Im internationalen Markt wächst die Bedeutung von Herkunft und Nachhaltigkeit. Gerade wenn z.B. Zollentscheide die Märkte aufmischen, braucht es tragfähige und langfristige Strategien, um auf dieser Basis schnell agieren und reagieren zu können. Renzo Davatz, CEO der Netstal Gruppe und Cesare Tondo, CEO der Garage Tondo AG, erklären den Entscheid für die E-Fahrzeuge.
Renzo Davatz ist gerade aus Amerika zurück – die Zollkrise. «Wir sind davon betroffen, denn der Markt USA macht etwa 15 Prozent unseres Business aus. Die USA sind ein interessanter und wachsender Markt, aber wenn die Zölle langfristig bei 39 Prozent bleiben, ist das in diesem Markt sehr hart.» Alle Maschinen der Netstal Gruppe werden in Näfels zusammengebaut, es gibt weltweit ein Dutzend Service- und Verkaufsgesellschaften, das Qualitätslabel Swiss Made könnte sich also wegen der neuen Zölle verteuern. Doch welche Massnahmen ergreift man? Vorerst werden alle Komponenten, die aus dem EU-Ausland verbaut werden, deklariert – denn darauf ist der Zollsatz tiefer. «Wir haben uns auch gefragt, ob es sich lohnt, in den USA eine Produktion aufzubauen. Aber das wäre ein Schnellschuss. Derzeit ist die Politik noch am Verhandeln.»
Den grossen Bogen im Blick
Bevor die Trump-Administration das Sagen hatte, war Nachhaltigkeit ein wichtiges Ziel, an dem Unternehmen gemessen wurden. «Jetzt ist dieses Thema etwas aus dem Blickfeld geraten, aber man muss den grossen Bogen sehen und daran festhalten», so Cesare Tondo. «Nachhaltigkeit ist verankert bei uns», sagt Davatz, «wir haben einen Verantwortlichen dafür im Betrieb und gehören seit 2024 zu den 15 Prozent der nachhaltigsten Unternehmen, welche von EcoVadis zertifiziert werden. Eine Reihe von Kunden fragt nach diesen Ratings, denn wir sind Teil einer Lieferkette, die auf Nachhaltigkeit achtet. Es geht uns um ehrliche Nachhaltigkeit – also um wirksame und umsetzbare Massnahmen im Unternehmen, die sich positiv auf die CO2-Bilanz auswirken und gleichzeitig unternehmerisch tragbar sind. So haben wir von Ölheizung auf Fernwärme von der KVA Niederurnen umgestellt, was sich übrigens auch unternehmerisch rechnet.» Auch die Umstellung auf Elektrofahrzeuge ist Teil dieser Nachhaltigkeitsstrategie.
Die Vorteile der neuen Flotte
Es ist kein Zufall, dass man sich für die Beschaffung der siebzehn neuen Fahrzeuge für die Garage Tondo AG entschied. Auto Sauter in Netstal – neu die Garage Tondo AG – ist ein langjähriger Partner von Netstal für Volkswagen. Renzo Davatz: «Sie sind standortnah – einen Katzensprung entfernt. Es sind die Menschen, die den Unterschied ausmachen. Die Industrie steht unter Kostendruck, aber Tondo ist wettbewerbsfähig, also wäre es dumm, wegzugehen, wenn der Preis stimmt. Zudem decken sie Beratung und Service ab.» Zwar ist tanken immer noch schneller als laden, aber «unsere Servicetechniker sind in der Schweiz und im nahen Ausland tätig, wenn sie mit dem Auto anreisen. Die Wege sind im Rahmen von 200 Kilometern.» Tatsächlich liegt die Reichweite des Volkswagens ID7 bei 700 Kilometern, deshalb wurden elf solche Fahrzeuge beschafft, denn Servicetechniker brauchen Platz für Messgeräte, Werkzeuge und Ersatzteile. Zudem gibt es bei Netstal für alle anderen Mitarbeitenden Poolfahrzeuge, welche vor allem Personen bewegen. Hier wurden zwei Volkswagen ID3 und vier Skoda Elroq eingesetzt. Allerdings baut Netstal auch seine Ladeinfrastrukturen aus. Bisher gab es vier Ladestationen, sechs kommen neu dazu. Diese können wir den Mitarbeitenden auch bieten, damit sie das private Auto laden können – was uns als Arbeitgeber attraktiver macht. Denn viele haben kein Eigenheim, so ist es praktisch, dass sie während der Arbeitszeit in der Firma laden können. Neben dem Imagegewinn für die Firma fällt der CO2-Ausstoss weg und die Elektrofahrzeuge haben tiefere Betriebskosten.»
Ist das ein Nachteil für die Garagisten? Cesare Tondo verneint. «Ich bin überzeugt, dass sich das Autogewerbe ändert – die Anforderungen steigen sowohl für ein Industrieunternehmen wie Netstal als auch für eine Garage. Wir entwickeln uns und beraten den Kunden, wie er die E-Mobilität umsetzen und seine Mobilitätsbedürfnisse optimal erfüllen kann. Wir denken auch über weitere Themen der Nachhaltigkeit nach. Service und Kundenbindung werden weiter wichtig bleiben, doch wir müssen auch Lösungen für die Zukunft schaffen und lokal den CO2-Ausstoss vermindern. So übernehmen wir langfristig Verantwortung und zeigen, wofür der Kanton Glarus steht.»
FJ


