Roadtrip in den Tagtraum

Mitten im Tagtraum: Eddy Guzman, Mirja und Jan Nisius in ihrem Garagen Shop & Second-Hand in Mitlödi. (Foto: dl)

Mit einem grünen Van durch Europa reisend beschliessen Jan und Mirja Nisius, ihren Traum zu verwirklichen. Was nach Klischee klingt, ist heute eine Kleidermarke mit Secondhand-Shop in Mitlödi. Sie nennen sich «Tagtraum Clothing» – und dieser Tagtraum beginnt mit einem Karabiner.

«Er ist das Herz von Tagtraum», erklärt Jan und präsentiert den Karabiner, mit dem die Glarner Kleidermarke startete. Er, der sich als regelmässiger Tagträumer bezeichnet, hatte zusammen mit seiner Frau Mirja die zündende Idee. Unterwegs in ihrem Van erlebten sie praktische Probleme wie – wohin mit nassen Kleidern? Deshalb der Karabiner, deshalb die Lasche an jedem Kleidungsstück von «Tagtraum». Damit lassen sich die Teile aufhängen – in einer Camping-Duschkabine oder am Wanderrucksack. Noch am Strand in Kroatien stellen Jan und Mirja eine Artikelliste zusammen. Zurück im Glarnerland war die erste Bestellung von Karabinern und Flaschen mit Logo schon aufgegeben, die Firmengründung folgte im Dezember 2023. Mirjas Bedingung: «Unsere Produkte müssen nachhaltig sein, alles andere macht keinen Sinn.»

Anruf aus Kroatien
Von der Selbstständigkeit träumte Jan schon lange, oft zusammen mit seinem Polymech-Kollegen Eddy Guzman, der sich zum Videografen weiterbildete. Beide haben die Lehre bei Netstal Maschinen gemacht. Als «Tagtraum Studio» produzierten sie zusammen Werbe- oder Musikvideos. Eddy war skeptisch, als Jan ihn aus dem grünen Van anrief – Kleidermarken gäbe es doch schon genug. Doch der Karabiner und das Konzept mit den zeitlosen, schwarzen Basics, die sich zu allem kombinieren lassen, überzeuge ihn. Als zweite Einnahmequelle führen sie das Tagtraum-Filmstudio weiter und produzieren auch für Tagtraum Clothing alles selbst: Fotos, Videos, Grafik.

Genug für sechs Generationen
Mirja hingegen kümmerte sich um die Kleider und versuchte, Produzenten in Europa zu finden, die fair und ihn hoher Qualität liefern. Sie hat Umweltwissenschaften an der Uni Zürich studiert: «Wenn wir heute aufhören, Kleider zu produzieren, haben wir immer noch genug für die nächsten sechs Generationen.» Alte Kleider, die aus Europa exportiert werden, bilden anderswo riesige Abfallberge. Für nachhaltige Kleider kommt Baumwolle nicht infrage, aber: «Bio-Baumwolle braucht viel weniger Wasser, meist reicht Regenwasser.» Von den Produzenten ernst genommen wurde das Trio erst, als sie ein detailliertes Dokument beisammen hatten, mit Massen zu allen Grössen – jede Naht, jede Stoffart, jede Stickerei genaustens notiert. Für die erste Lieferung ging das ganze Startkapital drauf – hätten sie in Asien produziert, hätten sie mindestens doppelt so viele Kleider erhalten.

Überall wo möglich präsent sein
«Nebenbei lässt sich so etwas nicht aufbauen», erklärt Eddy – so wagten die drei 33-Jährigen den Schritt in die Selbstständigkeit, noch bevor im Juli 2025 ihr Shop online ging. Sogleich deckten sich Freunde und Verwandte mit den Tagtraum T-Shirts, Crop Tops, Hosen und Socken ein. Danach wurde es ruhig. «Wenn dich niemand kennt, geht auch niemand auf deinen Shop», war die Erkenntnis, die dazu führte, dass Tagtraum physisch präsent werden wollte. Mit der Geschäftsführerin des Claro Weltladens in Glarus erhielten die Kleider einen Fan und ein Schaufenster. Zudem war das Gründerteam am Frühlings- und Weihnachtsmarkt in Glarus präsent, am InDeep-Festival und demnächst am ESAF Public Viewing auf dem Rathausplatz in Glarus. Momentane Auslastung: Hundertundirgendwas-Prozent. Sie geben sich zwei bis drei Jahre, bis das Business rentabel sein soll.

Der Van als Aushängeschild
Was ihnen noch fehlte, war eine eigene physische Plattform, weshalb sie im März 2025 den Tagtraum Garagen Shop & Secondhand an der Hauptstrasse in Mitlödi eröffneten.

Auf den Aufruf nach gut erhaltenen Secondhand-Kleidern gab es massig Resonanz. Zwischen den farbigen Stücken platziert sind die schwarzen Tagtraum-Basics. Ein Grossteil der Kundschaft kommt aus Glarus Süd, viele seien froh um die günstigen Secondhand-Kleider.

Und der grüne Van? Der dient nun als Lager, Büro oder Sitzplatz vor dem Garagenshop. Auf die Frage, was als nächstes kommt, heisst es «Bucket Hat!». Natürlich in Schwarz und mit der Lasche für den Karabiner, darauf steht: «Make it happen», was für Mirja, Jan und Eddy bedeutet: Glaube an deine Träume und arbeite dafür.

dl

Back To Top