Jetzt kommt Leben auf die Alp

Im Team für die Alp: Marco, Sämi und Tobias Huser. (Foto: FJ)

Wenn Marco Huser aus Netstal auf die Alp zieht, begleitet er 20 Milchkühe, 60 Rinder und 16 Geissen. Zusammen verbringen sie den Sommer auf den Weiden, die zwischen 1100 und 2200 Meter über Meer liegen. Bis es jedoch losgeht, ist einiges zu tun, wie Huser erzählt. Obwohl er mitten in diesen sorgfältig geplanten Vorbereitungen steckt, hat er sich Zeit genommen und dem FRIDOLIN erzählt, wie diese laufen.

Für Marco Huser beginnt die Alpsaison im Frühling mit einem Käserkurs im Plantahof, der landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte der Kantone Graubünden und Glarnerland. «Hier werden Kurse für uns Käser zu verschiedenen Themen angeboten, Fragen beantwortet und Unklarheiten im Zusammenhang mit der Produktion geklärt», erzählt Huser. «Daran können alle Käser des Kantons teilnehmen. Und es ist eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen.» Solche Gespräche unter Älplern sind ihm wichtig. Ein Sommer auf der Alp ist streng, sieben Tage in der Woche körperliche Arbeit. Je nach Alp ist man weitab vom Tagesgeschehen unten im Tal. Da kann ein Austausch unter Kollegen neue Einsichten geben, sinnvolle Tipps und Tricks bieten und es tut einfach gut, wenn man hört, wie die Kollegen zum Beispiel mit Wassermangel, verletzten Tieren oder der Einsamkeit umgehen.

Huser sömmert sein Vieh auf der Alp Hinterschlatt; 80 Hektaren. «Das schaffe ich nicht allein», sagt er. Dieses Jahr bekommt er Unterstützung von einer Mitarbeiterin. Brigitte, seine Frau und die beiden Söhne Sämi und Tobias sind die meiste Zeit im Tal. «In den Sommerferien und an Wochenenden sind die Buben auf der Alp. Wenn sie zur Schule gehen, wohnen sie bei Brigitte oder bei ihrer Grossmutter.»

Stall und Weiden säubern
Bevor jedoch Vieh und Älpler Stall und Weiden wieder beleben, müssen verschiedene Dinge des täglichen Gebrauchs bereitgestellt und allenfalls ersetzt werden, zum Beispiel Putzmittel und auch mal ein Werkzeug. Manchmal sind auch bauliche Anpassungen erforderlich, um Arbeitsabläufe zu verbessern. «Da ich Pächter der Alp bin, spreche ich solche Massnahmen mit der Gemeinde ab.» Darum ist Huser vor dem Aufzug immer wieder mal auf der Alp, zu Hause in Netstal und wieder auf der Alp: «Hütte und Stall putzen, Sennerei waschen, Stall einrichten und so weiter.».

Wenn drinnen alles sauber ist, richtet sich sein Blick auf die Weiden, denn jeder Winter hinterlässt seine Spuren. «Wir müssen Steine und Jungwuchs entfernen, sowie Holzschlag räumen, den Winterstürme auf die Weiden geworfen haben.» Das sind Arbeiten, die er Anfang Mai in Angriff nimmt. Sobald die letzten Spuren des Winters aufgeräumt sind, kann er die Zäune aufbauen. «Das ist eine grosse Arbeit. Ich muss die 80 Hektaren unterteilen und aushagen.» Das macht er, damit seine Kühe und Rinder, in welchem Bereich sie sich auch befinden, stets genügend Wasser haben. «Die Geissen laufen frei herum und kommen ab und zu zum Stall, um Grüezi zu sagen.» Dann ist alles für den Alpsommer parat. «Wir bringen das Essen hoch und nach den letzten kleinen Säuberungen kommen die Tiere.»

Vier Monate lang werden sie auf den Weiden grasen. Das gibt viel Milch, die Huser zu Glarner Alpkäse AOP und Butter verarbeitet. Mit der Transportbahn bringt er Käselaibe und die Butter zum Grappliboden bei der Rossmattertalstrasse. Von dort werden sie mit dem Auto ins Tal gefahren.

Wirtschaftlicher Faktor
Eine Alp zu bewirtschaften ist harte Arbeit, oft ist sie nicht direkt sichtbar und jeder Älpler und jede Älplerin übernimmt grosse Verantwortung, ist eine Unternehmerin, ein Unternehmer. Huser: «Es ist eine wichtige Arbeit.» Das belegte im August 2021 auch «die grüne», das Fachmagazin für die Schweizer Landwirtschaft mit Zahlen: «In den Bergregionen sind die Sömmerungsbetriebe mit 280 Millionen Franken Umsatz und 17 000 Beschäftigten in rund drei Monaten ein wichtiger ökonomischer Faktor: Die lokalen Landwirtschaftsbetriebe erzielen damit 30 Prozent ihres Einkommens.» Und Huser betont: «Wir produzieren hochwertige, regionale Lebensmittel.»

Aber wie ist das für die Älpler? Zweimal im Jahr den Wohnort zu wechseln und vier Monate lang, fernab des täglichen Geschehens und zuweilen auch von der Familie, mehr oder weniger alleine zu verbringen? Huser: «Dieser Wechsel ist herrlich. Auf der Alp bin ich zu Hause, das tut mir gut und gefällt mir sehr gut.» Es sei ein anderer Rhythmus und «Keiner redet mir drein.»

Ab September, wenn Tiere, Älpler und Sennen wieder im Tal und die Ställe winterfest gemacht sind, bieten sich viele Möglichkeiten, das Erlebte und die Erfahrungen mit andern kompetenten Älplern zu besprechen. Im Glarnerland spätestens am Alpchäs- und Schabziger-Märt im Oktober. 

Fredy Bühler

 

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