Endlich da: das Thermabuch

Mitarbeiter-Belastungstest der Therma-Badewanne um 1939. Wegen Stahlmangel im Zweiten Weltkrieg kam das Produkt nur in kleiner Anzahl heraus. (Foto: Therma-Buch)

Fast 50 Jahre sind es her, seit die Therma von Electrolux geschluckt und 2015 abgewickelt wurde. Jetzt ist von Claude Lichtenstein die Firmen-Biografie veröffentlicht worden.

Schwanden 1950, ein Dorf mit 3000 Einwohnern und 1200 Mitarbeitenden in einer Elektroapparatefabrik. Das gab es vorher im Glarnerland nie, und es wird auch nie wieder kommen. Der Zürcher Architekt und Kurator Claude Lichtenstein zeichnet nach, was für ein Auf und Ab Schwanden mit 54 Jahren Therma und dann nochmals 37 Jahren Elektrolux erlebt hat. Wie kam es, dass Samuel Blumer, nur mit einer Grundschulausbildung, die Herstellung elektrischer Haushaltsgeräte erst revolutioniert und dann national dominiert hat? Warum wurde ausgerechnet Schwanden mit Hans Hilfiker, dem Erfinder der Bahnhofsuhr, zu einem Zentrum des Industriedesigns? Und was führte schliesslich dazu, dass die lange äusserst erfolgreiche Glarner Firma verkauft werden musste?

Erstaunlich am Buch ist, mit wie viel elektrotechnischem Sachverstand Lichtenstein die Therma-Produkte beschreibt, vom Heizofen über den Reisekocher bis zur komplexen Grossküche. Da fast alles auch im Schaulager in Schwanden, initiiert von Thomas Schätti, zu sehen ist, wundert es nicht, dass Schätti auch den Buchauftrag gegeben hat. Herausgekommen ist ein Werk, dass selbst design-mässig mit der besten Zeit der Therma mithalten kann. Auf knapp 240 Seiten sind über 300 Abbildungen zu finden. Illustriert sind auch die zig Patente, die Therma mit einer ganzen Schar fähiger Ingenieure angemeldet hat.

Kein Wunder, kamen zur Vernissage im Kunsthaus Ende Oktober fast 100 Personen. Sie erlebten mit der Rede von Köbi Gantenbein, dem Chefredaktor von «Hochparterre», grad noch ein Highlight. In Koch-Montur liess er die Heizprobleme seiner Grossmutter und eines der ersten Blumer-Produkte, das «Thermi», unnachahmlich aufleben.

Die Therma hat nun 121 Jahre nach Samuel ­Blumers Geniestreich endlich auch in der Literatur ihren würdigen Platz gefunden. 

Hans Kaspar Schiesser

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