«Women J2/ -52 kg, Second Place from Switzerland – Carmen Brussig» hallte es am 16. Dezember durch die Wettkampfhalle in São Paulo. Worte, die noch bei der Anreise kaum jemand erwartet hätte – auch nicht die sehgeschädigte Carmen Brussig selbst. Umso grösser war die Freude bei der Judoka und ihrer Coachin Alexandra Schiesser, beide aus Netstal.
Die Voraussetzungen waren alles andere als ideal. Nach einer schweren Verletzung hat Brussig mit einer Metallstange und Verschraubungen im Standbein (rechts) zu kämpfen. Kraft und Stabilität sind dadurch eingeschränkt. Dennoch entschied sich Brussig, am IBSA-Judo-Grand-Prix in São Paulo zu starten – in der Hoffnung, vielleicht Weltranglistenpunkte zu sammeln. Was folgte, war eine beeindruckende Demonstration von Willenskraft und Kampfgeist.
Gleich im ersten Kampf liess die Schweizerin keine Zweifel an ihrer Entschlossenheit aufkommen. Nach wenigen Sekunden brachte sie die Mexikanerin Del Rosario mit einem sauberen Wurf flach auf den Rücken – Ippon, Sieg, Kampf beendet (Wenn es gelingt, die Gegnerin mit einer einzigen, klaren Aktion zu besiegen, wird die höchste Punktzahl vergeben: das Ippon./red.).
Auch gegen die junge Hsin-Ying aus Taipeh dominierte Brussig das Geschehen. Unermüdlich setzte sie ihre Gegnerin unter Druck, erarbeitete sich einen Wurf zur Seite und ging nahtlos in den Haltegriff über. 20 Sekunden später war auch dieser Kampf entschieden.
Im Kampf um Gold traf Brussig auf Aibike Ulanbek Kyzy aus Kirgisistan. Wieder zeigte Brussig viel Aktivität und suchte früh den Sieg. Doch bei einer Selbstfalltechnik unterlief ihr ein kleiner Fehler – ein Moment, den die routinierte Gegnerin nutzte, um Carmen in einen Festhaltegriff zu zwingen. Trotz aller Gegenwehr und kraftvollen Aufbäumens musste sich Brussig geschlagen geben. Carmen Brussigs Silbermedaille ist der Beweis für ihren aussergewöhnlichen Willen und Mut.
eing.


