Am 27. November fand der Spatenstich für die Überbauung Kartoni in Ennetbühls statt. Mit 17 Häusern und 150 Wohnungen dürfte es das grösste Bauprojekt im Kanton Glarus seit dem Brand 1861 sein. Mit öffentlichen Bauten, einem Park, Hochwasserschutz und Linthsteg bietet das Projekt auch eine deutliche Bereicherung im Zentrum der Gemeinde Glarus.
Landammann Kaspar Becker hob in seiner Grussbotschaft die für Glarner Verhältnisse ungewöhnlichen Dimensionen des Projektes hervor. Es ist eines der grössten städtebaulichen Projekte im Kanton seit dem Wiederaufbau der Stadt nach dem Brand von Glarus 1861. Anstelle der jetzigen Industrieliegenschaft wird ein Wohnquartier entstehen. Einzig ein alter Hänggiturm wird erhalten bleiben. Er wird – mit finanzieller Unterstützung der Denkmalpflege – in Wohnraum umgewandelt und von weiteren Gebäuden umringt, welche seine Formensprache aufnehmen. Dieses Gestaltungskonzept ging siegreich aus einem Architekturwettbewerb hervor.
Im mittleren Teil des Kartoni-Quartiers werden Wohnhäuser in unterschiedlicher Erscheinung um zwei grosse begrünte Innenhöfe realisiert werden. Entwickelt wurden sie von zwei weiteren Architektenteams. Mit Ausnahme des Hänggiturms stehen alle Gebäude auf einer Tiefgarage; das Kartoni-Quartier wird also faktisch motorfahrzeugfrei sein.
Neues Zuhause für die Musikschule
Am Südende des Kartoni-Quartiers plant die Glarner Gemeinnützige einen Neubau für die Glarner Musikschule sowie eine moderne Konzert- und Theaterbühne. Beide Projekte werden derzeit optimiert bezüglich Kosten, Betriebskonzept und -organisation, um diese – privaten – Investitionen auch langfristig sichern zu können.
Der Gemeindepräsident von Glarus, Peter Aebli, und Gemeinderätin Eva-Maria Kreis zeigten Bedeutung und Komplexität des Projektes auf. Ohne enge Zusammenarbeit zwischen Bauherrin, Behörden und Bevölkerung wäre es nicht möglich gewesen, den hohen Anforderungen an Hochwasserschutz und Infrastruktur zu entsprechen.
Neuer Anschluss und Hochwasserschutz
Die neue Brücke zwischen Bahnhof Glarus und Kartoni-Quartier brauchte drei Anläufe vor dem Souverän. Beim dritten Mal klappte es dann: Die Stimmberechtigten von Glarus stimmten mit wuchtigem Mehr dem Brückenbau zu, nachdem das Wohnbauprojekt Formen angenommen hatte.
Noch komplexer war die Sicherstellung des Hochwasserschutzes. Zum Schutz vor Runsen, die über den Dorfbach losbrechen können, aber auch zum Schutz vor dem 100-jährigen Linth-Hochwasser werden die Gebäude gegenüber dem heutigen Niveau erhöht gebaut und ein dezenter Deich errichtet. Der heutige Dorfbach-Kanal wird zwischen der Fabrikliegenschaft Eberle und dem Südende des Kartoni-Quartiers in eine renaturierte Flusslandschaft umgewandelt. So kann der Bach bei Hochwasser viel mehr Wasser aufnehmen und zugleich wird eine geschützte Landschaft für bedrohte Tierarten entstehen. Und – wie Gemeinderätin Eva-Maria Kreis ausführte – 80 Prozent der Kosten sind bundessubventionsberechtigt, während der Rest von Gemeinde und der Kartoni Quartier AG finanziert wird.
Im Zuge der Erschliessung des Kartoni-Quartiers kommen weitere Investitionen auf die Gemeinde zu. Ihnen gegenüber steht aber ein erwarteter Zuzug von Steuerzahlern, wie Gemeindepräsident Peter Aebli ausführte.
Seitens der Bauherrin, der Kartoni Quartier AG, informierten Simon Trümpi und Robert Sutter zum Abschluss über den weiteren Verlauf des Bauprojektes und sprachen den Dank aus an die vielen Partner in diesem Projekt, welche seit bald zehn Jahren eng zusammengearbeitet und damit auch gemeinsam Verantwortung übernommen haben für ein Wohnen im Grünen, am Fluss und mitten im Herzen von Glarus.
Jürg Huber


