Das Fridlihuus Glarus ist Wohnhaus und Tagesstätte, wo Erwachsene mit Assistenzbedarf leben. In den letzten Monaten öffnete das Fridlihuus die Fenster, um frischen Wind hereinzulassen. Der FRIDOLIN sprach mit Heinz Näf, der die Institution in den vergangenen neun Monaten interimistisch leitete, sowie mit Andreas Zehnder, dem Präsidenten des Vorstandes.
Die letzte Landsgemeinde verabschiedete das Gesetz zur Förderung von Selbstbestimmung und Teilhabe (SeTeG), um das Behindertenwesen weiterzuentwickeln – ist das Fridlihuus davon betroffen? «Bis jetzt noch nicht», sagt Heinz Näf. Denn das SeTeG regelt insbesondere den Assistenzbedarf von jenen neu, die ambulant wohnen und diese Leistungen einkaufen. Das Fridlihuus dagegen ist, so Andreas Zehnder, «spezialisiert für Menschen mit grossem Pflegebedarf, die etwa an Multipler Sklerose oder Parkinson erkrankt sind oder einen Hirnschlag erlitten haben. Das ist eine Nische, welche die Konkurrenz nicht abdeckt.» Deshalb sind die 16 Plätze immer ausgelastet. Auch der Kanton sehe das Fridlihuus als hoch spezialisierte Einrichtung, so Näf. «Wir bieten auch eine externe Tagesstruktur, also ein Atelier an, zudem ist unsere Lage mitten in Glarus ein Vorteil. Im Umkreis von 100 Kilometern gibt es das sonst nicht.»
Der grosse Unterschied
Im Fridlihuus haben alle eine 1,5- bis 2-Zimmer-Wohnung mit grossen Räumen, einer eigenen Küche und einem eigenen WC. Während in vielen Alters- und Pflegeheimen den Bewohnenden die meisten Arbeiten abgenommen werden, müssen im Fridlihuus alle möglichst alles selber machen. Heinz Näf: «Hier wird mit Arbeitsagogik gearbeitet, damit die Menschen die Fähigkeiten erhalten können – dazu braucht es ausgebildetes Personal, welches das Auge hat. Ein gutes Beispiel ist das Büchsenöffnen. Es ist schwieriger auszuhalten, zu warten und die Bewohnenden selber die Büchse öffnen zu lassen, als es ihnen einfach abzunehmen. Aber genau darauf sind wir spezialisiert – durch die spezielle Schulung der Mitarbeitenden, aber auch durch die Infrastruktur, die wir haben.» Im Fridlihuus arbeiten sowohl Pflegende wie auch Personen, die agogisch – also anleitend – und sozialpädagogisch arbeiten. Das bedeutet, der Blick auf die Bedürfnisse ist diversifizierter als in einer gewöhnlichen Pflegeeinrichtung. «Wir gewichten anders, bewerten die individuell sehr verschiedenen Ressourcen und aktivieren sie.»
Individuell gefördert
Laut Näf ist die Arbeit heute betreuungsintensiver. «Die Leute kommen, wenn sie Unterstützung brauchen. Wichtig ist es, die Ressourcen zu nutzen – das geschieht im Atelier und bei der Pflege. Wenn jemand eine anspruchsvollere Tätigkeit möchte, suchen wir eine Lösung – etwa mit dem Glarnersteg. Aber wo früher zehn von sechzehn Personen die Küche selbstständig nutzen konnten, sind es heute noch zwei oder drei. Wem es an einem Tag nicht gut geht, der kann in der Cafeteria essen. Wer Unterstützung braucht, bekommt sie, aber «wir sind kein Luxusbetrieb, der alles abnimmt.»
Der Auftrag
Heinz Näf ist spezialisiert auf interimistische Heimleitungen und war vorher im Menzihuus und im Hof Rickenbach. Sein Auftrag ist die Schwarze Null, und, so Andreas Zehnder: «Er sollte frischen Wind reinbringen.» Man wollte das verstaubte Image loswerden – vom Anstrich, übers Logo bis zur Homepage. «Die Beiträge wurden durch den Kanton markant gekürzt, das wirkte sich auf die Finanzen aus», so Zehnder. «Wir waren vorher immer auf einer gesunden Spur, doch jetzt wurde es schwierig. Deshalb hat der Vorstand bewusst entschieden, einen Break zu machen und mit Heinz Näf jemanden mit Erfahrung zu nehmen, einen, der schaut, was es für die Leitung vom Fridlihuus braucht.» «Es ging», so Näf, «nicht darum, Pflegepersonen zu reduzieren, sondern genau hinzuschauen, wo braucht es welche Stellen.» Sparpotenzial fand er bei den Abläufen und in den Nebengeschäften sowie in Verwaltung, Wäscherei und Reinigung. «Die andere Ebene», so Näf, «ist die Belegung, also die Einnahmeseite: Wir sind voll belegt.»
Attraktiv bleiben
Ab 1. Januar wird Marco Bruhin die Leitung übernehmen. «Wir suchten bewusst keinen Altersheimleiter, sondern jemanden, der auch das Gespür für Selbstbestimmung und Ressorucenorientierung mitbringt», so Andreas Zehnder. Wie attraktiv das Fridlihuus heute ist, davon können sich alle am kommenden Samstagnachmittag, 15. November, von 14 bis 17 Uhr beim Tag der offenen Tür an der Abläschstrasse 86 in Glarus selbst ein Bild machen. Von den Veränderungen und auch davon, «was noch geht».
FJ


