Sechs Jahre arbeitete Tim Kürzi in der Sozialpädagogik am HPZ in Oberurnen, vom April 2026 an liefert er aus seinem Soluna Marktgarten Gemüse und Gewürze im Abonnement ins Glarnerland. Schon bald kann er junge und erwachsene Menschen mit Unterstützungsbedarf aufnehmen, die in den 1. Arbeitsmarkt integriert werden sollen – sozial und nachhaltig.
Gleich hinter dem Bahnhof Siebnen-Wangen, am Perronweg 6, heisst eine frei laufende Gruppe von Appenzeller Spitzhauben (das ist eine seltene Hühnerrasse) alle Besucherinnen und Besucher willkommen, die unter dem Torbogen aus zwei Bäumen durchgehen. Hier legen 1500 Hennen ihre Eier, die von «ei-malig» vertrieben werden. Auch Schnittblumen werden hier angepflanzt. Dieses lauschige und im Frühling lehmig-nasse Plätzchen hat sich Tim Kürzi für seinen Marktgarten ausgesucht. In zwei Folientunnels hat er gerade seine erste Lieferung von Nüsslisalat und Batavia angepflanzt und mit Folie gegen die kalten Nächte bedeckt. Bald kommt die grosse Lieferung mit 2700 Pflanzen (18 Kisten à 150 Pflanzen). Dann wachsen Kohlrabi, Blumenkohl, Winterportulak, Rüebli, Radieschen und Frühlingszwiebeln, damit am Donnerstag, 16. April, die erste Gemüseausgabe beginnen kann. Von den beliebten Gurken und Tomaten wird es mehr geben, von Auberginen oder Fenchel werden kleinere Mengen angebaut – insgesamt sind es 33 Sorten Gemüse und Kräuter.
Für den Markt
Die Idee, Gemüse für den eigenen Gebrauch oder zum Tauschen anzubauen, ist in der Schweiz fest verwurzelt – lange Zeit hatte im Glarnerland fast jede Familie eine Rüti, wo «Härdöpfel» und «Fisel» wuchsen. Aber das macht Arbeit und nicht alle haben den Grünen Daumen. Auch die Idee, in einem Garten Gemüse für den lokalen Markt anzubauen, ist schon 250 Jahre alt. Während in der konventionellen Landwirtschaft das Ziel ist, mit Maschinen zu arbeiten, um möglichst günstig möglichst viele Ackerfrüchte zu gewinnen, setzt der Marktgarten auf Biodiversität, auf den Aufbau des Humus, auf Kompostdüngung und Mischkulturen und auf menschliche Arbeit statt mechanische Bodenbearbeitung.
Saisonal
Von April bis November bekommen Kürzis Abonnentinnen und Abonnenten aus dem Soluna Marktgarten wöchentlich jeweils donnerstags eine Lieferung mit mindestens sieben verschiedenen Gemüsen und Kräutern – ein saisonales Angebot für alle, die gerne das essen, was in der Region wächst. Kürzi, einst als Drucktechnologe und in Zweitausbildung in sozialer Arbeit an der ZHAW ausgebildet, braucht die Arbeit mit den Händen und mit den Menschen. Das System Marktgarten hat ihn überzeugt, er kann biologisches Gemüse anpflanzen und es gibt keine Verluste. Alles, was er produziert, wird auf die Abonnements verteilt. Dabei gibt es einen mini Gemüsekorb mit vier Gemüsesorten für Singles (16.– Fr./Woche), einen mittleren mit sieben für Paare (27.– Fr./Woche) und einen grossen für Familien von drei bis vier Personen (50.– Fr./Woche). Natürlich sind alle dazu eingeladen, Tims Marktgarten in Wangen zu besuchen – er ist ja gleich beim Bahnhof Siebnen-Wangen und auch mit dem Auto einfach zu erreichen. Wer seine Gemüsetasche bei ihm bezieht, kann seine Portionen am Mittwoch ab 16.00 Uhr hier abholen. Einmal pro Woche – am Donnerstag – beliefert er Gemüseausgaben, diese sind in Glarus (17.00 bis 18.00 Uhr) und Näfels (18.15 bis 19.00 Uhr) geplant. Falls sich an andernorts mehrere Abonnenten finden, kommen weitere Ortschaften an der Achse Siebnen bis Glarus dazu; Für 5 Franken Aufpreis gibt es Heimlieferung. Tims Marktgarten wird zusätzlich zum ökologischen bald einen sozialen Aspekt bekommen. Derzeit prüft die IV ihn, damit er Jugendliche und Erwachsene mit Unterstützungsbedarf aufnehmen kann, die in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden sollen.
Zum Anfassen und Anpacken
Wer das Soluna-Abo löst, weiss mehr über sein Gemüse. Alle können den Hof besuchen – Familien auch mit Kindern. Wer Lust hat, darf sogar mithelfen. Gerade für Kinder ist so ein Marktgarten eine lehrreiche Sache, damit sie hautnah erleben, wie das, was auf den Teller kommt, gepflanzt wird und wächst. Tim Kürzi möchte das Bewusstsein stärken für regionales, biologisches Gemüse, das in Mischkultur und biodivers auf kleiner Fläche und ohne grosse Traktoren angebaut wird; und dafür, dass dieses Gemüse auch wirklich reif ist und besser schmeckt.
FJ
Soluna Marktgarten, Tim Kürzi,
Telefon 077 528 07 77,


