«Wir sind in der Pubertät»

Gemeinderat Stefan Maduz – Departement Wirtschaft und Finanzen – spricht mit Peter Zentner (links), Hauptschulleiter von Glarus Süd und Kandidat fürs Gemeindepräsidium. (Foto: FJ)

Es ist kein Geheimnis: Am Sonntag, 8. März werden drei Männer in die drei Gemeindepräsidien gewählt. Der Verein ­DemokratieDialog Glarnerland hat zu allen Wahlen Podien veranstaltet, um Kandidierenden die Möglichkeit zu geben, sich zu präsentieren. Das ist teilweise hart, weil man sich in der Politik nicht nur Freunde schafft, es ist aber auch eine Chance – Peter Zentner hat sie ergriffen.

«Ich bin Alexia Beccaletto, ich arbeite für die Südostschweiz.» So stellte sich die Moderatorin am Podium im Singsaal der Oberstufe Schwanden vor. Man spürte, sie macht das gewissenhaft und sie versuchte, den Kandidierenden für den Gemeinderat Glarus Süd auf den Zahn zu fühlen. Erklärungen und Klagen aus dem Publikum formulierte sie geschickt in kritische Fragen um, insbesondere, wenn es Kritik zur Kommunikation der Gemeinde war oder zu dem, was in Sachen Glarus Süd Care zu geschehen hat.

Ein Karussell mit viel Platz
Sechs Sitze gibt es im Gemeinderat, wovon einer frei wird. Dafür präsentierten sich am Podium sieben Personen, drei Frauen, vier Männer. Fürs Gemeindepräsidium gibt es bisher nur eine bekannte Kandidatur, jene von Peter Zentner, der derzeit das Departement Schule und Familie der flächenmässig zweitgrössten Gemeinde der Schweiz leitet. So etwas wie bei den letzten Wahlen von 2022, als fast der gesamte Gemeinderat ausgewechselt wurde, können sich die Südler/-innen diesmal nicht mehr leisten. Mindestens vier von fünf Bisherigen müssen sie wieder wählen. Auf dem Karussell ist also fast genügend Platz frei. Das ist auch ganz gut, wenn eine Gemeinde erst fünfzehn Jahre alt und – wie es Peter Zentner am Podium glasklar feststellte – «in der Pubertät» ist.

Keine Schwarzpeter-Spiele
Jede der drei Glarner Gemeinden hat – neben Vorzügen – ihre Baustellen. Mehr als 50 Prozent kostet die Schule, alle haben sie teilweise teure Infrastrukturen, also etwa Alpen, Restaurants oder Freibäder, und hochfliegende Träume von Gemeindehäusern und Werkhöfen. So hat Zentner auch nicht unrecht, wenn er – als zukünftiger Präsident – nicht von Visionen spricht, sondern lieber an einer lebenswerten Gemeinde arbeitet. Das akzeptiert die Faktenlage. Im Fall von Glarus Süd: Die Gemeinde hat zwar viele Schönheiten, aber sie liegt, wie Stefan Maduz feststellt, in einer Sackgasse. Dagegen ist wenig einzuwenden – vielmehr gilt es, im System von «Drei Gemeinden – ein Kanton» die Konsequenzen daraus zu ziehen. Konkret: Wenn der Süden neue Steuerzahler und Bewohner will, muss er gute Arbeitsplätze und Wohnraum schaffen, denn für Pendler wird es, wegen des «Flaschenhalses» zwischen Netstal und Näfels, nicht einfacher. Und – wenn gefragt wird, wie es bei Glarus Süd Care weitergehe – ist die bodenständige Antwort von Gemeinderätin Gabi Aschwanden goldrichtig: «Wir müssen die Altersvorsorge zum Projekt der Leute machen.»

Stärken aufzeigen
Tatsächlich hat der derzeitige Gemeinderat von Glarus Süd einiges richtig gemacht: Die Strasse ins Niderental steht kurz vor Baubeginn, die letzten Gemeinderechnungen waren nahezu ausgeglichen und die Katastrophe «Wagenrunse» wurde gemeinsam bewältigt. Und selbst bei den kommunikativen Schwächen wird das Bild relativiert. Der neu kandidierende Marco Menzi findet, man dürfe auch das Positive raus in die Bevölkerung tragen, und: «Die Kommunikation ist nicht schlecht – man muss als Bürger auch einmal nachfragen.» Die ebenfalls neu kandidierende Marion Wichser will attraktive Schulstandorte behalten und findet, dass Zusammenlegungen keinen Vorteil bringen. Auch er sei ein Gegner von Zentralisierung, sagt Stefan Maduz, wichtig sei es, eine Ausgangslage zu schaffen, damit die Leute bleiben. Dazu gehören die Schule und der Arbeitsplatz ebenso wie der Steuerfuss und der bezahlbare Wohnraum.

Worauf schauen?
In der Mitte ist die Situation vergleichsweise entspannt, dort treten alle Bisherigen an. Im Gegensatz zu Glarus Nord, wo es beim Präsidium zum Kampf kommt und wo die Parteien mit sechs neuen Kandidierenden für zwei frei werdende Sitze antreten. Ob man das alles immer nur ernst nehmen muss? Am Umzug in Näfels jedenfalls waren nicht nur Regierungsrat Thomas Tschudi mit Familie zu sehen, sondern auch Kandidatin Priska Müller Wahl als Fotografin und Gemeinderat Daniel Landolt – er organisiert den Anlass mit – verkleidet als Super Mario.

FJ

Back To Top