Enthusiastisches Glarnerland

Grandiose Kulisse in Helferorange – das ESAF 2025 Glarnerland+ im Sonntagsgewand. (Foto: Cornelia Hefti)

Ob im Service, am Grillstand oder bei der Abfallentsorgung – 8000 freiwillige Helferinnen und Helfer sorgten für den reibungslosen Ablauf eines der schönsten und des meistbesuchten ESAF aller Zeiten. Das Fazit aus Gäste- und Helfermund.

Für Schwingfan René Sager aus Weggis war es das elfte ESAF. Er erlebte die Entwicklung des Schwingsportes in den letzten dreissig Jahren. Sein Fazit: «Es war eines der schöneren Feste – in dieser Region, mit dieser Kulisse. Wir sahen von der Tribüne direkt auf den Fronalpstock, hinter dem die Sonne aufging. Das ESAF ist ein Ort, wo ich Kraft tanken kann. Man ist gegenseitig hilfsbereit und das Schwingervolk ist sehr seriös – am Sonntag war um 08.00 Uhr Einzug, um 07.45 Uhr sassen alle auf ihrem Platz. Wo gibt es das sonst? Zudem schätze ich die Gemütlichkeit. Man kennt sich, schneidet auf dem Brett Speck auf und verteilt ihn an alle.» Eine weitere positive Entwicklung: Vor 15 Jahren waren noch weniger als 20 Prozent der Schwingfans Frauen, inzwischen ist ihr Anteil auf über 50 Prozent gewachsen und man sieht bei Schwingfesten Menschen aller Altersklassen.»

Die Eindrücke
Sager lobt die Infrastruktur der Arena und wie sie sich in die Bergkulisse einfügte. «Die Nationalhymne mit Göla war sensationell inszeniert. Das geht unter die Haut, wenn 56 000 Kehlen singen. Was mir auffiel, war der Stolz der Gastgeber, das übertrug sich auf uns Zuschauer. Wir spürten diesen Enthusiasmus und das Herzblut. 8000 Helfende, die mitmachten – ausserordentlich.» Eine von ihnen war Cornelia Hefti aus Luchsingen. «Wir waren eine Gruppe vom Fryberg-Chor und arbeiteten am Grillstand F zusammen mit 30 bis 50 Personen. Da ich selbst Fan bin und mehrmals ein ESAF besucht hatte, freute ich mich, dass dieser Event zu uns ins Glarnerland kommt und meldete mich sofort an, um mitzuhelfen.» Auch Esther Boos arbeitete mit – als Springerin im Glarnerzelt an den Wochenenden vor dem ESAF. «Es war streng, Helferin zu sein. Erst hatte ich keine Lust, doch das Team war gut und ich habe tolle Leute kennengelernt. Die Gäste waren sehr nett und verstanden, wenn sie mal warten mussten bei grossem Andrang.» Das bestätigt Cornelia Hefti: «Die Leute bedankten sich bei uns für unsere Arbeit, selbst wenn sie bloss eine Flasche zurückbrachten. Die Schwingergemeinde kam zu mir an die Kasse, es gab viele gute Gespräche, aber weder Klagen noch böse Worte.» Am Grillstand F arbeiteten Leute aus der ganzen Schweiz. «Wir hatten Freiburger und Luzerner. Auch Helfende aus den Nachbarregionen unterstützten uns – es war ja Glarnerland+ – und es gibt auch viele, die einfach an jedes ESAF reisen, weil sie dort helfen wollen.» Zudem konnte sie sowohl am Samstag wie am Sonntag Morgen vor ihrem Helferdienst live in der Arena mit dabei sein.

Positive Entwicklung
Schwingen wird in der Schweiz immer beliebter. 500 000 Besuchende im Glarnerland, zwar ein Rekord, aber auch eine Herausforderung. Auch hier ist das Fazit aber positiv. «Ich hatte Bedenken beim Verkehrskonzept», sagt René Sager, «aber ich stand weder bei der Hinfahrt noch beim Wegfahren im Stau. Die Verkehrskadetten waren sehr gut gebrieft und vernetzt. Immer ein Lächeln auf dem Gesicht, man spürte Ruhe und Gelassenheit. Auch sonst kamen wir uns willkommen vor. Alle taten ihr Bestes, ich sah keinen einzigen Schlechtgelaunten. Ich habe auch nirgends Aggressionen gesehen. Ob Nordwest- oder Innerschweizer oder Berner – die Schweizer kommen zusammen, Wildfremde lernen sich kennen.» Einem Freund von Sager, dem Fähnrich vom Schwingklub Basel, wurde die Fahne gestohlen und er musste den Festakt von der Tribüne verfolgen. Zum Glück wurde die Fahne im Fundbüro retourniert. Auch in Sachen Müll könnte man sich noch verbessern. Obwohl 90 bis 95 Prozent der Schwinger den Müll richtig entsorgen und sogar Säcke mitnehmen, um ihn einzusammeln, gibt es sowohl bei Jungschwingerfesten wie am ESAF immer etwa fünf Prozent, die den Müll liegen lassen. «Das ist eine Entwicklung, die mir nicht gefällt.» Insgesamt aber war alles gut organisiert – insbesondere die Unterhaltung, etwa die Sondersendung «Potzmusig», moderiert von Nicolas Senn (Interview auf Seite 22). In den vergangenen 30 Jahren wurde Schwingen auch immer sportlicher. «Die Spitze ist über alle Teilverbände viel breiter geworden, Modellathleten wie Giger oder Wicki arbeiten zu 100 Prozent im Beruf und trainieren sieben Mal in der Woche. Zudem kommen erfreulich viele Junge nach, von denen einige mit 17 bis 20 Jahren bereits nahe am Kranz schwingen.» Auch der Glarner Sales Tschudi dürfte in Thun 2028 um einen Kranz mitschwingen und Luc Bissig, König der Jungschwinger, ist dort schon Königsanwärter.

FJ

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