«Das Zusammensein ist der Lohn»

In der neuen Rampe: Zum zehnten Mal baut die Skate-Community ihren Park um, erstmals mit der Unterstützung eines Crowdfundings. (Foto: dl)

Eine Ladung Beton, viel Arbeit und ein Fest: Diese Woche wird der Skatepark Näfels um zwei Elemente erweitert, erstmals finanziert durch ein Crowdfunding. Damit sucht der Verein Skatepark Glarnerland-Linth auch neue Mitglieder, um den Ort langfristig lebendig zu halten. Ein Beispiel, wie öffentlicher Raum gestaltet werden kann.

«Ich kann es immer noch nicht», lacht Andri Heidler – Skateboarden. 2007 hat er mit dem Verein Skatepark Glarnerland-Linth den damals grössten Skatepark der Schweiz realisiert. Das Engagement des 33-Jährigen und der Skate-Szene ist damit längst über den Sport hinausgewachsen. Diesen Montag wurde wieder eine Ladung Beton in den Skatepark Näfels bei der Linth­arena geliefert. Es ist der regnerische Start der fünftägigen Baustelle. Die lokalen Skatevereine «Skatepark Glarnerland-Linth» und «Habash Skate» bessern hier zum 10. Mal aus, passen an und erweitern. Alles do it yourself – denn: Skateboarder bauen selbst die besten Parks. Andri Heidler kann damit sagen, was er auch von aussen oft hört: «Wir haben einen der lebendigsten Skateparks der Schweiz.» Abends trifft sich die lokale Skate-Community, tagsüber wird der «Beton» von Familien mit Velo oder Trotti genutzt.

200 neue Mitglieder gesucht
Für Umbau und Erweiterung wurde zum ersten Mal ein Crowdfunding aufgesetzt. Über die Plattform der Raiffeisen lokalhelden.ch will der Verein bis Ende Juli 10 000 Franken sammeln. So viel kosteten im Schnitt die Baustellen – ohne die Freiwilligen-Arbeit – bisher zur Hälfte finanziert durch die jährlichen Mitgliederbeiträge von 25 Franken. Die Hälfte des Geldes ist bereits zusammen, wichtiger ist jedoch: «Ziel des Crowdfundings ist es vor allem, nochmals 200 Mitglieder zu gewinnen. Nur so können wir den Skatepark langfristig weiterführen», erklärt Andri Heidler. Dieser Aufruf soll mehr Bewusstsein schaffen, dass der Skatepark zwar von Gemeinde und Kanton unterstützt, aber von der Community selbst gestemmt wird. Heidler erklärt: «Weil der Park uns als Verein gehört, können wir unsere Ideen reinpacken. Das ist einmalig in der Schweiz – und macht mich sehr glücklich.» 

«Sogar Näfels ist beleuchtet»
Parks, die von einer Gemeinde gebaut werden, sind viel starrer, weil die Nutzenden kaum Mitsprache haben. So wurde dem Skatepark Brunau in Zürich seit Langem eine Beleuchtung versprochen. Ende Juni titelte der «Tages-Anzeiger»: «Sogar in Näfels ist die Skateanlage beleuchtet, nur in Zürich nicht.» Die Errungenschaft der Glarner Szene ist laut Andri Heidler, «dass wir sie motiviert haben, sich als Verein zu organisieren, öffentlich sichtbar zu werden und Gelder zu beantragen. Damit können wir den Park gestalten – für uns und für alle, die ihn nutzen wollen. Er ist für alle kostenlos zugänglich.» Um 100 Quadratmeter wird der Skatepark dieses Jahr vergrössert. Es entsteht eine kleine Rampe, die einen einfachen Einstieg ermöglichen soll. Sie lässt sich kombinieren mit der Sprungrampe für Könner. Bei der Auswahl der neuen Objekte hat sich der Verein auch mit Leuten auf dem Kickboard oder dem BMX ausgetauscht.

Auf Baustelle folgt Beton Fiesta
Die Skate-Community weiss, was sie tut: Unter ihnen sind ein Architekt, ein Maurer, ein Polier, ein Ingenieur, ein Polymechaniker, ein Zimmermann, einige Kunst- oder Musikschaffende, Multimedia- und Gastro-Leute. Zusätzlich unterstützt von professionellen Skatepark-Bauern ist die Qualität des Parks sehr gut. Der Lohn aller Helfenden sei das Zusammensein, das werde mit einem Fest gekrönt, erklärt Andri Heidler: «Es ist nicht wie auf einer Baustelle, eher wie ein Lager.» Deshalb folge auf jede Bauwoche eine Einweihungs-Session. Auch dieses Wochenende. Für die «Beton Fiesta» kommen diesen Samstag Leute aus der ganzen Schweiz. Gefeiert wird mit ­fetter Soundanlage, zwei Bands, einem DJ. 

Anerkennung des Kantons
Fritz Rigendinger, Leiter der Kulturförderung, sieht die Beton Fiesta «als kreativen Ort, wo Musik, Kunsthandwerk und Multimedia zusammenkommen. Der Skatepark wird damit zum Lern- und Inspirationsort.» Die kulturelle Unterstützung des Kantons sei eine Anerkennung für die enorme Arbeit, die im Skatepark geleistet werde. Durch sein Engagement hat Andri Heidler gelernt: «Es lohnt sich, zwischen verschiedenen Expertisen, Hintergründen und Lebensrealitäten zu vermitteln, um Lösungen für die Gestaltung des gemeinsamen Raums zu finden. Das ist zentral für ein gutes Zusammenleben und für öffentliche Angebote, die auch den Bedürfnissen der Menschen entsprechen.» Und aus dem Skaten selbst hat er gelernt: «Dranbleiben.»

Delia Landolt

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