In Weesen weht seit Anfang 2025 ein frischer Wind an der Spitze der Gemeindeverwaltung. Rhea Gisler hat das Amt der Gemeindepräsidentin übernommen – und damit auch eine anspruchsvolle Aufgabe in einer komplexen, vielschichtigen Gemeinde. Acht Monate nach ihrem Amtsantritt zieht sie eine erste Bilanz: eine steile Lernkurve, intensive Aufbauarbeit und ein klares Ziel, die Gemeinde gemeinsam mit der Bevölkerung weiterzuentwickeln.
Rhea Gisler lebt seit rund zehn Jahren in Weesen. Schon zuvor hatte sie eine enge Verbindung zum Ort am Walensee, war oft aus dem nahen Glarus zu Besuch. Die landschaftliche Schönheit, aber vor allem das lebendige Gemeinschaftsgefühl überzeugten sie, sich hier niederzulassen: «Weesen ist ein Ort, an dem man gerne lebt – und an dem man gerne Verantwortung übernimmt.»
Beruflich blickt Gisler auf eine vielseitige Karriere zurück. Sie war in leitenden Funktionen in der Privatwirtschaft tätig, unter anderem in der Holz- und Dienstleistungsbranche und brachte als operative Leiterin im Vögele Kulturzentrum auch Erfahrung aus dem Kulturbereich mit. Politisch engagierte sie sich mehrere Jahre im Primarschulrat von Weesen, als Schulratspräsidentin. Diese Kombination aus unternehmerischem Denken, strukturiertem Arbeiten und sozialem Engagement bildete das Fundament für den Wechsel ins Gemeindepräsidium – auch wenn dieser ursprünglich von Gisler nicht geplant war. Erst durch das Vertrauen von Menschen aus Verwaltung und Bevölkerung, die sie gezielt ansprachen, begann sie, sich mit einer möglichen Bewerbung für dieses Amt auseinanderzusetzen. Die Entscheidung fiel schliesslich im Einvernehmen mit ihrer Familie. Denn Gisler ist sich bewusst: Die Verantwortung einer Gemeindepräsidentin betrifft nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Umfeld.
Einstieg mit Herausforderungen
Die ersten Monate in der neuen Funktion waren geprägt von aussergewöhnlichen Rahmenbedingungen. Ein Rücktritt im Gemeinderat, personelle Wechsel in der Verwaltung und die Überarbeitung des Budgets vor der Bürgerversammlung erforderten schnelles Handeln und gute Nerven. Gisler meisterte diese Phase mit strukturiertem Vorgehen, viel Dialogarbeit und einem klaren Anspruch an sich selbst: nichts liegen zu lassen und Projekte aktiv voranzutreiben.
In der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat legt sie Wert auf eine offene, lösungsorientierte Diskussionskultur. Unterschiedliche Meinungen gehören dazu, doch das gemeinsame Ziel steht im Vordergrund. Die enge Abstimmung mit anderen Gremien trägt wesentlich zur Qualität der Entscheidungsprozesse bei.
Weesen im regionalen Kontext
Eine besondere Herausforderung in Weesen ist die geografische Lage zwischen Glarus Nord und Amden. Viele Themen – etwa Verkehr, Tourismus oder Infrastruktur – lassen sich nicht isoliert lösen, sondern müssen gemeindeübergreifend gedacht werden. Ziel ist es, die Interessen von Weesen zu vertreten, ohne den Blick fürs grössere Ganze zu verlieren. Gleichzeitig sieht sie es als zentral an, der Bevölkerung transparent zu vermitteln, wie Entscheidungen zustande kommen – gerade bei komplexen Projekten mit langen Bewilligungsprozessen. Nicht immer ist eine schnelle Lösung möglich, aber durch klare Kommunikation kann Vertrauen aufgebaut werden.
Bürgernähe als Führungsprinzip
Die neue Gemeindepräsidentin ist im Dorf präsent – bei Veranstaltungen, Gesprächen oder spontanen Begegnungen. Dennoch zieht sie bewusst auch Grenzen, um Anliegen der Bevölkerung gezielt und professionell aufnehmen zu können. Das Forum sieht Gisler als Austauschgefäss zwischen Bevölkerung und Gemeindebehörden als weiteren Baustein ihrer bürgernahen Politik. Entscheidungen sollen nicht über Köpfe hinweg getroffen werden, sondern auf breiter Basis abgestützt sein.
Rhea Gisler pflegt einen direkten, klaren Kommunikationsstil, der in der Bevölkerung gut ankommt. Kritik begegnet sie offen – nicht als Störung, sondern als wertvollem Hinweis. Denn nur im Dialog mit der Bevölkerung lässt sich das Gemeindeleben nachhaltig gestalten.
Gemeinschaft fördern
Ein zentrales Anliegen ist ihr die Stärkung des Vereinslebens. Gisler war selbst als Trainerin im Fussballverein aktiv und kennt die Bedeutung dieser Strukturen für das soziale Miteinander. Vereine fördern Zusammenhalt, bieten Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und wirken präventiv.
Auch kulturelle und gemeinschaftsstärkende Projekte wie «Weesen bewegt», «Weesen blüht»oder das Seefest nach neunjähriger Pause betrachtet sie als wertvolle Impulse für die Identität des Dorfes. Wichtig ist ihr dabei, dass solche Projekte von der Bevölkerung mitgetragen werden – nicht nur von Verwaltung oder Gemeinderat.
Klarer Kurs in zentralen Themen
Für die nächsten Monate setzt Gisler klare Prioritäten: Die Ortsplanung, das Gesamtverkehrskonzept und die Frage betreffend einer möglichen Fernwärmeversorgung stehen ganz oben auf der Liste. Parallel wird an infrastrukturellen Fragen gearbeitet – insbesondere rund um gemeindeeigene Liegenschaften wie Feuerwehrdepot oder Gemeindehaus.
Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Weiterentwicklung der Kommunikation. Ziel ist es, künftig digitaler, zeitgemässer und zielgruppengerechter mit der Bevölkerung zu kommunizieren. Vor allem jüngere Menschen sollen besser erreicht und aktiv einbezogen werden – auch im Hinblick auf bevorstehende Generationenwechsel in den Gemeindegremien.
Engagiert, strukturiert, verbunden
Trotz der intensiven Aufgabe findet Rhea Gisler Ausgleich im Alltag. Spaziergänge mit dem Hund, Wanderungen, ein Abend mit Freunden oder ein Konzertbesuch gehören für sie genauso dazu wie die politische Arbeit. Ihre Fähigkeit, schnell abzuschalten, hilft ihr, den Alltag mit neuer Energie anzugehen. Ihr Engagement ist spürbar – und basiert auf einer tiefen Verbundenheit mit dem Ort und seinen Menschen. Mit Offenheit, Klarheit und einem realistischen Blick auf die Möglichkeiten der Gemeinde führt sie Weesen durch eine Phase des Wandels.
Fazit: Rhea Gisler hat sich als pragmatische, bürgernahe und gut vernetzte Gemeindepräsidentin etabliert. In ihren ersten acht Monaten im Amt hat sie gezeigt, dass sie nicht nur führen, sondern auch zuhören kann – und dass sie bereit ist, Weesen nicht nur zu verwalten, sondern aktiv mitzugestalten.
Juliane Bilges


