«Öpfel-Beggeli» mit Zigerfüllung

Weihnachtsfrau Esther Boos vom FRIDOLIN serviert die «Glarner Handkerchiefs» (Tüechli), eine Chips-Variante mit Magenträs. (Illustration: Janine Rickenbacher)

Fragt man Chat GPT nach Glarner Spezialitäten, so kommt die Glarner Pastete. Aber deren Rezeptur ist reichlich sonderbar. Denn laut Chat GPT ist es «eine süss-salzige Pastete aus Blätterteig, gefüllt mit Kalbfleisch, Brot, Rosinen, Pflaumen, Zimt und weiteren Gewürzen. Traditionell wird sie kalt gegessen.» Wie kommt Chat GPT da bloss drauf?

Um sie zu testen, haben wir verschiedene KIs – neben Chat GPT auch DeepSeek oder Le Chat – nach Typischem aus dem Glarnerland gefragt. Auf die Frage «Was sind Glarner Tüechli?» lautet die Antwort von Le Chat: «Glarner Tüechli sind eine traditionelle Süssspeise aus dem Glarnerland in der Schweiz. Es handelt sich um kleine, runde Gebäckstücke, die aus einem Mürbeteig hergestellt werden. Der Teig wird dünn ausgerollt, in runde Formen ausgestochen und oft mit einer Füllung aus Ziger (auch Schabziger genannt) bestrichen. Der Ziger ist ein typisches Glarner Produkt – ein würziger, grüner Käse aus Magermilch, der dem Gebäck einen charakteristischen Geschmack verleiht. Die Tüechli werden dann gebacken, bis sie goldbraun und knusprig sind. Sie sind eine beliebte Spezialität, die oft zu Kaffee oder als süsse Nascherei serviert wird. Falls du sie selbst ausprobieren möchtest, gibt es auch Varianten mit anderen Füllungen wie Marmelade oder Nüssen. Möchtest du ein Rezept oder weitere Details dazu?»

Ziger ist nicht gleich Ziger
Tatsächlich gibt es in vielen Bäckereien zur Fasnachtszeit Zigerkrapfen, aber der Ziger im süssen Krapfen ist natürlich kein Schabziger. Für Künstliche Intelligenz dagegen ist Ziger und Schabziger dasselbe. Auf die Frage «Was sind typische Spezialitäten des Glarnerlandes?» nennt Le Chat «Glarner Ziger­hörnli: Feine hörnchenförmige Gebäckstücke aus Mürbeteig, die mit einer Füllung aus Ziger (eine Art Quark) gefüllt sind». Le Chat kennt ausserdem das «Zigerstängeli» – das sind «süsse Gebäckstangen, die mit Schabziger Käse aromatisiert sind» – und den «Glarner Röteli». Das ist «eine regionale Variante der Rösti, oft mit Speck und Käse zubereitet». «Ein absolutes Soulfood und ein Muss auf jeder Speisekarte ist das Glarner Pastetli. Es ist eine feine Blätterteigpastete mit einer Füllung aus Schabziger, Rahm und Ei.» Und wo kann man das alles probieren? «Besonders empfehlenswert ist ein Besuch im Glarner Schabzieger-Haus in Schwanden, wo du alles über die Herstellung und Geschichte des grünen Käses erfährst.»

Neue Bräuche und Traditionen
Dann fragten wir DeepSeek «Was sind typische Traditionen im Glarnerland?» Die Antwort: «Natürlich! Im Glarnerland gibt es einige wunderschöne Traditionen, die tief in der Kultur und Geschichte des Kantons verwurzelt sind. Hier sind einige typische Bräuche und Feste: Ein ganz besonderer Brauch ist das Sächsilüüte (auch «Sächsilütten» genannt). Dabei ziehen Kinder und Erwachsene am Vorabend von Ostern oder anderen Festtagen mit grossen Kuhglocken («Säcken») durch die Dörfer und läuten lautstark. Dieser Brauch soll den Winter vertreiben und den Frühling begrüssen – ein wirklich eindrucksvolles Klangerlebnis!» Neben Fasnacht, Landsgemeinde und Alpabzug nennt DeepSeek auch das «Chäskränzli»: «Früher war das Chäskränzli ein wichtiger Brauch: Nach dem Käsen auf der Alp wurde der erste Laib Käse mit einem Kranz aus Blumen und Bändern geschmückt und feierlich ins Tal gebracht. Diese Traditionen verbinden Natur, Gemeinschaft und Geschichte auf ganz besondere Weise. Wenn du mehr über eine bestimmte wissen möchtest, frag gern nach!»

Die Macht des Wünschens
Kommt Ihnen all das spanisch vor? Dann bedenken Sie, dass Künstliche Intelligenz Wörter aneinanderreiht und – wie ein Papagei – das wiederholt, was vorher zu einem Thema eingegeben worden ist. Beim Thema «Glarner Landsgemeinde» ist die Chance hoch, dass sie richtig liegt – denn es gibt ja auf der ganzen Welt nur eine Glarner Landsgemeinde. Beim Thema «Pastete» dagegen muss sie fast immer falschliegen, da sie maschinell gelernt hat, dass Pasteten salzig sind und oft Fleisch enthalten. Bedenken Sie auch die ungeheuren Potenziale, die in der Vermischung solcher Informationen schlummern. Wenn Sie sich zum Beispiel eine mit Magenträs verfeinerte Pommes-Chips-Variante lange genug von der KI wünschen, wird Künstliche Intelligenz irgendwann solche Chips für Sie produzieren lassen. Schon heute gibt es neben Salz und Paprika auch Chips mit Essig- oder Poulet-im-Chörbli-Aroma. Vielleicht werden die Menschen sich also dem Geschmack der Maschine anpassen und bald beim Internetsurfen «Glarner Handkerchiefs» schnabulieren (das ist englisch für «Glarner Tüechli»).

FJ

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