Wer Wohneigentum besitzt, kennt es: Der Staat rechnet ihm einen saftigen Eigenmietwert als Einkommen an. Dafür dürfen manche Ausgaben steuerlich abgezogen werden. Da das künftig – voraussichtlich ab 2028 – nicht mehr geht, werden viele nötige Haussanierungen jetzt in Auftrag gegeben. Der FRIDOLIN fragte nach – bei der Bank und bei den Schreinern.
Zwar hat die Stimmbevölkerung am 28. September 2025 den Eigenmietwert abgeschafft. Doch es gibt eine Übergangsfrist – festgelegt vom Bundesrat. Das bedeutet, bis zum Systemwechsel können werterhaltende Ausgaben – also etwa Sanitär-, Maler oder Schreinerarbeiten, der Ersatz von Waschmaschine oder Kühlschrank, aber auch Renovationen von Dächern und Fassaden – von den Steuern abgezogen werden. Patrik Gallati, Vorsitzender Bankleitung Raiffeisenbank Glarnerland, sagt: «Es kann sinnvoll sein, anstehende Renovationen oder Unterhaltsarbeiten an der Liegenschaft vorzuziehen, um noch von den steuerlichen Abzügen profitieren zu können.»
Sanierungsboom
Schon im Vorfeld der Abstimmung war klar: Bei einem Ja werden Sanierungen boomen, insbesondere wenn sie sowieso bald fällig gewesen wären. Wer eine Immobilie mit Sanierungsbedarf besitzt, wird vor Inkrafttreten der neuen Regelungen modernisieren. Die Abschaffung des Eigenmietwerts bringt Veränderungen mit sich. «Gerade jetzt lohnt es sich, die eigene finanzielle Situation ganzheitlich zu betrachten. Wer zum Beispiel eine Hypothek amortisieren möchte, sollte sich auch überlegen, wie viel finanzieller Spielraum künftig noch bleibt – etwa für die Pensionierung oder andere Lebensziele», sagt Patrik Gallati. Das gilt auch für geplante Sanierungen.
Die Arbeit geht nicht aus
Bereits jetzt aber ist die Nachfrage nach Handwerksleistungen stark angestiegen. Am Tag nach der Abstimmung hatte Schreinermeister Alex Abart aus Mitlödi bereits einen Kunden, der ihm sagte: «Den ganzen Juni 2027 kannst du für mich reservieren.» So frühe Reservierungen seien aber im Schreinereigewerbe nach wie vor nicht die Regel. Dennoch: «Wir sind sehr gut ausgebucht.» Abart stellt auch fest, dass die Kunden nach einer Offerte oft schneller zusagen.
Mehr Büro, mehr Maschine
Wie entwickeln sich die Kosten? «2020 gab es plötzlich eine starke Materialverknappung, die Preise für die Beschaffung schossen hoch. Mittlerweile kamen sie wieder etwas nach unten.» Herausfordernd sind, so Abart, vor allem Infrastruktur- und Personalkosten. Einerseits investiert man in Maschinen, anderseits verlagern sich die Arbeitsplätze ins Büro: «Vor 30 Jahren führte ein Projektleiter oder Chef 15 bis 20 Leute und der administrative Aufwand war klein. Heute braucht es zusätzlich 200 Stellenprozente für Projektleitung.» Auch, weil die Kundschaft heute mehr erwartet – etwa eine 3D-Visualisierung mit CAD. «Es reicht nicht mehr, von Hand eine Skizze einer neuen Türe zu zeichnen.» Das Schreinerhandwerk wandelt sich, doch «es sind spannende Herausforderungen, die wir gerne annehmen.»
Sorgfältig überlegen, kommunizieren
Stossen neue Unternehmen auf den Glarner Markt, weil die Nachfrage gestiegen ist? Abarts Gesicht zeigt Sorgenfalten: «Die Gefahr eines Imageverlustes für das Schreinerhandwerk ist schon da, weil es halt ein paar schwarze Schafe gibt. Unternehmen, die billig offerieren, Arbeiten schnell ausführen, aber die Qualität nicht bieten, die man erwarten darf als Kunde.» Zentral sind sorgfältige Planung und Kommunikation. Von der Entscheidung des Hausbesitzers bis zum Abschluss des Auftrages muss vieles koordiniert werden. «Fast alle unsere Aufträge erfordern eine gute Beziehung und einen ständigen Austausch mit dem Kunden. Das ist mit temporären Kräften nicht zu bewerkstelligen. Wir kommunizieren deshalb schon bei der Offertstellung die Lieferfristen.»
Für die Zukunft vorsorgen
Alex Abart ist auch Präsident des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten VSSM, Sektion Thur-Linth. «Wir machen 2026 bis 2030 eine Dachkampagne, um unsere Betriebe zu unterstützen.» Wie können die Betriebe ihre vielfältigen Produkten und Dienstleistungen präsentieren? Wie machen sie sich für Lernende attraktiv, um genügend qualifizierte Mitarbeitende zu finden? «Die Herausforderungen gehen uns nicht aus, aber das macht es spannend», lacht Alex Abart. Heuer feiert die Schreinerei Abart in Mitlödi ihr 25-Jahr-Jubiläum.
Søren Ehlers/FJ


