Danz und Kühne füllen Glarner Textilgeschichte auf

Mara Danz und Dafi Kühne haben ihren eigenen Textildruck entwickelt. (Foto: FJ)

Beide gewannen 2024 den Kulturpreis von Glarus Nord – sie den Förderpreis, er den Anerkennungspreis. Nun haben sich Mara Danz und Dafi Kühne in einem gemeinsamen Projekt mit der Druck- und Textilgeschichte des Glarnerlandes auseinandergesetzt. Das Resultat verblüfft.

Sie hätten ja auch einfach einige ihrer bestehenden Werke in der Remise ausstellen können, in jenen Vitrinen, wo bis vor Kurzem die Waffensammlung zu sehen war. Doch stattdessen entwickelten sie gemeinsam ein neues Druckverfahren und bedruckten 60 farbige Seidenfoulards mit völlig neuartigen Mustern, wobei sich die Textur von Stoffresten – sonst selbst Träger von Druckfarbe – zum Druckobjekt verwandelt. Ausgangspunkt für ihr Experiment waren die historischen Musterbücher aus der Sammlung des Museums. In den Büchern wurden Stoffmuster selektiv zusammengetragen, um Trends und Inspirationen aus aller Welt festzuhalten, zu kopieren und wiederzuverwenden – diese Flexibilität war eines der Erfolgsrezepte des Glarner Textildruckindustrie, die sich weltweit bei traditionellen Druckverfahren und Mustern bediente. Doch heute findet man auf vielen Seiten dieser Bücher Leerstellen, wo einst Stoffmuster klebten. Dass sie herausgerissen wurden, hinterliess Spuren. Fäden, Rückstände von Leim, Silhouetten, die sich ins Papier brannten. Hier ist die Verbindung von Textil- und Buchdruck gegeben und die beiden machten sich auf Spurensuche.

Hochdruckprozess

Ausgehend von den Untersuchungen dieser Leerstellen entwickelten sie im praktischen Dialog eine eigene künstlerische Übersetzung. Sie lehnten sich ans historische Holzmodeldruck-Prinzip an, übertrugen dieses aber auf die grossen Buchdruckmaschinen im Atelier von Dafi Kühne. Die Abdrucke von Textilresten spiegeln den Prozess des Verwebens und machen Bearbeitung, Materialtransformation und Produktionsweise sichtbar – auf der Seide zeigt sich mehrschichtig und flüchtig die Textilgeschichte. Das Tüpfelchen auf dem i: In den Vitrinen hängen die Tücher ohne Windstoss, so museal, wie die einst florierende Tuchindustrie des Glarnerlandes heute geworden ist. Bereits sind über 20 der insgesamt 60 Foulards verkauft, jedes ist ein Unikat und Zeugnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit, die weit über eine «gewöhnliche» Kunstausstellung hinausgeht. 
FJ

Museum des Landes Glarus, Remise, Näfels – geöffnet Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 17.00 Uhr – noch bis Mittwoch, 15. Oktober. Für die Liste der verfügbaren Foulards unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Newsletter anfragen.

 

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