Seit 20 Jahren besteht der Zirkus Mugg, was er mit einem neuen Weihnachtsvarieté unter dem Titel «Traumschmiede» feiert. Das Programm mit Menü ist perfekt zusammengestellt, ausgewogen, nachhaltig und unterhaltsam in einem. Hier wird Zirkus zum Live-Erlebnis und zum Genuss.
Als erstes fällt der neue Parkplatz auf – er ist im Schnee wunderbar beleuchtet und Teil des Zukunftsprojektes, mit dem die Familien von Stephan und Ischa Muggli und das Zirkusteam den Zirkus Mugg in Betschwanden zum generationenübergreifenden Begegnungsplatz machen. Ischa und Milu empfangen die Gäste persönlich beim Eingang, wo sie ihren Traumreisekoffer bekommen, und im Vorzelt, welches einem Pariser Café nachempfunden ist – mit Sofas und Fotos aller bisherigen Varietés. Draussen ist es eisig, drinnen – dank Pellets aus der Region – mollig warm. Im Halbkreis stehen die Tische rund um die Bühne im Hauptzelt, alles ist liebevoll dekoriert mit Montgolfièren, ein Kronleuchter verbreitet Stimmung und die fünf Artist/-innen setzen als farbige Latzhosentruppe erste komische Akzente beim Bühnenbau.
Nummern und Gänge
Das Programm des Abends serviert ein ausgewogenes Programm aus poetisch-schönen Akrobatik- und Clownerie-Nummern und liebevoll präsentierten und servierten Gängen. So werden die Teller auf der Bühne angerichtet und von dort – via Rutschbahn – zu den Tischen gebracht, die Dessertteller kommen auf Spielzeugautos daher und die Klammer zur Traumreise bilden goldene Rahmen, die in die Performancen eingebaut werden. Das Küchenteam – also der Service – trägt Zirkusdirektorenfrack, Ischa und Milu geben die Clowns vom Service und zwischendurch akrobatische Einlagen und auch zarte Musiknummern. Sehenswert, wie Milu am Vertikaltuch arbeitet, bezaubernd, wie sie ein ganzes Orchester von Geigenkästen zum Klingen bringt. Ischa ist als Clown allgegenwärtig – fängt dort einen Teller auf, balanciert da auf einer Kabelrolle und fingiert dabei den einen oder anderen Kurzschluss.
Kraftvoll-poetisch
Zusätzlich hat der Zirkus dieses Jahr drei Artist/-innen engagiert, die mit Kraft und Grazie gleichermassen überzeugen. Erst läuft Ika Schnyder wie ein violetter Kobold am chinesischen Mast hoch und stürzt sich daran aus der Zirkuskuppel bis kurz über den Boden, dann hechtet und rollt sich Salome Manz mit Kraft, Eleganz und einem Lächeln durch das Cyr Wheel, wobei ihr der Zwillingsdutt nie durcheinander kommt. Der artistische Höhepunkt ist die Trapeznummer, zusammen mit Victor Goyette, an dem sich Manz hinauf- und hinabhangelt und dabei hie und da auch frech die Zunge rausstreckt, während man die gewaltige Kraft von Goyette ahnt, die es braucht, um solche athletischen Übungen zu vollführen. Das Unglaubliche an diesem Programm ist die Leichtigkeit und zugleich die greifbare Nähe, mit der alle auf der Bühne, ja sogar die Küchencrew präsent sind. Das überträgt sich auf die Zuschauenden, die für mehr als drei Stunden aus dem Alltag in eine Traumwelt entführt werden. Es ist eine Traumwelt, die sich wohltuend abhebt von allem Digitalen – denn das einzig Digitale ist die Anzeige im Vorraum, wie lange die Pause bis zur nächsten Nummer dauert. So können russische Gänge und Pinkelpausen in aller Ruhe zu Ende gebracht werden – wie gesagt, bei diesem Varieté ist schlicht an alles gedacht worden. Besonders fällt auf, dass die Produkte fürs Fünf-Gänge-Menü – dort, wo es möglich ist – aus der Region stammen, man spürt, dass sich die Zirkusleute mit dem Glarnerland verbinden. Dieses Weihnachtsvarieté ist ein Zirkusprogramm erster Güte, das selbst zu einem Stück Glarnerland und zu einer Reverenz an den unvergessenen Clown Mugg wird – poetisch, persönlich und tief verwurzelt.
FJ


