Ben Wegg bleibt da

Von links: UmkehrHerr, Carla und Ben Wegg singen eingängige Lieder. (Foto: Søren Ehlers)

Das Duo Theater Bruderboot präsentiert ein neues Theaterstück. Es ist eine leicht verständliche Geschichte mit Tiefgang. Ben Wegg erlebt Mut, Angst, Flucht. Der freundliche, etwas verdrehte UmkehrHerr ist zuversichtlich, dass das Abenteuer trotzdem gut kommt. Und auch das Huhn Carla singt mit.

Wer zu Fuss über die linke Seite der Brücke von Luchsingen nach Hätzingen geht, kommt am obersten Gebäude des Hefti-Areals vorbei, einer seit Längerem leer stehenden Villa. Seit mehreren Wochen proben hier Beni und Christian Hunziker ihr neues Stück. Es ist die dritte Episode einer erfolgreichen Reihe, welche mit «UmkehrHerr und Kai Fleck» begann und mit «UmkehrHerr und Mario Nett» weitergeführt wurde. Und nun kommt «UmkehrHerr und Ben Wegg». Der sprechende Name «Ben Wegg» sagt es, da muss einer verschwinden. Die beiden Künstler skizzieren den Beginn der Geschichte so: «Ben Wegg verlässt nach einer grossen Dummheit fluchtartig die Stadt und versteckt sich, geplagt von Angst und düsteren Gedanken.»

Die Brüder Beni und Christian Hunziker produzieren seit 2017 zahlreiche Theaterstücke. Mit ihrem Unternehmen «Bruderboot» machen sie Theaterstücke für Schulen, geben Theaterkurse und veranstalten öffentliche Aufführungen. Im Mai war es das Stück «Iisziit. Glarnerseel und Tödifirn».

Zauber des Theaters
Das Bühnenbild besteht aus drei Wänden, die sich über die ganze Bühnenbreite erstrecken: einer niedrigen im Vordergrund, einer mittelhohen im Mittelgrund und einer fast mannshohen im Hintergrund. Zuhinterst schliesst ein noch höherer schwarzer Vorhang den Bühnenraum ab. So entstehen drei Gassen, die eine Verfolgungsjagd, Versteckspiele und weiteren Schabernack ermöglichen.

«Wir möchten Kinder die Kulturform des Theaters erleben lassen», sagt Beni Hunziker. «Der Zauber des Theaters ist, dass alles möglich ist. Die wildesten Geschichten kommen glaubwürdig herüber, wenn es uns gelingt, das Publikum anzusprechen.» Doch wie gelingt das? Christian Hunziker erklärt es so: «Wir beziehen uns immer wieder auf selbst Erlebtes. Wir erinnern uns an eigene Kindheitserlebnisse und erleben vieles davon jetzt wieder aus der Sicht als Väter von Kindern.» Zum Beispiel die Scham, wenn man in die Hosen gebrünzelt hat und das verheimlichen will. Und wie man dann erlebt, dass das gar nichts Schlimmes ist und man trotzdem geliebt wird.

Kindertheater oder Familientheater? Beides.
Die Geschichte von Ben Wegg ist leicht zugänglich für Kinder ab dem Kindergartenalter. Die Figuren sind klar gezeichnet und sympathisch. Es gibt viele witzige Momente und eingängige Lieder. Das Publikum wird mehrmals direkt angesprochen und darf mitsingen. Erwachsene erkennen in der Geschichte philosophische Themen, z. B. den Mut, den es braucht, um sich seiner eigenen Geschichte zu stellen. Auch die Figur «UmkehrHerr» ist einerseits einfach lustig mit seinem hinten und vorne geknöpften Tschoopen, andererseits vermittelt er, dass sich schlimme Situationen plötzlich ändern können, wenn man an ein gutes Ende der Geschichte glaubt.

So geht es auch Ben Wegg: Er erkennt, dass er gar kein Verbrecher ist, sondern ein Held.

Søren Ehlers

Theater für Familien: «UmkehrHerr und Ben Wegg», Zirkus Mugg, untere Allmeind 6, Betschwanden. Samstag, 27. September, 16.30 Uhr, Türöffnung und Kasse 15.30 Uhr. Eintritt Kinder 12.–, Erwachsene 24.–, Familien 70.– , kein Vorverkauf.

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