Am Linthforum zeigten acht Referierende, was aus ihrer Sicht die Stärken des Glarnerlands sind und was es braucht, damit der Kanton auch in Zukunft erfolgreich ist. Mut und Zusammenstehen – wie beim ESAF 2025 Glarnerland+ – seien entscheidende Faktoren.
Die Zolltarife auf Schweizer Exporte in die USA betreffen auch Glarus als einer der am stärksten industrialisierten Kantone der Schweiz. Doch Krisen seien immer eine Zeit, um die Unternehmensstruktur zu durchleuchten und nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten, betonte Johannes Läderach, CEO der Läderach-Gruppe, im Glarnerzelt auf dem ESAF-Gelände. «Wenn man dabei auf viele Firmengeschichten schaut, sind im Verlauf von Krisen vielmals auch grosse Entwicklungen entstanden. Veränderungen macht man oft nur aus Zwang oder aus der Not heraus. In guten Zeiten wird man oft träge und selbstzufrieden. Denn es läuft ja.» Für Caspar Coppetti, Mitbegründer der Schuhmarke «On», steht die Schweiz in vielen Bereichen weiter an der Spitze und es sei oft nicht einfach, etwa in den USA Produkte derselben Qualität herzustellen. «Internationale Fachkräfte wollen nicht nur in der Schweiz arbeiten, sondern vor allem mit ihrer Familie hier leben.» Auch hier haben die Schweiz und das Glarnerland einmalige Qualitäten, das Glarnerland biete erschwinglichen Wohnraum und gute Schulen in guter Nähe zum Standort Zürich und zum Flughafen. Zudem sei die Schweiz ein idealer Ort für Investitionen, dank staatlicher, aber auch energetischer Stabilität und einmalig tiefer Kreditzinsen. Auch für Läderach sind gute staatliche Rahmenbedingungen wichtig. «Man soll aber nicht überall nach einer Lösung durch den Staat rufen.»
Fläche für die Wirtschaft, Schonung für die Natur
Laut Regierungsrätin Marianne Lienhard setzt sich der Kanton aktiv für ein wirtschaftsfreundliches Klima ein – kurze behördliche Wege seien hier eine Chance. Mit tiefen Unternehmenssteuern komme man der Wirtschaft entgegen und mit seinem Flächenmanagement will der Kanton für Neuansiedlungen von Unternehmen und die Entwicklung angestammter Firmen am richtigen Ort rasch Baufläche zur Verfügung stellen. «Auch, damit wir unsere einmalige Ressource, die unberührte Natur, schonen können.» Diese Natur in der Nähe des Grossraums Zürich sei als Wohnraum und für den Tourismus eine Chance, so Fridolin Hösli, Geschäftsführer Visit Glarnerland. Man solle das selbstbewusst nach aussen tragen und dabei auf qualitativen Tourismus setzen. «Das Glarnerland muss weiter ursprünglich und unverbraucht bleiben.»
Fokussierung und Mut
Das Inhaber-Ehepaar des Märchenhotels Braunwald, Nadja und Patric Vogel, betonte die Bedeutung einer klaren Strategie im Tourismus: «An einem Punkt haben wir uns bewusst entscheiden, das Hotel komplett auf Familien und deshalb vor allem auf Kinder auszurichten.» Dabei sei die Märli-Stunde mit Vater Martin Vogel damals eher aus der Not entstanden. «Mit einem quirligen Kind vereinbarte er, dass es beim Nachtessen still ist, wenn er ihm eine Geschichte erzählt.» Und plötzlich kamen neue Gäste, die nach dem Märli-Onkel fragten. Mit weiteren Investitionen und Ideen habe man das Profil im Familienbereich weiter geschärft. Patric Vogel gehört zur Interessensgruppe, die Muni Max nach dem ESAF im Kanton aufstellen will und dazu ein Crowdfunding startete. Wie einst der Eiffelturm könne der Holzkoloss zum Wahrzeichen von Glarus werden und wichtige Wertschöpfung generieren. Das von Wirtschaftsförderung, Wirtschaftskammer und Gewerbeverband organisierte Linthforum wurde von Regula Späni moderiert und musikalisch von Lanik umrahmt. Nachher gab’s Apéro riche sowie eine Baustellenführung durchs ESAF-Gelände.
jhuber


