Zivilgesellschaft engagieren

Lass uns zusammen etwas schaffen: Philipp Langlotz freut sich auf Ideen. (Foto: FJ)

Manche Ideen sind zu gross, um sie allein zu realisieren und für den demokratischen Prozess oft nicht geeignet. Deshalb organisieren Ivo Oertli, Frank Birk, Philipp Langlotz und Verena Langlotz Kondzic am 13. September einen Event, wo sich Aktive co-kreativ einbringen und Fingerfood teilen können.

Die Kleinstadt Lichtensteig im Toggenburg bekam 2023 den Wakkerpreis, weil sie ihre Räume innovativ belebte und ein neues Selbstbewusstsein fand. Besonders gewürdigt wurde der Einbezug der Bevölkerung sowie die vielfältigen Umnutzungen von historischen Gebäuden. Deshalb haben die Glarner Organisierenden für ihren ersten co-kreativen Anlass einen Gast aus Lichtensteig eingeladen, welcher Impulse beisteuert. Philipp Langlotz: «Anschliessend gehen wir von der Frage: ‹Welche Möglichkeiten gesellschaftlicher Partizipation gibt es?›, gemeinsam in eine zukunftsorientierte Suche über. Dabei sollen nicht nur Formen der Mitwirkung gesammelt werden, sondern auch neue Ansätze entstehen, wie Partizipation jenseits der klassischen Politik gestaltet werden könnte.» In Kleingruppen werden danach Ideen aufgenommen – sowohl zu konkreten Themen für mögliche Realisierungen als auch zu Formen der Mitwirkung selbst. Im Zentrum steht der Prozess: die Räume zu öffnen, in denen gesellschaftliche Teilhabe entstehen kann, ohne gegen die Politik gerichtet zu sein, sondern als Ergänzung und Bereicherung für eine grössere Gemeinschaft. Zum Schluss wird mitgebrachtes Fingerfood geteilt.

Raum Tomorrow
«Politik im weiteren Sinn ist die Gestaltung der Gesellschaft», davon ist Langlotz überzeugt. «Das ist keine Sache allein von Amtsträgern, sondern von allen, also von der Zivilgesellschaft. In einer Zeit der Politikmüdigkeit ist es wichtig, dass sie sich finden kann, um etwas Neues gemeinsam zu entwickeln.» Ein erstes Beispiel haben ­Annick und Philipp Langlotz mit dem Raum Tomorrow an der Burgstrasse realisiert. Hier treffen sich Gruppen, um ihre Projekte voranzutreiben. Es stellte sich auch die Frage: Wer zahlt zu Beginn die Miete? Wer trägt wie dazu bei? Im ersten Jahr trugen Annick und Philipp Langlotz die Miete selbst, inzwischen beteiligen sich weitere Gruppen und Institutionen, doch das geschieht: «Aus eigener Freude, eigener Verantwortung.» Darum geht es auch am 13. September: «Wir tauschen uns aus, halten die Köpfe zusammen, um neue Räume zu finden, wie die Gesellschaft selbst Projekte initiieren kann. Wie der oder die einzelne Verantwortung übernimmt, statt zu sagen: Das überlasse ich der Politik.»

Selbstwirksamkeit
Dazu braucht es eine Ermutigung und den Blick auf gute Beispiele. «Wir sind in der Schweiz derzeit in einer Krisensituation, weil viele Systeme – etwa Schule oder Gesundheit – zunehmend schwieriger zu finanzieren sind. Deshalb müssen wir mehr zum Lokalen zurück und uns fragen: Wie können wir das Potenzial nutzen, was hier ist, wie können wir alle Interessengruppen integrieren, damit sie wieder zur Gemeinschaft beitragen können?» Je träger die politischen Prozesse sind, umso mehr fehlt vielen die Erfahrung der Selbstwirksamkeit – sie verlieren das Vertrauen, selbst etwas direkt bewirken zu können. «Das Glarnerland ist konservativ, gleichzeitig sind hier viele neue Projekte und viel Innovatives entstanden», so Langlotz, «es hat Potenzial in der Zivilgesellschaft. Unser Anliegen ist es, das Potenzial zu erwecken und neue Möglichkeiten zu finden, die nah am Alltag der Menschen sind und nicht so komplex wie in der Politik.» Das können Plätze sein, die zur Verfügung stehen, aber nicht genutzt werden. «Ein schönes Beispiel ist das Wiesli in Glarus, ein Projekt, das aus der Idee der Permakultur heraus wächst. Hier werden in Selbstverantwortung Projekte angestossen, die dann zu einem späteren Zeitpunkt mit den Behörden weiterentwickelt werden können. Die Ideen für Weiterentwicklung können wieder vermehrt aus der Zivilgesellschaft kommen. Sie kann wichtige Impulse geben und sich einbringen.» Es geht darum, sich über Ideen auszutauschen, um die sich genügend Leute scharen.

Ideen im Quartier
Etwa wie im Quartier Innovationsräume geschaffen werden können. «Das ist nicht auf Glarus beschränkt, es ist ein regionales Thema. Wir sind mehrere Personen, die dahinter stehen und fragen uns: Wie können wir aus der Krise etwas Neues entwickeln? Es gibt Alternativen – wo man nicht einfach ja oder nein zum Budget sagt, sondern Bürgerinnen miteinander ins Gespräch über Themen kommen, die ihnen wichtig sind und Behördenmitglieder einfach zuhören.» Es gebe, so Langlotz, die bewährten Ansätze der Politik und Jurisdiktion, die Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit geben, zugleich brauche es jedoch auch die unbürokratischen Räume im Kleinen, um Ideen zu entwickeln. Wo es nicht darum geht, mit seiner Idee zu gewinnen, sondern zuzuhören, ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. «Wir fragen: Was gibt es für Mitwirkungsmöglichkeiten? Ob Dorfhöck oder Arbeitsgruppe, Leute mit Ideen sind eingeladen, im offenen Dialog mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen.» 

FJ

«Mitenand Zukunft gestalten», Samstag, 13. September, 09.00 bis 11.30 Uhr, im Kunsthauskeller Glarus. Mit Bitte um Anmeldung bis Samstag, 6. September, an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder Telefon 055 650 18 52.

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