So tickt das Glarnerland

Vorstand AGVS Kanton Glarus: (von links) Daniel Feldmann, Karl Flammer, Patrik Eicher und Edy Koller. (Foto: FJ)

Mobilität ist bei Herr und Frau Glarner ein Thema, seit die Schiene 1879 das Tal bis nach Linthal öffnete, seit ab 1900 die Strasse über den Klausenpass mit der Postkutsche befahren werden konnte und seit 1905 das Sernftal durch die Bahn erschlossen wurde. Doch wie tickt das Glarnerland?

Auto oder öffentlicher Verkehr? In jüngster Zeit gaben vielmehr die Kreisel zu reden, der Binnenverkehr in den Dörfern, der Langsamverkehr und die zeitweise überlastete Hauptachse. Für Edy Koller, Präsident des AGVS und Geschäftsführer der Freihofgarage, ein zweischneidiges Schwert. «Bei Innovationen werden die Leute hellhörig und möchten mitmachen. Aber meist ist ihr Verhalten recht bodenständig. Ich spüre das im Autokauf. Da gibt es keine Revolution, etwa dass die Leute nur Elektro- oder eine bestimmte Sparte von Fahrzeugen wollen, vielmehr ist nach wie vor ein breites Angebot gefragt. Gleichzeitig sind da die verkehrstechnischen Herausforderungen und hier kommt der Glarner langsam, aber sicher in einem Bereich, wo er sich fragt: Wo macht welche Mobilität für mich Sinn? Kein Schwarz-weiss-Denken mehr, sondern es findet ein Umdenken statt. Was der Glarner aber nicht cool findet, sind Vorschriften. So etwas wie: Du sollst nicht mit dem Auto fahren, weil der Verkehr überlastet ist, findet er nicht lässig. Auch die Lenkung über die Verkehrssteuer hat wenig Wirkung, das sah man bei der Debatte über die Motorfahrzeugsteuern.»

Die gesunde Mischung
Marc Elsener von Elsener Garage in Ennenda stellt fest: «Die Glarnerinnen und Glarner ticken vernünftig – aber nicht emotionslos. Das Auto ist hier kein Luxusobjekt, sondern ein wichtiges Alltagsinstrument. Viele sind auf ihr Fahrzeug angewiesen – für den Arbeitsweg, für den Weg ins Tal, für Freizeitaktivitäten oder für die Familie. Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit stehen klar im Vordergrund.» Ganz ähnlich sieht das Patrick Flammer von der Flammer Glarus AG: «Der Glarner ist viel unterwegs. Dabei ist der ÖV hier limitiert, deshalb hat das Auto für ihn einen hohen Stellenwert.» Dadurch, dass das Glarnerland verschachtelt ist, so Markus Freitag, Geschäftsführer Garage Milt AG, «muss Mobilität vielfältig angeboten werden und beschränkt sich nicht auf den Bus wie in der Stadt.» Entsprechend die Anforderungen ans Fahrzeug: «Das Auto muss fahren, langlebig sein und darf lange nicht kaputt gehen.» Philipp Kessler, Geschäftsführer Garage Felber, stellt fest: «Die Glarner sind sehr treu gegenüber den Garagisten. Sie informieren sich sehr gut, warten aber ab. Deshalb braucht es Garagisten, welche ihre Kunden orientieren – denn je nach Bedürfnis sind die passenden Formen von Mobilität gefragt.»

Laut Patrick Flammer beschäftigt sich der Glarner mit neuen Technologien. «Er ist zwar abwartend, aber er schaut sie sich an.» – «Typisch glarnerisch», findet Marc Elsener. «Man wartet ab, beobachtet, informiert sich – und entscheidet dann bewusst. Preis-Leistung, Qualität und Service zählen mehr als Trends oder Prestige. Und dennoch gibt es auch Begeisterung für Technik, für neue Modelle oder für besondere Fahrzeuge – aber immer mit einer gewissen Bodenhaftung.»

E-Fahrzeuge auf dem Vormarsch
Maurizio Galluccio von der Auto Nart AG sagt zur E-Mobilität: «Der Glarner ist offen für die E-Mobilität, fragt aber nach der Alltagstauglichkeit, bevor er wechselt. Aber wenn wir alle wüssten, wie toll ein E-Fahrzeug ist, würden wir nicht mehr diskutieren, sondern uns einfach fragen, wo und wie kann ich laden.» Die Elektromobilität nimmt zu – aber eher langsam und kontinuierlich, nicht sprunghaft. Patrik Eicher, Auto Eicher AG, sieht es so: «Die jüngere Generation ist offener für E-Fahrzeuge, aber auch da gibt es viele, die flexibel bleiben möchten. Nach wie vor ist die Ladezeit ein Thema.» Gerade wer eine PV-Anlage installiere, so Tanja Müller, Garage Martin Müller AG, interessiere sich dafür und findet: «Wenn man mit Auswärtigen spricht, stellen diese fest, dass die Glarner offener und moderner sind, als sie gedacht hätten. Aber der Allrad darf nicht fehlen.» Patrick Flammer bestätigt: «Allrad ist wichtig, die Leute machen Ausflüge in die Berge und wollen in jeder Situation sicher unterwegs sein.» Daniel Feldmann, Tödi-Garage AG, fasst es zusammen: «Die Akzeptanz an elektrifizierten Fahrzeugen nimmt zu, die anfängliche Skepsis nimmt ab. In unserem Kanton bleibt der 4x4-Antrieb ein grosses Thema. Der Glarner Fahrzeugpark wird grösser und älter. Es wird also früher oder später zu einem Wechsel kommen und somit wird automatisch der Anteil der elektrifizierten Fahrzeuge zunehmen.» 

FJ

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