Abschied mit Wehmut

Die Braunwalder Bergschule wird ab August unter privater Trägerschaft vorerst als Kultur- und Jugendtreff genutzt. (Foto: Alexander Stuber)

Mit der an der letztjährigen Herbstgemeindeversammlung von knapp 4,5 Prozent der Stimmberechtigten von Glarus Süd gutgeheissenen Sistierung der Bergschule geht in Braunwald nicht bloss ein Kapitel zu Ende – viel eher wird nach 184 Jahren ein Buch wohl für immer geschlossen. Ein Ereignis, dem selbst die renommierte NZZ in ihrem Juli-Folio eine mehrseitige Reportage widmet.

Kurz vor Beginn der Sommerferien verabschiedeten nun die Eltern der Braunwalder Kinder, die mit dem Beginn des neuen Schuljahres – wie bereits die Kindergärtner – den langen Weg ins Tal unter die Füsse nehmen müssen, die engagierten Lehrpersonen an einer kleinen Feier. Dies auf eigene Initiative, nachdem die Gemeinde kein Interesse an einem offiziellen Anlass bekundet hatte.

Gastgeber Nadja und Patrik Vogel vom Märchenhotel begrüssten die kleine Schar, die neben den 14 eben vom Schwimmunterricht im hoteleigenen Pool entlassenen Schülern auch Schulleiterin Monika Zweifel umfasste. Sie taten dies nicht ohne Grund mit einem Krug erfrischenden Caipirinha: Die während knapp dreier Jahrzehnte an der Bergschule tätige Bettina Schiltknecht wagt zum Abschluss ihrer Lehrtätigkeit den Schritt über den grossen Teich und wird ab Anfang August an einer Schweizer Schule in Brasilien unterrichten. Es ist dies nicht die erste Auslandserfahrung der in Amerika Geborenen, war sie doch zusammen mit Ehemann Gabriel mehrere Jahre an einer Missionsschule im westafrikanischen Ghana tätig, bevor das Paar in den 1990er-Jahren nach Braunwald übersiedelte. Andreas Stricker, der seit einem Jahr das Team ergänzt und die Stelle hoch über dem Alltag als nicht nur geografisch die schönste in seiner Karriere bezeichnet – und den Schulbetrieb als den bei Weitem sparsamsten – wird sich künftig im heimatlichen Thurgau auf seine Lehrtätigkeit konzentrieren. Die ebenfalls eingeladene Vreni Zweifel bleibt der Gemeinde als kreative Werk- und Handarbeitslehrerin auch im neuen Schuljahr erhalten.

Ebenfalls eingeladen waren die Leitung des Hotels Tödiblick, wo seit vielen Jahrzehnten auf privater Basis unkompliziert ein Mittagstisch angeboten wird, sowie Ruedi Hächler, der diesen kompetent und unentgeltlich betreute. Nach den unter strahlender Sommersonne nicht ohne Tränen wehmütiger Erinnerung über die Bühne gegangenen Dankesreden und dem Austausch von Geschenken übersiedelten die Gäste in den gediegenen Speisesaal und genossen bei schönster Aussicht auf das einmalige Bergpanorama das von umsichtigen Mitarbeitern servierte Mittagessen. Bei angeregten Gesprächen und unter Einbezug des kostbarsten Gutes, über das eine Gemeinschaft verfügt – nämlich ihrer Kinder – ging so eine Ära zu Ende, der Braunwald als aufstrebende Siedlung wie das einstige Grandhotel mit seinen Mitbewerbern letztlich seine Existenz verdankt: jene der Bergschule Braunwald.

Alexander Stuber

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