Der letzte Tanz

Christian Bächtold vor dem Berggeistbrunnen in Glarus. Hier hat er oft getanzt und gesungen. Nun ist er weg. (Foto: Søren Ehlers)

Fast jede und jeder hat ihn schon einmal gesehen: Neben dem Berggeistbrunnen in Glarus tanzt er auf dem Trottoir und singt. Immer ist er top angezogen und frisiert. Nun zieht er weg.

Der tanzende Mann im bunten Anzug gehört zum Stadtbild von Glarus. Er hat regelmässig wechselnde bunte Outfits. Die Frisur ist immer wieder anders, er hat viele Tattoos. Er hört Musik mit Kopfhörern und singt dazu. Mehr weiss kaum jemand über ihn.

Vom Alltag ablenken
Christian Bächtold möchte die Passanten etwas vom Alltag ablenken. «Viele Menschen sitzen in ihren Autos und sehen depressiv aus. Die meisten, die vorbeigehen, machen einen ‹Lätsch› und schauen auf ihr Handy.» Christian Bächtolds Erscheinung fällt auf, die Vorübereilenden nehmen ihn wahr. «Zuerst hat es Überwindung gebraucht, aber dann wurde es ganz einfach, in diese Stimmung zu kommen.»

Neben der Musik ist Christian ­Bächtold sehr an Politik interessiert. «Also ich bin ganz klar für die SVP. Da bin ich stolz und das war immer schon so, seit ich kleiner Junge bin.«

Nach Glarus in die Ruhe
Christian Bächtold wuchs in Zürich auf. Er lernt seine Frau kennen, die beiden ziehen nach Glarus. «Wir haben nach der lärmigen Stadt Zürich die Ruhe gesucht und kamen deshalb nach Glarus.» Sie haben eine 12-jährige Tochter. «Wir haben hier hinten zusammen angefangen, doch dann kam alles anders.» Die Beziehung ging auseinander. Gewohnt hat Christian ­Bächtold acht Jahre lang am Gemeindehausplatz 1, direkt beim Berggeistbrunnen. Nun zieht er weg. Seine Nachbarin kommt während des Gespräches am Brunnen vorbei. «Es ist sehr schade, dass Christian geht», sagt sie.

Nach St. Gallen zur Tochter
Mutter und Tochter wohnen mittlerweile in St. Gallen. Dorthin ist er nun ebenfalls gezogen, denn für seine Tochter da zu sein, ist ihm sehr wichtig: «Es ist halt einfach meine Familie, auch wenn wir nicht mehr zusammen sind.»

Der «Tänzer von Glarus» ist weggezogen und wird im Stadtbild fehlen. Auch seine Nachbarin wird ihn vermissen. «Jetzt muss ich seine Rolle als Tänzerin übernehmen», scherzt sie. 

Søren Ehlers

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