrauten Ort
Für Annette Amberg ist der Amtsantritt im Kunsthaus Glarus auch eine persönliche Rückkehr. Während ihres Studiums, sie studierte Kunst und Fotografie, stellte sie selbst einst als Künstlerin im Haus aus. Heute kehrt sie in anderer Rolle zurück: als Direktorin und Kuratorin. Besonders fasziniert Amberg die Architektur und Lage des Hauses. Die Ausstellungsräume mit ihrer präzisen Lichtführung und ihren idealen Proportionen böten tolle Bedingungen für Kunst. Gleichzeitig ist das Kunsthaus an einem Ort zu Hause, der reich an Geschichte sei, etwa durch die frühe Industrialisierung und die Aus- und Einwanderung. Dadurch sei Glarus bereits seit Langem global vernetzt und somit «in Bewegung». Auch die institutionelle Tradition des Hauses beeindruckt. Der Glarner Kunstverein, der das Kunsthaus trägt, spielt seit seiner Gründung 1870 eine bedeutende Rolle in der Schweizer Kunstlandschaft. Annette Amberg möchte ausserdem an die Arbeit der vorherigen Direktorinnen anknüpfen und neue Perspektiven eröffnen.
Die Sammlung als Ausgangspunkt
Ein zentraler Schwerpunkt ihrer ersten Zeit in Glarus wird die Sammlung des Glarner Kunstvereins sein. Amberg plant ein «Jahr der Sammlung », in dem die Bestände des Hauses aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht werden. Im Sommer werden einige Werke der Sammlung in die Gruppenausstellung integriert, während im Herbst die Sammlung im ganzen Haus präsentiert wird, ergänzt durch zeitgenössische Positionen und neue Konstellationen. Für Amberg ist diese Auseinandersetzung mit der Sammlung auch ein Blick auf die Institution selbst: Durch jährliche Ankäufe aus dem Ausstellungsprogramm entstehe eine fortlaufende Ausstellungsgeschichte des Hauses.
Vernetzung über die Berge hinweg
Neben der Arbeit mit der Sammlung möchte Amberg die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen stärken, sowohl in der Schweiz als auch international. Ein erstes Beispiel ist eine Kooperation mit dem Haus für Kunst Uri. Die gemeinsame Ausstellung findet von Juni bis August statt und verbindet zwei Museen und Orte über den Klausenpass hinweg. Geplant ist auch ein Kunstfestival am 4. Juli direkt auf dem Pass, bei dem Künstlerinnen und Künstler ortsspezifische Performances entwickeln. Dabei sollen lokale Geschichten ebenso eine Rolle spielen wie Fragen zu Heimat, Landschaft und Identität.
Drei künstlerische Positionen
Das Eröffnungsprogramm nutzt die Architektur des Hauses für drei eigenständige Einzelausstellungen von Nolan Lucidi, Akosua Viktoria Adu- Sanyah und von sitara, die noch von der ehemaligen Direktorin Melanie Ohnemus eingeladen wurde. Ergänzt werden die Einzelausstellungen im Untergeschoss mit der Sammlungspräsentation. Den drei Kunstschaffenden ist ein Interesse an Materialität, Oberfläche und Repetition gemeinsam, das sich durch unterschiedliche Medien in sehr eigenständiger Weise zeigt. Gemeinsam ist den künstlerischen Positionen auch die Auseinandersetzung mit dem Bildbegriff: Was erzählen Bilder, wie entstehen sie und wie beeinflussen sie unsere Wahrnehmung?
Kunst als Ort des Dialogs
Für Annette Amberg ist Kunst mehr als ästhetische Erfahrung. Sie versteht das Kunsthaus auch als Ort des Austauschs. In einer zunehmend polarisierten Gesellschaft könne Kunst Räume eröffnen, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Wichtig ist ihr zudem, das Haus für ein breites Publikum zu öffnen. Neben Fachleuten sollen sich auch Menschen ohne kunsthistorische Vorkenntnisse eingeladen fühlen, das Kunsthaus zu besuchen. Ein neues Format, das gemeinsam mit Mara Danz von der Kunstvermittlung entwickelt wurde, ist beispielsweise «Kunst und Kaffee», ein 30-minütiger Ausstellungsrundgang, der einmal pro Monat stattfindet. Ambergs Wunsch für die kommenden Jahre ist klar: Das Kunsthaus Glarus soll ein lebendiger Ort bleiben – lokal verankert, international vernetzt und offen für neue Ideen. Wenn Besucherinnen und Besucher nach dem Rundgang mit neuen Fragen nach Hause gehen, hat Amberg ihr Ziel bereits erreicht.
Juliane Bilges


