Botschafter auf UNESCO-Tour

Gruppenfoto vor dem Martinsloch: (von links) Hans-Rudolf Forrer, Benedikt Wechsler, Harry Keel, Claudia Müller und Jasmin Schläpfer. (Foto: FJ)

Er ist seit Neuestem der Schweizer Botschafter bei der UNESCO in Paris: Benedikt Wechsler, der vor allem in Braunwald kein Unbekannter ist. Seine Antrittstour führte ihn durch die Schweizer Welterbestätten und so besuchte er am 8. August das Naturzentrum in Glarus, das Therma-Schaulager, die Lochsite und die Tschinglenalp.

Die vornehmste Aufgabe eines Botschafters ist es, das Land, welches er vertritt, profund zu kennen. Das gilt auch für den UNESCO-Botschafter, welcher in Paris belegt, dass die Schweiz an ihren Welterbestätten gerecht und inklusiv arbeitet, dass sie hochwertige Bildungsziele verfolgt sowie den wissenschaftlichen Austausch und den interkulturellen Dialog sowie die kulturelle Vielfalt fördert. Stilecht mit grüner Fliege und antikem Reisekoffer für die Flyer und Aufkleber der Regionen besuchte Benedikt Wechsler in der «Elektro-Knutschkugel» zuerst das Naturzentrum Glarnerland, welches – so Monica Marti – derzeit der Tektonik eine Ausstellung widmet. Hier werden den Besuchenden alle Themen nähergebracht, die draussen stattfinden. Im gestreckten Elektrogalopp ging es darauf nach Schwanden, wo Thomas Schätti ihm das Therma-Schaulager als industriehistorischen Schatz präsentierte und man darauf aus einer hauseigen produzierten Kaffeemaschine einen Espresso genoss.

Esskultur und Jodel
Doch weshalb braucht die Schweiz einen UNESCO-Botschafter? Benedikt Wechsler: «Die UNESCO als eine der ältesten UNO-Organisationen setzte sich nach dem 2. Weltkrieg das Ziel, global die Zusammenarbeit bei Forschung, Bildung und Kultur zu fördern. Das ist für die Schweiz als Wissens- und Forschungsstandort sehr wichtig, auch weil wir inzwischen ein vielfältiges Welterbe haben. Das ist ein hoher Wert, den es zu pflegen gilt. Wir wollen, dass das Label Welterbe hier in der Schweiz die höchste Qualität hat. So hat die UNESCO – was kaum jemand weiss – auch das CERN in Genf gegründet, als eine der wichtigsten Forschungsinstitutionen der Welt. Die UNESCO fördert die Forschungszusammenarbeit. So forscht etwa die Universität Bern zusammen mit Forschern in Kenia über Klimawandel und Gletscherentwicklungen. Was bedeutsam ist – etwa für das Welterbe Jungfrau-Aletschgletscher. Die UNESCO will Frieden schaffen durch die Zusammenarbeit in Forschung, Bildung und Kultur, was heute wichtiger ist, denn je. Deshalb ist die – wenn auch kleine – Vertretung bei der UNESCO in Paris absolut gerechtfertigt.»

Und worin sieht der neue UNESCO-Botschafter seine Rolle? «Die Schweiz kann sich in den beiden wichtigsten Vertragswerken der UNESCO, nämlich Kunst und Kultur und bei der Welterbekommission, einsetzen, dass neue Kandidaturen aufgenommen werden, etwa auch im immateriellen Welterbe. So soll darin im Dezember 2025 der Jodel aufgenommen werden. Wichtig ist dabei die kulturelle Identität. Eine andere Kandidatur ist die Alpine Esskultur, welche hier im Glarnerland einige Vertreter hat. Ein wichtiges Anliegen ist mir die internationale Forschungszusammenarbeit, auch bei neuen Technologien – wie etwa der Künstlichen Intelligenz – die UNESCO hat für eine weltweite menschenrechtswürdige und ethische KI bereits wichtige Grundsätze formuliert, die international anerkannt sind. Hier möchte ich die Verbindung zur Schweiz stärken, etwa zum UNO-Standort Genf, wo viele Fragen der Zahlenwelt entschieden und beeinflusst werden.»

Kalk und Heu
Noch am Vormittag – bei der Lochsite – würdigte Gemeindepräsident Hans-Rudolf Forrer die Bedeutung des Welterbes für Glarus Süd und Harry Keel, Geschäftsführer UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona, überreichte Wechsler eine geschliffene Platte mit Lochsiten-Kalk. GeoGuide Claudia Müller erklärte anhand der Gesteinsschichten, was sich vor Jahrmillionen geologisch im Glarnerland zutrug, bevor man sich – mit der Tschinglenbahn – zum Mittagessen in die Wirtschaft von Susi Zentner begab. Hier wurden nicht nur die feinen Tropfen aus dem Welterbegebiet Lavaux kredenzt, nein, während des Fototermins vor dem Martinsloch demonstrierte Heli Linth, wie man heute das Heu im Zwei-Minuten-Takt durch die Schlucht zum Talboden fliegt.

FJ

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