Am kommenden Wochenende werden weit über 100 000 Schützinnen und Schützen am Feldschiessen teilnehmen. Eine gesellige und sportliche Tradition, die privates und militärisches Wettschiessen verbindet. Der FRIDOLIN sprach mit dem Kreiskommando über Information, Motivation und Wertschätzung.
Seit 130 Jahren wird beim Feldschiessen in den Schützenvereinen geschossen – ein Volksfest. Waffen, Munition und die Scheiben sind aber militärisch. Militär und Zivilleben greifen also Hand in Hand. Genauso ist es an den militärischen Orientierungstagen. Wenn Middendorf mit seinem Moderationsteam – er wird ab 1. November Kreiskommandant – die jungen Glarner und die freiwilligen jungen Glarnerinnen in Elm in Empfang nimmt, zeigt er ihnen Videos, welche die Moderatorinnen und Moderatoren im zivilen Alltag, beim Hobby und schliesslich in Uniform zeigen. Denn eine Stärke der Milizarmee liegt darin, dass sie die privaten Fähigkeiten und Kenntnisse von jedem und jeder militärisch nutzbar machen kann.
Die Unschlüssigen motivieren
Dass der Kanton Glarus bei der Orientierung ein Vorzeigekanton ist, verdankt er seinem eigenen System. «Früher wurde frontal vorgetragen», erinnert sich Kreiskommandant Walter Rhyner. «Man erwartete, dass die Jungen kommen, absitzen und zuhören. Heute ist das ein Erlebnistag mit Info-Ständen, an denen alle Eingeladenen und Aufgebotenen sich holen, was sie interessiert. Das kommt sehr gut an bei den Jungen.» Zwar will die Generation Z wissen, was sie davon hat, wenn sie Militärdienst leistet, aber sie ist auch gewohnt, sich über das, was sie interessiert, Informationen zu beschaffen. «Da können wir ihnen Vorteile aufzeigen: die Kameradschaft, die sie gewinnen, aber auch Praktisches von der Selbst- und Kameradenhilfe bis zu Prüfungen, die sie ablegen. Wir zeigen den Mehrwert auf – denn in unserer Armee zählt jeder einzelne Soldat, der etwas Neues lernen kann», so Middendorf. «Sie begreifen, dass sie einen Dienst an der Allgemeinheit leisten.» Walter Rhyner führt auch die veränderte Weltlage an. «Vor 15 Jahren war unsere Verteidigungsaufgabe schwierig zu erklären. Heute kommen sie zu uns und fragen: Was bedeutet die Situation in der Ukraine für uns?» Die Unschlüssigen erleben am Informationstag, dass bei der Armee der Mensch im Mittelpunkt steht. «Bei der Rekrutierung in Mels – sie dauert heute drei Tage – werden alle medizinisch, psychologisch und am Computer getestet. Wir haben einen sehr guten Draht nach Mels und schauen, dass alle eine Zuteilung und Funktion bekommen, welche sie auch erfüllen können», so Walter Rhyner.
Erste Berührung
Welche Bedeutung hat nun das Feldschiessen für den Wehrwillen? «Bei den ganz Jungen ist es der erste Kontakt», so Christian Middendorf. «Sie sind stolz, wenn sie einmal schiessen dürfen, wenn sie sich – unter Anleitung des Schützenmeisters – verbessern. Sie wollen den Spass am Schiessen erleben, das höre ich von vielen, und das Feldschiessen ist sauber und sicher geführt.» Viele bringen, so Walter Rhyner, das Feldschiessen nicht mit dem Militär in Verbindung. Es geht um den sportlichen Erfolg und um die Erfahrung: Ich treffe ein Ziel über 300 m auf einen Meter genau. Zudem macht es die Schiessvereine bekannt. «Sie haben eine grosse Tradition, sie bilden die Jungschützen aus, das empfehlen wir allen, die in die Infanterie gehen, dass sie die Grundbegriffe lernen, sie haben dann im Militär einen Vorteil. Die Vereine verbinden Alt und Jung – hier können alle dieselbe Disziplin schiessen und gegeneinander im Wettkampf antreten. Wegen der Schiesstätigkeit werden die Vereine von der Armee auch unterstützt.»
Frauen im Vormarsch
Gerade unter Bundesrätin Viola Amherd waren Frauen in der Armee und Orientierungstage für sie vermehrt ein Thema. Die Hemmschwelle für Frauen sinkt langsam, der Rückhalt in der Familie nimmt zu. Von den etwa 150 eingeladenen Frauen kamen früher drei bis vier zur Orientierung, heute sind es bereits sieben bis acht – denn mit Alexandra Schnyder informiert sie eine Moderatorin, die selber in einer Kampffunktion war. Und diese Frauen gehen dann auch zur Rekrutierung, denn heute stehen ihnen alle Funktionen offen. «Sie sollen uns als Dienstleister ansehen, können sich informieren und er oder sie wird verantwortungsvoll und positiv empfangen», so Christian Middendorf. Wenn er im kommenden Jahr im Kreiskommando übernimmt, garantiert das Konstanz bei der Orientierung und eine menschliche und freundliche Grundhaltung. Das und die Wertschätzung und Kameradschaft kann zum Dienst motivieren.
FJ
Detaillierte Zeitangaben zum Feldschiessen auf glksv.online oder öffentliche Anschläge.


