Praktisch alle waren sie schon einmal in Wichlen und mit ihren Schützenpanzern die Pisten Richtung Spitzegg hochgestürmt. Aber nur wenige der elf Absolventen der Offiziersschule 1970 in Thun kannten die wirklichen Highlights des Kantons: Wasserschloss, Industriewunder und die weltweit direkteste Demokratie.
Zwei Tage lang bewegten sich die alten Grenadiere von ganz hinten, Ochsenstäfeli-Limmern und Tierfed, nach ganz vorn. Das Hotel Tödi, wo Karl Kraus ab 1915, umgeben von einem kleinen adeligen Harem, «Die letzten Tage der Menschheit» geschrieben hatte, bot den Offizieren komfortable Unterkünfte. Per Beamer-Show lernten sie die fantastisch versteckten MG-Kavernen oben am Panixerpass kennen, ein besonders origineller und im Notfall wirksamer Teil des Reduits um 1943, zum Glück nie in Aktion.
In Nidfurn und Haslen erlebten sie die heute noch bestehenden Zeugen der Arbeiter-Architektur um 1860 und die «Tätschhüüser» der Kleinbauern mit ihren Spinnrädern im feuchten Keller. Die Weberei von Daniel Jenny in Haslen machte sie mit dem glarnerischen Kanalsystem vertraut, das für eine ausgeklügelte Energieversorgung in der Zeit der Frühindustrialisierung sorgte und auch Zürcher Kapital anzog.
Das immer noch neue Schaulager der «Therma» in Schanden wurde schon allein deshalb lebendig, weil Schaulager-Chef Thomas Schätti über einen nicht endenden Schatz von Therma-Anekdoten und natürlich Tech-Wissen verfügt.
Die Reise durch alle drei Gemeinden liess auch erneut die wundersame Gemeindereform von 2006 bewusst werden. Von ihr hatten alle schon gehört und über die Innovationskraft der Landsgemeinde gestaunt. Am Schluss war es der Giganto-Muni Max in Mollis, der den kleinen Kanton Glarus in den Köpfen der Grenadiere zu einem Gemeinwesen machte, das auch zu ganz Grossem fähig ist: rund 41 000 Einwohner/-innen und ein Fest mit 350 000 Besucher/-innen.
Hans Kaspar Schiesser


