Globi ist als Bauer voll zu werten

Globi hat es sich im Baeschlin-Schaufenster gemütlich gemacht. (Foto: Søren Ehlers)

… sprechen die Experten bei der Viehschau und prämieren seine Kuh. 99 Globi-Bände sind seit 1935 erschienen. Globis Bekanntheitsgrad in der Deutschschweizer Bevölkerung beträgt 98 Prozent. Zum 90-Jahr-Jubiläum gestaltet die Buchhandlung Baeschlin ein Schaufenster und der FRIDOLIN hat die persönlichen Globi-Geschichten einer Älplerin, des Landammans und des Kreiskommandanten aufgeschrieben.

Siehe da, es staunen alle!

Eine Kuh aus Globis Stalle

Wird mit einem Kranz geziert

Und mit erstem Preis prämiert.

Diese Versform kennt dank Globi jedes Kind. Seit 90 Jahren ist die Satzmelodie unverändert. Jede Zeile hat vier betonte Silben. Die Zeilen eins und zwei reimen sich und enden unbetont, die Zeilen drei und vier reimen sich ebenfalls und enden betont. Diese volksliedhafte Form wirkt rhythmisch klar und erzählerisch und ist leicht vorlesbar. Über 27000 dieser Vierzeiler sind es in den 99 Bänden.

Lesen lernen
Rita Widmer wohnt mit ihrem Mann und den drei Buben in Niederurnen. Jeden Sommer gehen sie z’Alp auf Bösbächi. «Diese Verse haben mir das Lesenlernen vereinfacht», erinnert sich Rita Widmer. «Ich fand die Bilder genial. Man konnte schon als kleines Kind die ganze Geschichte verstehen. Später haben wir auch die Gedichte dazu gelesen, die waren einfach zu lesen und man wusste ja, dass es sich reimt. Das hat es noch einfacher gemacht.»

Globi kennengelernt hat Rita Widmer anfangs der 1990er-Jahre dank ihrer kleinen Schwester. Sie hatte den Band «Wie Globi Bauer wurde» (Band 8, 1941). «Das hat uns sofort begeistert. Diesen Band haben wir am allermeisten angeschaut. Ich fand es lustig, wie Globi beim Kühe Hüten diese an den Schwänzen zusammenbindet, damit sie ihm nicht mehr davonlaufen.» Ihre Mutter hatte damals den drei Schwestern Globibücher vorgelesen, nun macht das Rita Widmer auch mit ihren drei Buben. «Unser häufigstes Abendritual ging so: Globi vorlesen, dann die Geschehnisse des Tages besprechen um zum Schluss singen und beten.»

Globi läuft immer
Das Buchhändlerinnen-Team der Buchhandlung Baeschlin in Glarus wird ein Schaufenster zu Ehren des 90-Jahr-Jubiläums von Globi gestalten. Zur Verfügung stehen nebst den zahlreichen klassischen Büchern auch Globi-CDs, -Quartette, -Lernspiele und sogar ein Jass-Starter-Set. Dazu gibt es Sachbücher zum Beispiel «Globi und die Demokratie», 10 Bände von Globine und ein Buch mit Schiebebildern. «Das Interesse an Globi ist konstant gross», bestätigen die Buchhändlerinnen. «Neuerscheinungen werden jeweils sehnlichst erwartet.»

Laut Globi Verlag wurden bis heute über 12,5 Millionen Globi-Bände verkauft. «Wie Globi Bauer wurde» ist mit 285 000 Exemplaren der meistverkaufte Globi-Band.

Globi und der Landammann
Was sind Kaspar Beckers Erinnerungen an Globi? «Ich war als Kind ein Bücherwurm und habe wohl unzählige Bücher verschlungen. Globi war dabei der Türöffner, zuerst als Gutenachtgeschichte, von meiner Mutter vorgelesen und dann meine ‹Lektüre der ersten Stunde›, sobald ich selber lesen konnte. Globi war immer da und gehörte einfach dazu. Zudem war ich recht dankbar, dass man ab und zu Kinder nach einem kleinen Streich oder Unfug auch mal mit ‹bisch ä Globi› betitelte und nicht ständig auf dem ‹Kasperli-Theater› rumgeritten ist.»

Auch in der Familie Becker überdauerte Globi Generationen: «Die Tradition wurde in unserer Familie an unsere Kinder weiter gegeben – und unterdessen haben unsere Grosskinder mächtig Spass an den Abenteuern von Globi.»

«Globi und die Demokratie» erschien 2018 und ist kein klassisches Globi- sondern ein Sachbuch. Die Landsgemeinde kommt darin auf 8 von 110 Seiten sehr prominent vor. Wie gefällt dem Landammann diese Geschichte? «Selbstverständlich ist mir diese Globi-Geschichte seit Erscheinung bekannt. Ich finde den Teil über die Landsgemeinde sehr gelungen – und natürlich sieht man hinter der einen oder andern Figur sehr schnell die zugrunde liegende Glarner Persönlichkeit – auch wenn der echte Ratsschreiber einen leicht abenteuerlicheren Haarwuchs hatte als im Buch. Die Landsgemeinde wird insgesamt sehr stimmig, einfach und somit auch für Kinder und Jugendliche sehr gut verständlich beschrieben. Es macht Freude zu sehen, wie unsere Landsgemeinde auch hier einen Platz gefunden hat – es muss ja nicht immer eine Reportage im National Geographic sein!»

Globi wird Soldat
Walter Rhyner steht als Kreiskommandant kurz vor der Pensionierung und hat sein ganzes Berufsleben im Militär verbracht. Erstaunlicherweise kann er sich sofort bestens an «Wie Globi Bauer wurde» erinnern, nicht aber an «Globi wird Soldat». «Das hat sicher damit zu tun, dass meine Eltern «buurnet» haben.» Die Mutter schaute mit Walter und seinem Bruder immer wieder die Globi-Bücher an.

Walter Rhyner holt seine Globi-Bücher vom Estrich und schmunzelt über Globis Abenteuer im Militär. Das Buch wurde 1940 geschrieben. Hat es trotzdem noch Aktuelles darin?

«Globi wird als pflichtbewusster Soldat dargestellt. Er ist fröhlich und nimmt das Soldatenleben nicht immer so ernst. Auch heute noch gültig ist, dass unsere Milizarmee aus Bürgern aus allen Schichten besteht und von den zivilen Kenntnissen der Armeeangehörigen profitiert.» Gewisse der Globi-Geschichten sind zeitlos. Globi kommt zu spät aus dem Ausgang, wird erwischt und muss stundenlang Kartoffeln schälen. Das ist heute noch sehr ähnlich: «Wer beim Zimmerverlesen vor dem Bett nicht anwesend ist, erhält nach Ermessen des Kommandanten Arrest.» Walter Rhyner ist froh, «dass auch heute noch hie und da ein ‹Globi› in unseren militärischen Einheiten für Abwechslung und Erheiterung sorgt.»

Globi beim FRIDOLIN
Globi war in den 90 Jahren noch nie Zeitungsreporter. Falls er das jemals werden will, ist es für uns schon klar, wie sein erster Auftrag lautet:

Was ist los in Glarus heute?

Grosse Viehschau – Viele Leute!

Globi, schnell zum Zaunplatz hin,

schreibe für den FRIDOLIN! 

Søren Ehlers

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