Gewässerraum diskutieren

120 Interessierte am Vortrag von Markus Ritter. (Foto: Barbara Bäuerle-Rhyner)

Unter dem Patronat der Linth-Escher-Stiftung referierte Nationalrat und Präsident des Schweizer Bauernverbandes Markus Ritter am 19. Januar in der Aula der Kantonsschule. Zentrales Thema, nebst der aktuellen geopolitischen Lage, stellten im Zuge der kommenden Agrarreform die Gewässerräume dar.

Rene Brandenberger begrüsste namens der Linth-Escher-Stiftung und der IG Hochwasserschutz Linth u. a. Regierungsrat Thomas Tschudi, eine Dreierdelegation der Gemeinde Glarus Nord mit Präsident Fridolin Staub und den Gemeinderäten Bruno Gallati und Daniel Landolt sowie Gemeinderat Markus Marti, Glarus Süd. Aus dem Thurgau kam eine Delegation der IG Thur, aus Zürich Hans Bieri, Geschäftsführer schweizerische Vereinigung Industrie und Landwirtschaft.

Versorgungssicherheit
Brandenberger verwies auf die «Anbauschlacht» im Zweiten Weltkrieg, wo der damalige Bundesrat die Anbau- und Ackerflächen für die Lebensmittelproduktion erhöhte, und auf die heute ungünstigen geopolitischen Zeichen. Seit Jahrzehnten kämpften die Schweizer Landwirte um ihr Kulturland. Die Abwägung der Interessen falle oft zuungunsten der Landwirtschaft und zugunsten von Naturschutz, Bauvorhaben und den Ansprüchen der Wohlfühlgesellschaft aus. «Der heutige Abend soll dazu dienen, vor Augen zu führen, wie wichtig eine produzierende Landwirtschaft ist.»

Agrarpolitik
Ritter fand ebenso klare Worte: «Die Welt ist in Bewegung und die Schweiz muss dafür sorgen, das Beste für die Bevölkerung und das Land zu machen – das gilt auch für die Schweizer Landwirtschaft.» 37 Prozent der Landesfläche könnten landwirtschaftlich genutzt werden, doch Lebensmittel würden immer weniger produziert. «2024 umfasste der Selbstversorgungsgrad bloss noch 42 Prozent und pro Sekunde geht ein Quadratmeter Boden verloren», so Markus Ritter. Im Weiteren seien über die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebsleitenden über 50 Jahre alt und ohne Hofnachfolger, jährlich würden 600 bis 700 Betriebe aufgegeben. «In den letzten 30 Jahren war die grosse Diskussion stets Ökologie und Umwelt. Aus unserer Sicht hat man dort die Ziele erreicht», so Ritter am Beispiel Biodiversität. Lebensmittelproduktion und Einkommen sollen in der neuen Agrarreform gestärkt, Bürokratie vermindert werden.

Gewässerräume
Wesentlich für die Produktion ist das Kulturland, die Landwirtschaftsfläche. Davon gingen in den vergangenen dreissig Jahren 1142 Quadratkilometer verloren. «Die seit 2012 geführte Gewässerraumdiskussion setzt Betriebe weiter unter Druck», so Ritter über die Nutzungseinschränkungen von allen Seiten. Erst rund 30 Prozent aller Gemeinden hätten den Gewässerraum auf dem ganzen Gemeindegebiet eigentümerverbindlich festgelegt. «Das eilt auch nicht, es braucht hier Anpassungen», so Ritter, welcher kein Verständnis für überdimensionierte Extensivierung und gegen die Landwirtschaft im Rahmen dieser Diskussion hat. Es brauche eine Lösung, wo sowohl den Schutz der Gewässer, der Hochwasserschutz wie auch die landwirtschaftliche Produktion nebeneinander Platz finden.

Petition gestartet
Als Dank überreichte Brandenberger Ritter einen Korb mit Nussprodukten aus dem Riet. «Mit dem heutigen Tag starten wir auch eine Petition gegen das Projekt Aufweitung Kundertriet und für den Erhalt von 6 Hektaren Kulturland am Escher-Kanal», schloss er nach einer offenen Fragerunde den Abend.

Barbara Bäuerle-Rhyner

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