Aus der Komfort- in die Kampfzone

6417 – zehn Roboter, zwei Controls, ein Team: Istanbul wir kommen. (Foto: FJ)

In der Türkei sind es bereits 250 Robotik-Teams, die jährlich Tausende für Ingenieurwesen und MINT-Berufe begeistern. In der Schweiz gibt es seit zehn Jahren ein einziges Team – und das in Glarus. Ein Glücksfall für den Industriekanton. Deshalb ist es Zeit, das Projekt «6417 Fridolins-Robotik» institutionell und finanziell abzustützen. Damit das Glarnerland auch in Zukunft an der Robotik-Spitze mit dabei ist.

In den Betonkatakomben der Kantonsschule gibt es keinen Handyempfang, aber verschiedene Werkstätte für die Jugendlichen. Dort tüftelt das 19-köpfige Robotik-Team an der Herkulesaufgabe des Wettbewerbs «First Robotic Competitions». Er wurde von Ingenieuren ins Leben gerufen, um das Wissen in Computertechnik und Robotik zu verbreiten und Jugendliche – auch junge Frauen – für technische Fächer zu gewinnen. Dabei geht’s nicht so sehr ums Gewinnen, als darum, sich gegenseitig zu unterstützen, von der ersten Idee bis zum Endkampf. 

Nerds ins Zentrum
Bei «6417 Fridolins Robotik» wird dieser Geist zelebriert. Etwa von den Programmierern Janis Gätzi und Florin Hegner. Um den Code zu schreiben, mit dem der Roboter später fahren und Bälle sammeln kann, kommunizieren sie eng mit dem Bau-Team. In diesem Prozess werden Know-how und Begeisterung seit zehn Jahren weitergetragen. «Ein Kollege inspirierte mich, ins Team zu gehen», sagt Janis. «Ich habe schon immer Dinge mit dem Computer gemacht, ich liebe Mathematik und will das auch studieren.» Janis kann sich «definitiv vorstellen», später im Kanton zu arbeiten. Das Programmieren eines Roboters ist für ihn aber etwas Neues. «Ich bin eher auf der theoretischen Seite. Das was wir hier tun, ist eher das Praktische.» Florin hat sich über einen Flyer angemeldet. Seine Tätigkeit im Robotik-Team deckt sich mit seinen beruflichen Interessen, er lernt hier das Programmieren. «Ich möchte etwas in Richtung Informatik machen. Derzeit absolviere ich eine Lehre am BIZ in Rapperswil als Informatiker – und ich kann mir vorstellen, später im Glarnerland zu arbeiten, obwohl ich nicht weiss, ob es hier genügend Angebote in diesem Bereich gibt.» Beide gehören also zur Reihe von «Robotikern», die einen mathematisch-technischen Beruf anstreben.

Wie alles begann
Genauso wie Christian Hürlimann, jener Kantischüler aus Schwanden, der vor zehn Jahren das Glarner Team ins Leben rief. Er kam damals von einem Austauschjahr in den USA zurück, wo er am Projekt des «589 Falcons»-Roboterteams mitwirken konnte. Nach seiner Rückkehr ins Glarnerland wollte er so ein Robotik-Team auch an der Kanti organisieren. Also machte seine Familie einen Businessplan, fand in Luc Feitknecht eine Lehrperson, welche die Verbindung zur Schule schaffte, fand in Peter Aebli einen Rektor, der die Robotik unterstützte, bekam Räumlichkeiten, fand Jugendliche, welche mitmachen und den enormen Aufwand betreiben, neben den schulischen Aktivitäten an sechs Tagen die Woche zu schrauben und zu programmieren, man fand Geldgeber, verschiedene Mentoren und mit Jacques Marti, dem früheren Besitzer von Marti Engineering, einen Mentor, der sich mit Robotik auskennt. Christians Mutter Vreni Hürlimann kümmert sich seit zehn Jahren um die Organisation rund ums Team, um das tägliche Abendessen im Arbeitsraum und die Reise ins Gastland (früher an die Westküste der USA, heute nach Istanbul). Und Hans ­Wiederkehr ist seit Anbeginn als Techniker dabei und seit mehreren Jahren der technische Leiter des Projekts. Die Roboter aus Glarus gelten bei anderen Teams als «Schweizer Sackmesser», also als sehr zuverlässig. Im ersten Jahr waren ausschliesslich Kantischülerinnen und -schüler im Team, heute wirken auch Berufslernende mit. Sie bauen in den nächsten Wochen einen Roboter, der Bälle wirft, das Spielfeld über eine Rampe wechselt und dort Bälle sammelt. Er braucht ein Fahrwerk, das über die Rampe fahren kann. Also: Brainstormen, CAD, Prototypenbau, Produktion, Elektronik, Programmieren und Fahren (Steuern).

Ziele für die Zukunft
Nicht nur die Jugendlichen, auch die Mentoren haben Ziele für die Zukunft: Das Projekt «6417 Fridolins Robotik» soll überregional Schule machen, sodass sich endlich auch in anderen Kantonen Teams bilden und das Robotik-Know-how sich – wie in der Türkei – stark verbreitet. Gleichzeitig soll dieses Leuchtturmprojekt langfristig gesichert werden. Dazu braucht es Sponsoren und eine Institution (zum Beispiel eine Stiftung), welche die Bedeutung der Robotik für die Glarner Industrielandschaft erkennt und langfristig sichert. Bis dann jedenfalls: Happy Birthday und viel Glück in ­Istanbul!

FJ

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