«Schönes Schicksal Schweiz»

Frits Damrow – der Dirigent der Harmoniemusik Glarus ist ein international gefeierter Solist und Professor für Trompete. (Foto: FJ)

Als Professor für Trompete unterrichtet er an der Zürcher Hochschule der Künste die zukünftigen Profis, als Dirigent der Harmoniemusik Glarus leitet er ein Amateurorchester. Was er am Glarnerland schätzt: Die Natur und die Tradition der Vereine. Frits Damrow nähert sich unseren Voralpen vom flachen Land her: Amsterdam, Basel, Zürich, Haslen.

Wer mit Frits Damrow spricht, entdeckt, dass sich Holland und die Schweiz doch näher stehen, als man denkt. «Unsere Kinder leben in Holland. Sohn, Tochter, Enkelkinder ziehen uns nach Holland, wo ich 50 Jahre lebte», sagt er. «Aber ich finde es ein Privileg, hier in Glarus zu wohnen. Die Lebensqualität ist sehr hoch, ich bin gerne mit dem Mountainbike unterwegs, gehe wandern und im Walensee oder im Klöntalersee schwimmen: diese Natur, diese Freiheit, das finde ich attraktiv. Wir haben uns nicht umsonst entschieden, hier zu wohnen. Da Holland so flach ist, wollten wir in die Berge.»

Von der Basis zur Spitze
Damrow war Solotrompeter beim Concertgebouw Orchester in Amsterdam und beim Orchester Basel. Er wird nach wie vor als Solist engagiert, dirigiert Ensembles, coacht Blasregister. Er lehrt Trompete, Kammermusik und Piccolotrompete, verfasst Schulungsliteratur und leitet seit drei Jahren die Harmoniemusik Glarus HMG. «Ich fand es immer attraktiv, in verschiedenen Richtungen aktiv zu sein», sagt er. Den HMG-Kontakt zu ihm knüpfte Präsidentin Gabi Oertli beim Projekt Glaronia Brass Band. «Wenn ich im Glarnerland wohne, möchte ich mich auch für die Amateurmusik nützlich machen, ich helfe gerne und teile mein Wissen und Können, und es macht mir Spass, dies in die Vereine reinzubringen. Ich komme selber aus der Blasmusik, wurde in Landgraaf bei Kerkrade geboren. (Dort findet seit 1951 das WMC, ein internationaler Blasmusikwettbewerb statt.) Das sind meine Wurzeln, ich spielte mit neun Jahren in der Harmoniemusik und leitete in meinem ganzen Leben Workshops für Amateure, was mir sehr viel Spass macht. Sie sind die Basis der Pyramide und je breiter die Basis, umso besser kann man aufbauen und Leute für eine professionelle Karriere motivieren.»

Ein produktives Spannungsfeld
Obwohl er und seine Frau in wachsenden Kreisen rund um den Arbeitsmittelpunkt Zürich suchten, bis sie in Haslen ihr Haus fanden, ist es kein Zufall, dass Damrow hierher kam. «Im Nachhinein realisiere ich: Als 19-jähriger Student hatte ich in Bulle FR einen Sommerkurs für Blechbläser mit zwei Trompetendozenten aus Amerika. Das brachte mir unglaublich viel, es boostete und bestätigte mich. Jetzt schliesst sich dieser Kreis für mich als Holländer in der Schweiz. Ein schönes Schicksal.» Sind Hochschulunterricht und Vereinsarbeit für ihn ein Spannungsfeld? «Ich denke, beide Elemente ergänzen sich. Wenn ich an der Hochschule unterrichte, muss abgeliefert werden – die Studenten wollen Profis werden, eine Stelle in einem Orchester bekommen, da bin ich auf die Fortschritte und Qualität fokussiert, da kann ich sehr unangenehm werden, wenn die Leistung oder die Motivation nicht stimmt, denn die Konkurrenz ist gross. Man muss da eine sehr hohe Qualität erreichen. In der Harmoniemusik Glarus steht der soziale Aspekt im Vordergrund. Es braucht eine gute Atmosphäre an den Proben, damit alle mit Freude musizieren, dann wird alles leichter. In der Probenarbeit muss ich manchmal geduldiger sein, aber es macht genau so viel Spass, denn es geht vielmehr um die gemeinsame Motivation und die Freude, zusammen etwas zu machen.»

Glarner Interesse
Blasmusik hat im Glarnerland Tradition – in grösseren Vereinen wie Schwanden, Näfels, Glarus oder Oberurnen, aber auch in kleineren wie Engi. Alle haben eine wichtige kulturelle und gesellschaftliche Funktion. Der Kern der Aktivitäten ist auf das Hauptkonzert fixiert, auf die Fahrt, die Landsgemeinde, die Chilbi, das Bettagsständli usw. «Wir üben auch draussen marschieren, damit es optisch gut aussieht. Das ist Ehrensache und ich spüre, dass die Leute motiviert sind – ob’s regnet oder die Sonne scheint. Ich will die Mitglieder zusammenschweissen und es gibt kaum eine Freizeitbeschäftigung, wo der Altersunterschied grösser ist als in der Blasmusik – die jüngsten sind zwölf Jahre alt, der älteste ist 86. Alt und Jung fühlen sich wohl nebeneinander, das ist das verbindende Element der Musik. Der Nachwuchs ist da, die jungen Leute sind fit und motiviert, sie spielen gut, das sieht für die Zukunft nicht schlecht aus.» Und noch etwas fällt Damrow auf: «Das Interesse der Glarner, in die Konzerte zu gehen – sie unterstützen die Musikvereine und zeigen, wie wichtig ihnen die Vereine in ihrer sozialen Funktion sind – man kann sich den Kanton Glarus ohne Blasmusik schlicht nicht vorstellen.»

FJ

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