Langfristig gut versorgt

Geschäftsführer Michael Luchsinger vor der Netzleitstelle der tbgs, die er als Elektrotechniker selbst programmiert hat. (Foto: FJ)

Alle drei Glarner Gemeinden haben Technische Betriebe, welche die Versorgung mit Energie sicherstellen. Geschäftsführer Michael Luchsinger erklärt, wie die tbgs – die Technischen Betriebe Glarus Süd – sich langfristig aufstellen.

Es war 2022 das Schlagwort schlechthin: «Stromlücke», im Winter 2022/23 drohten Stromausfälle. Entsprechend turbulent reagierten die Strommärkte. «Hier kamen wir von Glarus Süd noch gut ab der Chilbi, aber aus der Stromkrise von damals galt es, Lehren zu ziehen. Die Krisenorganisation wurde national verbessert», so Michael ­Luchsinger, und «es hat wohl allen Energieversorgern gezeigt, dass man sich am Markt abgesichert verhalten muss – mit einer Beschaffungsstrategie.»

Strategisch vorgehen
Deshalb wollen die tbgs langfristig mehr Eigenstrom produzieren und haben sich als Ankeraktionär bei der Niederdruckkraftwerk Diesbach AG beteiligt. Dank der Beteiligung via Gemeinde Glarus Süd bei SN Energie können sie aktiv national mitgestalten. Zudem haben sie bereits einen eigenen Anlagenpark mit Fotovoltaikanlagen und sieben Kleinwasserkraftwerken – etwa jene am Niederenbach, in Matt und Elm. Doch das sind Hochdruckanlagen an Seitenbächen, das bedeutet, sie liefern die Spitzen gleichzeitig. «Mit dem Laufwasser-Kraftwerk in Diesbach können wir ein anderes Produktionsprofil in unser Portfolio aufnehmen. Diesbach hat einen vergleichsweise hohen Winterstromanteil. Denn die AXPO dotieren die Linth auch im Winter mit Wasser.»

Tagsüber günstig verbrauchen
Auch das Verbrauchsverhalten änderte sich in den letzten Jahren. «Hier ist Flexibilität gefordert. Die Lasten in Glarus Süd haben sich verändert, heute ist der Peak morgens um 06.00 Uhr und abends, wenn die Leute daheim sind. Tagsüber ist das Netz vom Verbrauch entlastet, aber es fliesst Strom aus Photovoltaik ins Netz. Deshalb ist in Glarus Süd seit dem 1. Januar 2026 von 06.00 bis 10.00 Uhr und von 17.00 bis 21.00 Uhr Hochtarif, der Rest ist wochentags Niedertarif und ebenso das Wochenende. Tagsüber, wo die Last null ist, wollen wir den Eigenverbrauch fördern, sodass Solarstrom schon intern verbraucht wird, was das Netz entlastet. Viele Geräte – etwa Waschmaschinen – kann man gut ansteuern und auf den Mittag legen. Auch grössere Verbraucher, etwa E-Autos, können den Niedertarif nutzen.» Luchsingers Erfahrung: «Wer bisher schon mit dem Tarif sparte, passt sich schneller an – und spart weiter. Auch das Kleingewerbe profitiert vom neuen Niedertarif, es zahlte früher von 07.00 bis 20.00 Uhr Hochtarif, jetzt können die Betriebe tagsüber günstig verbrauchen und wir verhindern, dass wir über den Mittag zu Negativpreisen überschüssigen Solarstrom verkaufen müssen.»

Besser verteilen
Auch das wärmere Klima wirkt sich aus. «Die Hydrologie ist anders – die Winter waren wärmer in den letzten Jahren, das führt zu einer besseren Verteilung des Produktionsprofils übers Jahr. Wärmeeinbrüche im Januar beispielsweise speisen das Gewässersystem regelmässiger. So war 2024 produktionsmässig eines der höchsten Jahre für die tbgs.» Dass immer mehr Wärmepumpen installiert werden, ist bei tbgs kein Problem: «Wenn es ein paar Tage richtig kalt ist, spüren wir die Wärmepumpen auf dem Netz – bei Luftwärmepumpen setzen dann die Notheizungen ein. Lokale Netzengpässe werden bei uns heute eher durch PV-Anlagen verursacht und nicht durch Verbraucher.» National gibt es aus Sicht der Energieversorgung allerdings das saisonale Problem. «Es braucht mehr Winterstrom, und derzeit sind Grossprojekte, die den liefern sollen, ins Stocken geraten.»

Netz unterhalten, selber ausbilden
Der Hauptauftrag der Technischen Betriebe ist aber die Versorgung der Gemeinde mit Strom – was im Netztarif abgebildet ist. «Wir müssen so investieren, dass das Netz langfristig erhalten bleibt. Dieser Bereich ist reguliert und von der ElCom überwacht. Wir haben unsere Tarife nach den nationalen Vorgaben zu gestalten. Da ist man unter Druck, da die Netzkosten und -preise tendenziell steigen, der Umsatz an Kilowattstunden aber sinkt.»

Neben der Netzabteilung haben die tbgs eine Dienstleistungsabteilung, die sich am freien Markt bewegt. «Da unser Einzugsgebiet für Arbeitskräfte klein ist, bilden wir unsere Leute selbst aus – denn sowohl Netzelektriker wie Elektroinstallateure sind gesucht.» Insgesamt hat das Unternehmen 45 bis 50 Vollzeitstellen mit guten Karrierechancen. Einer von ihnen ist Michael Luchsinger: «Ich habe meine Lehre beim EW Schwanden begonnen und beendete sie – nach der Fusion der sechs EWs bei den tbgs. Auch während meines Studiums der Elektrotechnik arbeitete ich in Schwanden Teilzeit und konnte nachher das technische Büro übernehmen. Heute gestalte ich – obwohl ich noch relativ jung bin – das Unternehmen als Geschäftsführer mit.» 

FJ

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