Engelsfratzen rabatzen

Eine Hexe – Botschafterin aus der March. Für die Bildergalerie QR-Code scannen. (Fotos: FJ)

Mit der Aalöschetä vom Samstag in Näfels hat die Fasnacht 2026 begonnen. Der Auftakt zeigt: Die verrücktesten zwei Wochen werden das Glarnerland mit Farben, Guggenklängen, Konfetti, phantasievollen Kostümen und überraschenden Wagen verzaubern.

Muni Max – gebaut von den Chlüntelern aus Riedern – ist sicher das Imposanteste, was es an dieser Fasnacht zu sehen gibt. Seine Hörner wurden am Samstag millimeternah an den Wirtshausschildern und Hausdächern vorbeigezirkelt. Fröhlich traten die Ennendaner Spätzünder mit ihrem Super-Mario-Wagen unter dem Motto «Game over» auf. Ob sie damit das «Game» der Umfahrung Netstal/Glarus aufs Korn nehmen? Wer weiss! Dann waren da die «Hürbi Nüäler» mit ihrem bunten Lichterbaum, alle als Insekten verkleidet – denn wo Bio kompostiert wird, sind Geruch und Krabbelzeugs nicht weit. Besonders Näfels-spezifisch dieses Jahr wieder der Wagen von Novale. Als Engel in Messgewändern spielen die Gruppenmitglieder mit ihren Flügeln und den weissen Heile-Welt-Masken, die sie während des Umzugs herunternehmen, nur um die schwarzen Teufelsfratzen zu enthüllen, die sich hinter der ach so frommen Fassade verbergen. Auch der Wagen – eine nachgebildete Kirche mit Altarstuhl und barocken Säulen – ist liebevoll bis ins letzte Detail designt. Das sind nur einige der wunderbaren und teilweise wunderbar lauten Umzugswagen, die mit Konfettibadewannen, Schleudersitzen und sogar einer Konfettikabine daherkommen, als Oktoberfest, oder die als Männergruppe – im Bachelorette-Kostüm mit reichlich Vorbau – die Zuschauenden mit Konfetti geradezu zukanoniert. Im Dunkel des Vorabends zogen Cowgirls durch die Strassen – zusammen mit Näfelser Fasnachtsurgesteinen und einer Gruppe Tibeter, die – zwar unverkleidet – ihren Spass am farbigen Fetzenfliegen zelebrierte.

Schräge Töne – grade gespielt
Gleich zwei Gruppen von Vorschellnern untermalten das dunkle Treiben mit archaischem Klang, mehrere Guggen, von den Wiggisschränzern über die Blächtschäderi aus Uznach und die Musik von Walde bis hin zu den einheimischen Chäller Rattä gaben mit Zugposaune, Susafon und Schlagwerk die einstudierten Hits zum Besten und – Näfels ist ja schon nahe an der Grenze zu March und Gaster – auch Hexengruppen trieben ihren Schabernack, verteilten Züggi, schoppten hampfelweise Konfetti in die Jacken und lockten mit Rosouli und anderen Schnäpschen alle, die sich aufwärmen wollten. So vermischen sich die Fasnachtskulturen und vielleicht ist es gerade dieser Reichtum, der die kommenden verrückten zwei Wochen verzaubern wird. Also unbedingt hingehen, heute ist schliesslich SchmuDo.

FJ

Back To Top